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Konzert

Wie schön, dass es Haindling noch gibt

Hans-Jürgen Buchner und Band boten im vollen Oberbuchfelder Festzelt Lieder und Gedanken, die oft leider zeitlos wirken.
Von Lothar Röhrl

Ein Dominator der sehr sympathischen und instrumentell bewundernswert vielseitigen Art: Hans-Jürgen Buchner, Frontmann der Haindling.Foto: Lothar Röhrl
Ein Dominator der sehr sympathischen und instrumentell bewundernswert vielseitigen Art: Hans-Jürgen Buchner, Frontmann der Haindling.Foto: Lothar Röhrl

Oberbuchfeld.Wenn eine Band vom begeisterten Publikum gar nicht mehr von der Bühne gelassen wird, dann kann sie in den zweieinhalb Stunden davor nichts verkehrt gemacht haben. Das war am Freitag bei Haindling in Oberbuchfeld so. Ein pickepacke-volles Festzelt, das anlässlich der 125-Jahrfeier der Feuerwehr des Deininger Ortsteils aufgebaut worden war, huldigte den sechs Musikern.

Dastat es vor allem an die Adresse von Hans-Jürgen Buchner. Die 75 Jahre, die „der Haindling“ – wie ihn viele nennen – heuer im Dezember feiern darf und die man ihm wahrlich nicht ansieht, ließ sich das multiinstrumentale, niederbayerische Energiebündel nicht anmerken.

3000 sorgten für volles Zelt

Voll fit präsentierte sich der Bandleader am zweiten Abend der eben erst gestarteten neuen Sommertournee. Keine Spur von Abnutzung oder Abgeschlafftheit und hörbar ohne Druck, ein neues Album an die Frau und den Mann bringen zu müssen, standen der Chef und seine fünf Mitstreiter vor gut 3000 Konzertbesuchern auf der Bühne. Trotz dieser Masse bekamen auch die Gäste in den hinteren Reihen noch einen ordentlichen Sound geboten.

Der wurde mit einer Batterie an Instrumenten erzeugt, die in der Masse selten ein Sextett zu bieten hat. Alleine 15 Blasinstrumente und fünf Gitarren standen griffbereit. Daraus zauberte die Band Musik, die hohen konzertanten Ansprüchen genügte. Dass man mit verschiedenen Tubas, Trompeten und Saxofonen auch Ska- und Reggae-Rhythmen wiedergeben kann, gab es als Grundelement bei mehreren Liedern zu hören.

Instrumentals ein Trumpf

Starke Momente hatte der Abend, als Haindling seine Instrumentals bot. Sehr emotional wirkte es, als Buchner im Zugabe-Teil, der der längste einer Band weit und breit seit Jahren war, am Piano stilvoll illuminiert spielte.

Dieser leise Teil der Zugaben wurde gerade mal nicht von jenem Misston begleitet, der von Dauerratschern im Publikum erzeugt wurde. Zwei Stunden ohne Mitteilungsbedürfnis und nur mit reiner Freude am reinen Zuhören aushalten: Das ist offensichtlich für manche Zeitgenossen schwer geworden. Das sei am Freitag schon jenseits der Grenze zur Zumutung gewesen – so klagten unabhängig voneinander zwei Konzertbesucher dem Tagblatt. Da hat wohl der Knigge beim Thema „Richtiges Verhalten als Zuhörer in Konzerten“ kräftig versagt.

Ansonsten gab es für alle Haindling-Kenner und -Liebhaber jenes Wiederhören, auf das sicher viele beim Kauf der Karte für diesen Abend gehofft hatten. Dass Haindling-Evergreens noch dazu wie immerwährende Aktualität haben, konnte wohl jeder Konzertgast bestätigen.

Was so alles in dem 140 Minuten langen Konzert los war, zeigt diese Bildergalerie:

Haindling trat in Oberbuchfeld auf

Wie etwa beim Hit „Du Depp“: Eine solche Spezies scheint gerade in der heutigen Zeit Hochkonjunktur zu haben. Ob beim Umgang mit Handys oder beim sündteuren Aufbrezln für Volksfeste oder beim durch Politiker forcierten Flächenfraß: Wer mit offenen Augen durch dieses Land und diese Zeit geht, konnte einigen Texten von Haindling nur zustimmen.

Apropos Flächenfraß: Dass die Band in einer Gemeinde, die Beispiel dafür sei, auftrat, habe man gehört – erzählte ein schmunzelnder Buchner. Dafür gab es Beifall von denen, die wussten, was und wer gemeint ist. Überhaupt, so Naturbursche Buchner, hätten die heutigen Bürgermeister ihr Bemühen zum übermäßigen Flächenverbrauch noch intensiviert. Aber auch andere Zeitgenossen, die mit diesem Planeten nicht sehr zukunftsgerecht umgehen, bekamen ihr Fett weg.

Da war er wieder der gute alte Hans-Jürgen Buchner. Der schon immer jenen aus der Seele sprach, die am Zeitgeist leiden und deshalb um die Zukunft von allem fürchten, was so auf dieser Erde kreucht und fleucht. Allerdings ist längst Wirklichkeit geworden, wovor Buchner schon vor 37 Jahren bei Beginn seiner Karriere an Schreckensbildern zur Warnung skizziert hatte. Das relativ neue Lied vom Mond etwa. Der hat schon so lange die Bewohner seines blauen Nachbarplaneten mit zunehmender Fassungslosigkeit beobachtet, wie sie sich gegenseitig und ihren Planeten beharken.

Beglückung pur

Natürlich bot dieser Abend auch viel Unterhaltung, weil es an Gelegenheiten zum Mitsingen, Mitklatschen, Mitschunkeln und zum Abtanzen im Stehen nicht fehlte. Alle von Buchner gesungenen Haindling-Hammer waren zu hören: von der „Paula“ über „Lang scho nimma g’sehn“ oder „Rotes Haar“ bis zum von unzähligen Partybands nachgespielten „Bayern“ („Des samma mia“). Da hörte sicher jeder sein liebstes „Haindling“-Stück.

Selig beglückt wirkten jedenfalls viele, als das Konzert dann wirklich aus war.

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