MyMz
Anzeige

Extremsport

Junut: Tag und Nacht auf den Beinen

Beim Jurasteig Nonstop Ultratrail waren schnelle Beine und eine starke Kondition gefragt – am Ende gab es einen Rekord.
Von Johann Grad

Im Laufschritt ging es für die Teilnehmer über den Jurasteig. Fotos: Grad
Im Laufschritt ging es für die Teilnehmer über den Jurasteig. Fotos: Grad

Dietfurt.„Bitte alle kontrollieren, ob der Tracker ,Grün‘ anzeigt“, fordert Gerhard Börner die 87 Läufer beim Start am Freitag um 9 Uhr auf. Alles im grünen Bereich. Bürgermeisterin Carolin Braun wünscht alles Gute zum Start ins Abenteuer, Börner zählt herunter, ein Schuss und die internationale Truppe geht den Jurasteig Nonstop Ultratrail (Junut) zügig an.

Die ganze Strecke ist 239 Kilometer lang, insgesamt 7500 Höhenmeter sind zu überwinden und nach 54 Stunden muss Dietfurt wieder erreicht sein. Wer es lieber kürzer will, hat 170 Kilometer mit 5400 Höhenmetern vor sich, das Zeitlimit beträgt 39 Stunden, dann muss man in Kastl angekommen sein. Um 15 Uhr schickt Touristikchefin Pia Pritschet die Spätstarter in diesem Freitag auf den Trail, sie haben für ihren Lauf sechs Stunden weniger Zeit.

Die Extremläufer machten sich den Wildenstein hinauf.
Die Extremläufer machten sich den Wildenstein hinauf.

„Beste Werbung für Dietfurt und den Jurasteig und heuer ist es umso schöner, weil mit Richard Kirschner ein Einheimischer, mitläuft“, freut sich die Touristikchefin. Aus dem Landratsamt sind Touristikfachleute nach Dietfurt gekommen, denn hier gibt es etwas Neues zu lernen.

150 Kilometer wöchentlich

Aus der Stadt hinaus geht es auf dem Jurasteig nach Mühlbach und dann weiter nach Riedenburg. Eine Läuferin schlägt in Mühlbach in die verkehrte Richtung, aber freundliche Leute zeigen ihr den richtigen Weg.

Im Gespräch vor dem Start berichtet Richard Kirschner, dass er beim Training an die 150 Kilometer pro Woche gelaufen ist, immer im Gelände, wie es beim Junut auch ist. Er ist gut ausgerüstet mit rutschfesten Schuhen und Funktions-Kleidung, hat genug Wasser dabei, Kraftnahrung und ein GPS-Gerät. „Für alle Fälle, aber ich glaube schon, dass ich die 170 Kilometer schaffe“, ist Kirschner zuversichtlich.

Viele der Teilnehmer waren zwei Tage und zwei Nächte unterwegs.
Viele der Teilnehmer waren zwei Tage und zwei Nächte unterwegs.

Er kommt gut voran und ist nach dreieinhalb Stunden in Riedenburg. In der dortigen Touristikformation haben vier fleißige Damen viele Sachen hergerichtet: Schmalz- und Butterbrote, Gemüsestreifen, Kuchenstücke, Nüsse, Kekse, dazu Wasser und Apfelsaft.

Nach und nach trudeln Läufer ein. Ein wenig essen, Getränke auffüllen, sich kurz unterhalten und weiter geht es nach Kelheim. Auch die Zwillingsbrüder Rüdiger und Frank sind unter den Schnellen, beide wollen „die 239 Kilometer finishen“.

Seit 25 Jahren sind sie auf solchen Trails unterwegs, für sie ist es eine Leidenschaft. Und schon laufen beide weiter. Der Tracker, den ein jeder bei sich hat, sendet allen zehn Minuten ein Signal, das im Headquarter im Dietfurter Jugendheim empfangen wird. Margot Börner und Bernd Suck sehen symbolisch auf den Bildschirmen jeden Läufer. Wenn einer von der Strecke abkommt, wird er benachrichtigt und auf den Trial zurückgelotst.

Daten und Fakten in der Info-Box:

Die Siegerliste

  • 239 Kilometer Männer:

    1. Tobias Krumm, 29:34 Stunden (Rekord), 2. Stephan Neumaier Burkhardt 36:36 Stunden, 3. Adrian Rewig, 39:21 Stunden

  • 239 Kilometer Frauen:

    1. Nicole Kresse, 40:38 Stunden, 2. Babett Jasbinscheck, 44:20 Stunden, 3. Ute Herfurt, 50:11 Stunden

  • 170 Kilometer Männer:

    1. Stephan Peters, 21:29 Stunden, 2. Georg Kunzfeld, 22:24 Stunden, 3. Jörg Burgstrahler: 24:24

  • 170 Kilometer Frauen:

    1. Kathrin Schichtl: 22:44 Stunden (neuer Junut-Rekord), 2. Stefanie Saul, 33:05 Stunden, 3. Tanja Höschele, 35:21 Stunden

  • 100 Kilometer Ladies Edition:

    1. Elke Gutermann, 18:09 Stunden, 2. Constanze Escher, 22:22, 3. Sandra Schmidt, 22:22

Wer aus irgendeinem Grund aussteigen muss, ruft an und wird abgeholt. Dann fährt Gerhard Börner mit seinen Helfern los und sammelt die Person auf. Er liefert auch Essen und Getränke aus, wenn etwas an den Verpflegungsstellen benötigt wird.

Um 21 Uhr bringen die Feuerwehrler von Matting die Läufer über die Donau, dann ist es bereits Nacht. „Da bilden sich oft kleinere Gruppen, man fühlt sich sicherer, redet miteinander, übersieht das Jurasteig-Zeichen und schon hat sich die Gruppe verlaufen“, weiß Margot Börner. „Bis zu minus vier Grad waren es in der Nacht, ganz schön heftig“, berichtet Martin Woytinek, der nach einem Sturz trotzdem seine 170 Kilometer schaffte.

Stirnlampen leuchten den Weg aus, und gut zu sehen sind die Jurasteigschilder. In Schmidmühlen ist es dann wieder Tag. Im Sportheim kann man duschen, es gibt warmes Essen, wer mag, kriegt eine Massage, und man kann sich ausruhen.

Die gefürchtete zweite Nacht

In Kastl sind die 170 Kilometer geschafft und viele im Ziel. Die Langstreckenläufer haben noch 69 Kilometer vor sich und die gefürchtete zweite Nacht. „Es war nicht mehr so kalt, aber du kriegst Halluzinationen, siehst Häuser und ein Dorf, es sind aber Bäume“, berichtet Ute Herfurt.

Sie gönnte sich nur 30 Minuten Schlaf in den zwei Tagen, hat jedoch die 239 Kilometer gepackt. Der neue Tag und die Sonne bringen die Lebensgeister zurück und über Deining und Holstein geht es zurück nach Dietfurt.

87 Läufer waren am Freitag in Dietfurt gestartet.
87 Läufer waren am Freitag in Dietfurt gestartet.

Wer im Headquarter die Ziellinie überschreitet, ist überglücklich. Draußen kann man sich in die Sonne setzten, ausruhen, ein wenig essen und trinken, sich mit den anderen austauschen und einfach runterkommen.

Babett Jasbinscheck ist zufrieden, hat sie doch den langen Junut geschafft. „Ich habe viel Tempo- und Krafttraining gemacht, bin in der Woche an die 90 Kilometer gerannt und fühle mich gut“, verriet sie am Start. Am Sonntagmittag sind noch einige Läufer unterwegs, die es aber bis ins Ziel schaffen könnten.

Zufrieden zeigt sich Veranstalter Gerhard Börner. Heuer gab es noch eine „Ladies Edition“. Fünf Läuferinnen starteten in Schmidmühlen und hatten bis Dietfurt 100 Kilometer zurückzulegen. „Fast alle Läuferinnen und Läufer sind zurechtgekommen, aus verschiedenen Gründen mussten manche aussteigen, das kommt einfach vor, meine Helferinnen und Helfer waren wieder spitze“, lobt Börner alle und schließt die Kommunen in den Dank ein und sagt: „Der Junut 2018 ist Geschichte, jetzt geht es an den Jurasteig Nonstop Ultratrail 2019.“

Weitere Sportmeldungen aus der Region finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht