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LITERATUR

Eine Zeitreise in der Oberpfalz

Gerda Stauner stellt in Parsberg ihr Buch „Sauforst“ vor. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hat sie ausführlich recherchiert.
Von Günter Treiber

Gerda Stauner (v.m.) hat sich vor ihrer Lesung noch einmal mit ihren Ratgebern getroffen. Foto: Treiber
Gerda Stauner (v.m.) hat sich vor ihrer Lesung noch einmal mit ihren Ratgebern getroffen. Foto: Treiber

PARSBERG.Einem erfolgreichen literarischen Erstling sollte ein zweites Buch folgen. Die gebürtige Seubersdorferin Gerda Stauner, die heute mit ihrer Familie in Regensburg lebt, ist dieser Regel gefolgt und hat mit „Sauforst“ erneut einen Treffer erzielt.

Dieses Lob sprechen vor allem die aus, die ihre Recherchen unterstützt und sich im Roman wiedergefunden haben. Großes Lob gab es auch von Maria Anna Wegerer: „Ich freue mich riesig, dass Gerda wieder ein Buch geschrieben hat“, sagt die Besitzerin der Buchhandlung Buchfink. „Es handelt sich um ein Thema, mit dem sich die Menschen befassen sollten.“ Das Buch sollte ein Anlass dafür sein, die eigenen Großeltern zu fragen, wie sie diese Zeit erlebt hätten, sagt Wegerer.

Wenn eine heute 44-Jährige Geschichten und Ereignisse aus der Vor- und Nachkriegszeit erzählen will, braucht sie viele Personen, die ihr aus dieser Zeit berichten. Unser Medienhaus hat sich kürzlich mit der Autorin und ihren Ratgebern an geschichtsträchtiger Stelle getroffen – nämlich dort, wo Gerda Stauner am Freitag, 15.September, eine Lesung mit Musik veranstalten wird: Es ist „Evas Kochstudio“ in Parsberg.

Post-Station ist heute Küchenstudio

Geschichtsträchtig ist dieser Ort und passend zu Stauners zweitem Roman, im Gewölbe der ehemaligen Post-Station. Diese Post-Station wurde nach ihrer Auflösung als Pferdestall für zwei Holzhändler genutzt. Später kam die Schneiderei Zitzelsberger in die Räume, dann folgte deren Modehaus. Heute ist dort Eva Zitzelsbergers Kochstudio beheimatet.

Hier finden Sie die Termine der nächsten Autorenlesungen:

Termine der Lesungen

  • 15.September:

    Parsberg, historisches Gewölbe von Evas Kochwerkstatt

  • 19.Oktober:

    Regensburg, KunstKnoten am Wiedfang

  • 19.November:

    Postbauer-Heng, Kultur im Schloss

  • 25.Februar 2018:

    München-Haar, Kleines Theater

  • 2.März 2018:

    Berching, Kulturhaus Schranne

  • 13.April 2018:

    Neumarkt, Gewölbekeller der Residenz

Erinnert man sich an Stauners erstes Buch „Grasmond“, so weiß man, dass sie darin vieles von sich selbst und vor allem von ihrer Familie erzählt hat. Danach hat ihr ihr Onkel Johann Stauner einen selbst angefertigten Stammbaum gezeigt. Dieser beginnt mit der Geburt ihres Urgroßvaters an Mariä Lichtmess 1856. Und das weckte schon wieder ihre Neugier.

„Ich fand es spannend, aufzeichnen zu können, wie die Menschen damals gelebt haben“, erklärt die Autorin ihr Interesse an früheres Leben und Begebenheiten. Und sie habe festgestellt, dass die Oberpfälzer ein schweres Schicksal hatten. „Ich wollte wissen, warum dies so war.“ Um die Zeit vor den Weltkriegen zu recherchieren, holte sie sich Informationen vom Archivar der Gemeinde Maxhütte-Haidhof, wohin sie auch ihren Roman verlegt hat. „Sauforst“ waren zwei Bauernhöfe, die im Jahr 1280 erstmals urkundlich benannt wurden und der Ursprung der heutigen Stadt sind.

Es war die Zeit, als Wanderarbeiter aus Italien nach Deutschland kamen, wo es ihnen angeblich besser gehen sollte. Es war die Zeit der Gründung der Maxhütte. So wurden Stauners Protagonisten der italienische Wanderarbeiter Giacomo und sein Sohn Anton. Stauners Roman folgt vielen Jahrzehnten bis in die Kriegs- und Nachkriegszeit.

Onkel erzählt von früher

An dem Punkt wird Gespräch äußerst spannend, denn die Ratgeber aus dieser Zeit waren der Parsberger Anton Schweizer und Gerda Stauners Onkel, der Seubersdorfer Johann Stauner, beides ehemalige Eisenbahner. Während Onkel Johann über die Zeit des Eisenbahnbaus berichtete, der auch in Gerdas Roman eine wichtige Rolle spielt, erinnerte sich im Gespräch Anton Schweizer an seine eigene Kindheit und Jugend.

Schweizers Erinnerungen werden bei ihm vor allem dann mächtig, als die ersten Flüchtlinge nach Parsberg kamen. „Die haben unser ganzes Leben reformiert, denn da habe ich erst gemerkt, wie armselig wir in der Oberpfalz gelebt haben.“ Jedes zweite Haus eine kleine Landwirtschaft betrieben. Manche hätten nur eine Ziege besessen, andere erwirtschafteten mit zwei Kühen ihren Lebensunterhalt. „Jede Familie hatte mehrere Kinder“, erinnert sich Schweizer, „und jetzt sagen Sie mir, wie sollte man dann diese kleine Landwirtschaft gerecht aufteilen?“.

Auch der Musiker Adi Spangler war beim Gespräch dabei. Er und Manfred Mederer werden die Lesung musikalisch begleiten, um sie etwas aufzulockern.

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