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Tradition

40 Mann wecken die „gelben Ameisen“

Damit die Dietfurter ihren Chinesenfasching nicht verschlafen, macht sich früh am Morgen ein besonderer Trupp auf den Weg.

Für 22 Jahre „Heimat der Weckrufler beim Lukas“ dankte Stefan Baumer (l.) Hansi Herler (3. v. r.) und dessen Frau.
Für 22 Jahre „Heimat der Weckrufler beim Lukas“ dankte Stefan Baumer (l.) Hansi Herler (3. v. r.) und dessen Frau. Foto: ufb

Dietfurt.So einzigartig wie der Chinesenfasching ist, so trifft dies auch für verschiedene Einrichtungen zu, die von ihm nicht wegzudenken sind. Dazu gehören Kaiser, China-Diplomaten und Diplomatinnen sowie das Engagement von Kindergarten und Schule, die den Nachwuchs frühzeitig zum Fasching hinführen. Einzigartig ist aber auch der Weckruf, der am „Unsinnigen“ dafür sorgt, dass die Dietfurter ihren Nationalfeiertag nicht verschlafen.

Beim Weckruf handelt es sich um eine Einrichtung, die vom Chinesenfasching kaum wegzudenken ist. Die Tradition existiert über 60 Jahre, wird wie ein Verein geführt – obwohl sie kein Verein ist und keinen Vorsitzenden hat. Der einzige Offizielle ist ein Kassier, derzeit Thomas Gietl. Die Gruppe kennt keine Nachwuchssorgen – es muss sogar darauf geachtet werden, dass sie nicht zu groß wird. Deswegen gibt es ein Maximum von 40 Personen gegeben. Dreimal jährlich kommen die Mitglieder zusammen: Am Sonntag vor dem „Unsinnigen“, um den Ablauf des „großen Tages“ zu besprechen, zum Einsatz am „Unsinnigen“ und dann im Sommer zu einem gemütlichen Grillabend.

Weckruf-Rundreise ab 0.30 Uhr

Der jüngste Treff zwecks Besprechung des morgigen Tages fand im Gasthaus Herler (Lukas) statt. Stefan Baumer, neben Andreas Werner und Michael Heislbetz zum Führungsteam gehörend, erklärte die „Weckruf-Rundreise.“ Demnach sollen sich die Teilnehmer um 0.30 Uhr im Stammlokal einfinden. Hier bekommen alle soweit sie nicht schon geschminkt sind, Farbe ins Gesicht. Gleichzeitig können sie sich mit Gulaschsuppe stärken, die nach gutem Brauch der Wirt Hansi Herler spendiert.

Spätestens um 2.15 Uhr erfolgt der Abmarsch in Richtung Innenstadt. Die erste Station ist traditionsgemäß bei Rosa Geyer, der Frau des Weckrufbegründers und langjährigen ehemaligen Kaisers. „Er verdient es, dass man sich ab ihn immer wieder erinnert“, sagt Baumer. Dann geht der etwa 10 Kilometer lange Fußmarsch weiter, der mehrere Haltestellen mit Versorgung hat. Die erste davon ist bei Familie Andrea Paul, bei der es immer Kaffee und Rotweinkuchen gibt. Anschließend zieht man über die Weiherstraße in Richtung Dietfurt-West, um mit Musik, Kanonenschlägen und verschiedenen Lärmwerkzeugen die „gelben Ameisen“ (so werden am „Unsinnigen“ gelegentlich die Dietfurter genannt) zu wecken.

Ob der Kaiser auch wach ist?

Nachdem das Siedlungsgebiet abgeklappert ist, wird die Innenstadt angepeilt. Hier machen sich die Weckrufler im Kloster und Pfarrhaus bemerkbar und marschieren dann in Richtung kaiserlichen Wohnsitz um zu sehen, ob Kaiser Fu-Gau-Di schon wach ist. „Da wird mir heuer s´ Herz bluten weil ich nicht dabei bin,“ sagt Manfred Koller, der seit 20 Jahren zur Weckrufkolonne gehört. In diesem Jahr kann Koller wegen einer Menge von Vorbereitungen für seine Krönung am Nachmittag aber nicht mitzugehen.

Danach führt die Route wieder ins Zentrum um im Rathaus zu prüfen ob alle Beschäftigten im Dienst sind. Auf der Strecke zum Kindergarten erhält die Weckrufmannschaft in der Bäckerei Spitzer ein Riesensortiment an Krapfen, mit denen sie beim Besuch des Kindergartens den Kindern eine Freude bereitet. Weitere Ziele sind die Grund- und Mittelschule sowie das Caritas-Seniorenheim. Gegen 10 Uhr soll der Rundgang fertig sein, denn dann gibt es noch einiges für den Nachmittag zu erledigen. Jeder der Weckrufler beteiligt sich nämlich in anderer Funktion bei den Gruppen des Faschingszuges.

Ehrung für die Wirtsleute

Der Weckruf wurde in den 50er Jahren unter anderem von Friseurmeister Hans Geyer gegründet. Er hatte für den Chinesenfasching viel übrig und regierte von 1976 bis 2000 als Kaiser Bo-Da-Washy. Viele Jahre kamen die Weckrufler in aller Herrgottsfrühe beim „Boda“ zusammen, ließen sich von ihm schminken und machten sich auf den Weg durch die Siebentäler-Stadt. So lange Geyer konnte, marschierte er mit. Im Laufe der Zeit traf sich die Gruppe am frühen Morgen im Wildensteiner-Hof.

Der Weckruf hat vor 22 Jahren beim „Lukas-Wirt“ eine Heimat gefunden. Stefan Baumer dankte dafür und auch für die vielfältige Unterstützung seitens der Wirtsleute und überreichte an Hansi Herler einen von Sebastian Schmid gefertigten Orden. Steffi Herler bekam Blumen. Baumer: „Nach dem Fasching können wir auch bei einer ,Schnapszahl‘ eine Ehrung vornehmen, da brauchen wir nicht bis zum silbernen Jubiläum warten.“ (ufb)

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