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Europawahl

Söder pries Oberpfalz noch vor Europa

Der Parteichef sprach am Dienstag auf der Abschlusskundgebung der Oberpfalz-CSU in Oberbuchfeld vor gut 1500 Zuhörern.
Von Lothar Röhrl

Markus Söder unterschrieb ins Goldene Buch von Deining den Text, den Bürgermeister Scherer dann dem Zeltpublikum vorlas. Mit auf der Bühne war der Oberpfälzer CSU-Kandidat Christian Doleschal (3. v. l.). Foto: Lothar Röhrl
Markus Söder unterschrieb ins Goldene Buch von Deining den Text, den Bürgermeister Scherer dann dem Zeltpublikum vorlas. Mit auf der Bühne war der Oberpfälzer CSU-Kandidat Christian Doleschal (3. v. l.). Foto: Lothar Röhrl

Oberbuchfeld.Berlin-München-Nürnberg-Dresden-Oberbuchfeld – mit dieser Aufzählung der Reiseziele seines Chefs, Ministerpräsident Dr. Markus Söder, am Dienstag sorgte Bayerns Finanzminister Albert Füracker für einen der vielen Lacher der Veranstaltung des CSU-Bezirksverbandes Oberpfalz. In dem wegen des am Freitag beginnenden Feuerwehrfestes schon aufgebauten Zelt ging es vorrangig um die Europawahl. Dabei stellte Söder den Appell, keine rechts- oder linksextremen Parteien zu wählen, dem Aufruf zur Stimmabgabe am Sonntag gleich.

Vor 1500 Zuhörern im bis auf wenige freie Sitzplätze vollen Zelt hatte Söder seine Rede anders begonnen, als es sich der Deininger Bürgermeister Alois Scherer mit den Worten „eine fulminante und zukunftsweisende Rede“ gewünscht hatte. Denn der Ministerpräsident aus Nürnberg setzte an den Beginn seiner 45 Minuten langen, ohne Manuskript gehaltenen Rede eine Serie von Streicheleinheiten eines Franken für die Oberpfalz in der Art eines Gut-Wetter-Machens ein. Sein Lob galt den Oberpfälzern an sich und Albert Füracker, der nur 20 Kilometer Luftlinie von Oberbuchfeld entfernt wohnt, im speziellen. Söder attestierte dem Degerndorfer, dass ihn mit diesem ein „politisch enges Verhältnis“ verbinde.

Söder: Bin Fan der Oberpfalz

Was ihm selbst an Lobesworten von Hausherr Alois Scherer, dem Deininger Bürgermeister, zu Beginn der Kundgebung widerfahren war, bezeichnete Söder trocken als „angemessen“. Weiteren Beifall für seine Pointen heimste der CSU-Parteichef ein, als er sich beispielsweise als „Fan der Oberpfalz“ bezeichnete. Die Franken seien „sowieso innerlich verbunden voller Liebe mit der Oberpfalz“. Das sei daran zu merken, dass der Franke humorvoll und sehr schnell euphorisch werden könne. Er sei aber nur der Meinung, dass das nur keiner merken müsse. Das liege wohl an den tieferen Club-Erlebnissen. Die einzigen, die als Volksgruppe in Bayern über Franken lachen dürften, seien die Oberpfälzer. Das geschehe ungestraft und unter großem Beifall jedes Jahr, wenn von Oberpfälzern bei der wichtigsten fränkischen Kulturveranstaltung in Veitshöchheim die fränkische Seele malträtiert und beleidigt werde.

Zu seinem Gefühl, sich bei jedem Aufenthalt im Landkreis Neumarkt „unter Freunden“ zu wähnen, zählte Söder auch Landrat Willibald Gailler. Dieser „drücke“ sich aber seit Jahren vor einem Tennis-Match mit ihm. Nun warte er darauf, dass er dieses Spiel alleine aus seiner Kondition heraus gewinnen könne – ‚drohte‘ der 52-Jährige dem anwesenden Noch-64-Jährigen.

Respekt vermisst

Soweit Söders Späße bei dieser Wahlkampfabschlussveranstaltung des CSU-Bezirks Oberpfalz. Er konnte auch staatsmännisch. So verteidigte er seine Entscheidung, an so einem Abend wie diesem Dienstag und damit wenige Tage vor der Europawahl nicht in der Hauptstadt zu sein, sondern in Oberbuchfeld zu sein. Denn wer die bayerische Seele kennen lernen wolle, dürfe sich nicht in dessen Metropolen aufhalten, sondern im ländlichen Raum. In diesem Zusammenhang forderte unter starkem Beifall zu mehr Respekt und Anerkennung an die Adresse der bayerischen Landwirtschaft auf. Denn diese produziere die besten Nahrungsmittel in der gesamten Welt.

Dann war der Schwenk zum Hauptthema des Abends, der Europawahl, erreicht. Söder wiederholte vielen Positionen, welche unter anderem der von ihm sehr empfohlene CSU-Spitzenkandidat Weber bereits geäußert hat. Die Wähler sollten nicht Kräfte aus Rechts und Links unterstützen, die Europa von innen heraus zerstören wollten. Vielmehr gehe es um eine Stärkung jener Kräfte, die für ein wirtschaftliches Behaupten Europas in Zeiten wachsender Aggressivität aus den USA und Asien garantieren wollten.

Eindrücke aus der CSU-Kundgebung in Oberbuchfeld sehen Sie hier:

Markus Söder sprach in Oberbuchfeld

Den Gekommenen empfahl Söder, ihre Stimme der CSU zu geben. Denn das nutze dem an diesem Abend ebenfalls anwesenden Oberpfälzer Kandidaten Christian Doleschal. „Der brennt für Europa; er bringt Oberpfälzer Anliegen im Europäischen Parlament vor“, empfahl der CSU-Parteichef.

Zum Anlass, warum das Festzelt schon am Dienstag stand (125-Jähriges der Freiwilligen Feuerwehr Oberbuchfeld), fand Söder auch einige Worte. Den Feuerwehren in Bayern hielt er zu Gute, dass zum Freistaat nicht nur die Gebirgsschützen gehörten, sondern auch die Feuerwehren. Diese seien mit ihrem Engagement „fester Mittelpunkt jedes Dorfes und jeder Gemeinde“. Mit der Übernahme der Ehrenschirmherrschaft des Festes in Oberbuchfeld habe er sein Anliegen bewiesen, den Feuerwehren zu danken.

Ein „Premium-Bürgermeister“

Söder bekam nicht nur Gastgeschenke an diesem Abend wie ein junges Apfelbäumchen oder ein Feuerwehrauto, gefüllt mit Süßigkeiten. Mit auf den Weg in die Staatskanzlei hatte ihm Bürgermeister Alois Scherer schon zu Beginn des Abends eine Bitte gegeben. In seiner Funktion als Vorsitzender des überparteilichen KPV-Bezirks (Kommunalpolitische Vereinigung der Oberpfalz) bat Scherer um einen massiven Abbau der Bürokratie. Als Beispiel bezog er sich auf eine Anordnung des Landratsamts zum 1. April heuer. Demnach musste der beliebte Lagerplatz für Bauschuttrecycling bei Mittersthal geschlossen werden.

Übrigens: Darauf ging Söder später nicht ein. Vielmehr umschmeichelte er seinen Parteifreund Alois Scherer mit dem Ausdruck „Premium-Bürgermeister“. Denn dieser gebe sich nicht damit zufrieden, dass es in Deining ganz gut laufe. Er versuche, einer der Besten zu sein. Das sehe er daran, dass in Deining alles „piccobello in Schuss“ sei – lobte der CSU-Chef.

Der Oberpfälzer CSU-Bezirksvorsitzende Albert Füracker gab sich im launigen Grußwort überzeugt, dass die Franken „total nette Nachbarn“ hätten. Die Oberpfälzer seien ja auch ein selbstbewusstes Völkchen. Das sei, so schränkte er schmunzelnd ein, aber nicht so selbstbewusst wie ein anderes, dessen Name auch mit „Ober“ angehe. Abschließend freute sich Füracker auf die neue Saison von Feuerwehrfesten. Die Ersten heuer seien die Oberbuchfelder. „Jede Woche treffen wir uns dann zu einem anderen.“

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