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Literatur

Gerda Stauners zweiter Roman ist da

Die aus Seubersdorf stammende Autorin spannt in ihrem neuen Roman eine Familiengeschichte über vier Generationen.
Von Peter Tost

Gerda Stauners neues Buch heißt „Sauforst“, spielt wieder in der Oberpfalz und ist dieser Tage erschienen. Foto: Tost
Gerda Stauners neues Buch heißt „Sauforst“, spielt wieder in der Oberpfalz und ist dieser Tage erschienen. Foto: Tost

Seubersdorf. Vor einem Jahr hat Gerda Stauner ihr erstes Buch veröffentlicht. In „Grasmond“ hatte die aus Seubersdorfer stammende und inzwischen in Regensburg lebende Autorin Erzählungen ihrer Familie über das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Einmarsch der Amerikaner in Seubersdorf verarbeitet.

In ihrem zweiten Buch mit dem Titel „Sauforst“ erzählt sie die Vorgeschichte der Protagonisten ihres Erstlings und damit gleichzeitig eine Familiengeschichte, die im Jahr 1856 mit der Industrialisierung der kargen „Stoapfalz“ beginnt. Dabei diente ihr der Stammbaum ihrer Familie als Grundlage für den neuen Roman.

Eigener Stammbau als Grundlage

„Diesen Stammbaum hatte ein Onkel erstellt und ich habe ihn mir natürlich mit großem Interesse angeschaut“, erzählt Gerda Stauner. „Besonders meinen Urgroßvater Karl Stauner, der 1856 geboren wurde, fand ich sehr interessant“, sagt seine Urenkelin. Bei den Recherchen über sein Leben sei sie auf etliche Details gestoßen. „So war er unter anderem Wirt in der Parsberger Bahnhofsgaststätte, die vielen noch als ‚Knauer‘ bekannt sein dürfte“, erzählt sie. Einige Szenen spielten deshalb in Parsberg.

Gerda Stauner stellt im Interview ihren neuen Roman kurz vor.

Die Figuren ihres neuen Romans seien in Anlehnung an ihren eigenen Familienstammbaum entstanden. So gebe es zwischen ihrem Urgroßvater und der fiktiven Figur Anton Beerbauer neben dem gemeinsamen Geburtsdatum an Mariä Lichtmess im Jahr 1856 noch weitere Parallelen, verrät die Autorin.

„Besonders meinen Urgroßvater Karl Stauner, der 1856 geboren wurde, fand ich sehr interessant.“

Gerda Stauner

Wie schon in ihrem Erstling „Grasmond“ dienten die Oberpfalz und die Stadt Regensburg als Kulisse für die Erzählung, die sich ebenso wie ihr Erstlingsroman „Grasmond“ mit dem Mythos „Heimat“ beschäftige. Der Unterschied sei, dass sie im ersten Buch Familienerinnerungen aufgearbeitet habe, im zweiten jedoch die Handlung selbst komplett fiktiv sei.

Im Mittelpunkt von „Sauforst“ steht der Autorin zufolge der ohne Vater aufgewachsene Anton Beerbauer, der sich nach dem Tod seiner Mutter auf eine abenteuerliche Reise begibt. „Er ist dabei auf der Suche nach seiner Bestimmung“, sagt Gerda Stauner. Beflügelt und angetrieben vom Wunsch nach Höherem scheitere er allerdings immer wieder an seiner eigenen Rastlosigkeit.

Eine weitere Parallele zu „Grasmond“ findet sich darin, dass die Autorin auch in ihrem neuen Roman mit einer zweiten Zeitebene arbeitet. „Über 150 Jahre später setzt sich Beerbauers Urenkelin Annette nach dem Tod ihrer eigenen Mutter mit dem außergewöhnlichen Schicksal ihrer Familie auseinander.“

Hier finden Sie weitere Informationen:

Termine der Lesungen

  • 15.9.2017:

    Parsberg, historisches Gewölbe von Evas Kochwerkstatt

  • 19.10.2017:

    Regensburg, KunstKnoten - Am Wiedfang

  • 19.11.2017:

    Postbauer-Heng, Kultur im Schloss

  • 25.2.2018:

    München-Haar, Kleines Theater

  • 2.3.2018:

    Berching, Kulturhaus Schranne

  • 13.4.2018:

    Neumarkt, Gewölbekeller der Residenz

Flucht war schon immer Thema

Stück für Stück rekonstruiere sie das Leben ihrer Vorfahren, mache sich Gedanken über deren Wünsche und Hoffnungen. Gleichzeitig übernehme die junge Frau die Patenschaft für einen jungen Flüchtling, dessen Leben ebenfalls vom Verlust der Heimat geprägt sei, sagt die Autorin.

„Ich will mit dem Buch, in das damit auch die aktuelle Diskussion über die Flüchtlingsproblematik eingeflossen ist, auch an Wanderbewegungen in der Vergangenheit erinnern und zeigen, dass Flucht, Vertreibung und die Suche nach Heimat nicht allein Phänomene der Gegenwart sind.“

Mit „Sauforst“ knüpfe sie lose an ihren Roman „Grasmond“ an und erzähle vom Leben einer Oberpfälzer Familie über vier Generationen hinweg auf der Suche nach ihrer Bestimmung und dem Mythos Heimat. „Anton Beerbauer findet schließlich seinen Platz in dem kleinen Dorf Fichtenried, dass die Leser meines ersten Buches bereits kennen“, verrät Gerda Stauner. Und noch etwas: „Ich habe auch schon eine Idee für ein drittes Buch, in dem es um die Aussiedlung der Menschen vom Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes Hohenfels gehen wird.“

Eine Leseprobe finden Sie hier:

Es stimmte. Er konnte sich nicht erinnern, jemals in seinem Leben zufriedener gewesen zu sein. Die herrliche Landschaft entlang der Schwarzen Laber, die hügelige Weite der Parsberger Umgebung und der wunderbare Ausblick von der Burg über die Felder und Wiesen ringsum verliehen ihm ein Gefühl von Freiheit.

Im Gegensatz dazu kam ihm seine Kindheit im Sauforst düster und beengt vor. Seine Zeit in den engen, verräucherten Gassen in Regensburg hatte er nicht besser in Erinnerung. Gleichzeitig aber verliehen ihm Frau und Kind Sicherheit und Geborgenheit, die er so auch noch nie erleben durfte. Das Bild eines starken, stämmigen Baumes kam ihm in den Sinn. Fest mit der Erde verwurzelt, ranken sich die Äste dem endlosen Himmel entgegen.

Anna riss ihn unvermittelt aus seinen Gedanken. Sie schaute ihn mit ihrem eindringlichen Blick an, die rechte Augenbraue war nach oben gewandert. Er wusste, dass er nun Acht geben musste. „Dir ist bewusst, dass wir nicht für immer hierbleiben werden!“ Sie hatte den Satz in ihrer fordernden Art nicht als Frage formuliert.

Ja, dachte er. Für immer werden wir nicht hierbleiben. Mein Lebensende will auch ich nicht in Parsberg verbringen. Aber zurück nach Regensburg gehe ich nie und nimmer.

Das Bild des starken Baumes kam ihm wieder in den Sinn und beflügelte ihn. Wieso auch, die ganze Welt wird uns offenstehen! Seiner Frau wollte er davon jedoch noch nichts erzählen. Er wollte die Pferde nicht scheu machen. Noch nicht.

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