MyMz
Anzeige

Renovierung

Eine Erinnerung an gefallene Soldaten

Die „Steinerne Marter“ beim Dietfurter Ortsteil Mallerstetten erinnert an eine brutale Schlacht vor 313 Jahren mit 103 Toten.

  • Ute Mühlbauer hat das neue Gemälde geschaffen, als Vorlage diente das alte Bild.Fotos: ufb
  • Pfarrvikar Franz Scheliga segnete das neue Bild für das geschichtsträchtige Marterl. Foto: ufb

Dietfurt.Das Bild der „Steinernen Marter“, zwischen Mallerstetten und Mitteldorf stehend, wurde in jüngster Zeit erneuert. Es erhielt jetzt von Pfarrvikar Franz Scheliga den kirchlichen Segen. Heimatpfleger Franz Kerschensteiner dankte dem Obst- und Gartenbauverein Mallerstetten der sich um den Bildstock angenommen hat. Dieser steht an einer geschichtlich bedeutenden Stelle.

Seit Jahren setzt sich der Obst- und Gartenbauverein Mallerstetten auch für die Heimatpflege ein und hat deshalb schon einige Flurkreuze und Marterl renovieren lassen oder sogar neu aufgestellt. Jüngste Aktion war die Erneuerung des Gemäldes der „Steinernen Marter“, die für die Dorfbewohner eine besondere Bedeutung hat. Deswegen zogen sie anlässlich der Weihe des neuen Bildes in einer Prozession betend dorthin. OGV-Vorsitzende Heidi Großhauser freute sich über die gute Beteiligung und dankte Ute Mühlbauer, die das Bild neu entstehen ließ. Diese verwendete als Unterlage eine von Helmut Graspointner gestiftete Edelstahlplatte. Dank zollte sie auch Otto Auer, Andreas Keckl und Georg Zach, die dem gemauerten Bildstock einen neuen Farbanstrich gaben.

Dann ließ Heimatpfleger Kerschensteiner wissen, dass die Steinerne Marter in der Großgemeinde zu den Marterln gehört, die einen langen geschichtlichen Nachweis haben. Der Standort hat eine besondere Bedeutung, denn vor 313 Jahren fand hier im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges eine harte Auseinandersetzung statt bei der 103 Bayerische Soldaten fielen die man in der Nähe in einem Massengrab beerdigte. Selbst wenn das Motiv des Bildes und der darunter stehende Text nicht unbedingt auf die Schlacht zwischen Bayerischen und Österreichischen Truppen am 3. März 1703 hinweisen, so geht der Heimatpfleger davon aus, dass das Marterl schon bald nach dem Krieg zum Gedenken an die Gefallenen errichtet wurde. Dafür spricht, dass dieses bereits 1730 als „Steinerne Marter“ im Saalbuch der Stadt Dietfurt erwähnt wird.

Von Dietfurts Pfarrer dokumentiert

Laut Kerschensteiner muss es ein brutaler Kampf gewesen sein. Dies geht aus Aufzeichnungen hervor, die der damalige Stadtpfarrer Wolfgang Nikolaus Böckl im Totenbuch der Pfarrei Dietfurt niedergeschrieben hat. Hier heißt es: „Die Bayern standen unter dem Kommando des Herrn de Verita und des Herrn von Wolframsdorf, während die Kaiserlichen von dem Herrn von Stirium befehligt wurden, dem sich die Fürsten von Öttingen, Bayreuth und Ansbach beigesellt hatten. Auf bayerischer Seite fielen, ganz vorne auf dem Dietfurt zunächst gelegenen Weinberg 103 Mann, die man vollständig ausgeplündert und auf dem Rücken liegend vorfand; sie wurden an demselben Ort in einem Massengrab beerdigt.“

Dann schrieb Böckl weiter: „In Dietfurt aber wurden von mir sieben begraben, unter diesen befand sich der hochangesehene und edle Herr namens Decolini, Hauptmann des Regiments Sanctini, der im Friedhof des hl. Ägidius bei der Stadtpfarrkirche begraben liegt. Und als die auf diese Weise in die Flucht geschlagenen Bayern unsere Stadt freiwillig verlassen hatten, wurde sie am sechsten März von den Kaiserlichen besetzt. Auch von den gegnerischen Soldaten starben noch zwei Erkrankte der eine hieß Matthias Menninger und war ein gemeiner Soldat, der andere namens Johann Georg Wenzel war Feldwebel des Ansbachischen Regiments. Sie verstarben mit den nötigen Sterbesakramenten gestärkt und wurde im Friedhof der Frauenkirche bestattet.“

Die Toten waren an den Boden gefroren

In Ergänzung dieser Niederschrift verweist der Heimatpfleger auf die Sage, dass es am Tag der Schlacht so kalt war, dass die Leichen am Boden festgefroren waren und mit Misthacken losgemacht werden mussten. Zudem soll es eine örtliche Überlieferung geben, dass die sogenannte „Steinerne Mater“, an einem Weg von Dietfurt nach Mallerstetten stehend, zum Andenken an die vielen Gefallenen errichtet worden ist. Im Hainsberger Heimatbuch findet man den Hinweis, dass die Bevölkerung zur letzten Ruhestätte der Soldaten gekommen ist und darüber blühende Wildrosen streute. In Anlehnung an diese Erzählung wäre es für den Gartenbauverein eine schöne Sache, hier einmal Wildrosen zu pflanzen, so Kerschensteiner.

Bevor Pfarrvikar Scheliga das Marterl weihte, deutete er dessen Gemälde und sagte, letztlich geht es um die Worte Jesu „Willst Du mein Jünger sein, folge mir“. Wenn man die Zeit und geschichtlichen Hintergründe kennt, in der es errichtet wurde, versteht man den Sinn noch besser. Letztlich aber soll es ein Hinweis sein, dass Gottesliebe und Nächstenliebe zusammengehören. (ufb)

Die Erneuerung des Marterls

  • Auslöser:

    In der Nische des gemauerten Marterls befand sich bislang eine Holztafel. Auf ihr waren das Herz Jesu, daneben der hl. Antonius und darunter das Fegfeuer dargestellt. Das Gemälde und die Holzunterlage waren verwittert.

  • Künstlerin Ute Mühlbauer

    aus Dietfurt nahm das bisherige Bild als Vorlage und hat dieses aus Haltbarkeitsgründen auf eine Edelstahlplatte gemalt. Danach wurde das neue Bild auf die bisherige Holztafel gesetzt, so dass diese im Verborgenen der Nachwelt erhalten bleibt.

  • OGV Mallerstetten:

    Den Anstoß zur jetzigen Erneuerung gab der frühere Vorsitzende Andreas Keckl.

  • Zum Bild gehört folgender Text:

    „Lieber Wandersmann auf diesem Weg, sieh dieses Bildnis an. Willst mein Jünger sein, so komm und folge mir. Denk an den Tod und unser Gericht, so vergißt du meine Liebe nicht.“

  • Feier:

    Nach der Segnung des Marterls lud die Vorstandschaft des OGV ins Gasthaus Benz zu einem gemütlichen Beisammensein ein. (ufb)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht