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Die Stimmzettel sind schon in Amerika

Am Stützpunkt der US-Armee in Hohenfels haben die Soldaten längst gewählt. Wer ihr Favorit ist, wollen sie nicht verraten.
Von Philipp Seitz, MZ

Figuren der beiden Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Donald Trump sind in einem Schaufenster in New York zu sehen.
Figuren der beiden Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Donald Trump sind in einem Schaufenster in New York zu sehen.Foto: dpa

Hohenfels.James Federline hat schon gewählt. Vor drei Wochen hat der 67-jährige Amerikaner seine Wahlunterlagen in das spezielle Kuvert gesteckt. Dann ging der Brief per Militärpost zurück nach Pennsylvania. Der Staat ist als einer der sogenannter „Swing Staaten“ besonders umkämpft. In der Nacht zum Mittwoch fällt hier nun die Entscheidung: Hillary Clinton oder Donald Trump?

Wen er gewählt hat, verrät Federline, der Pressesprecher der Garnison in Grafenwöhr, nicht. Das ist Privatsache, besonders für Angehörige der US-Armee. Auch ansonsten erfährt man von den Stützpunkten nicht viel zum Thema Wahlen. Federline erzählt noch, dass die Militärpost von Deutschland nach Amerika absolut sicher sei. Ausgefüllte Wahlunterlagen seien auf ihren Weg zurück nach Amerika noch nie geöffnet worden.

Die Wahlbeteiligung ist hoch

Viele Amerikaner haben bereits ihr Kreuz gesetzt.
Viele Amerikaner haben bereits ihr Kreuz gesetzt.Foto: afp

Ein Trend lasse sich in den Stützpunkten feststellen: Die Wahlbeteiligung sei diesmal recht hoch. Zwischen 65 und 70 Prozent der in Deutschland stationierten Amerikaner hätten ihre Stimme abgegeben. In Hohenfels waren etwa 1100 Militärangehörige stimmberechtigt. Für Federline ein gutes Signal: „Wer das Recht zu wählen hat, sollte es auch wahrnehmen.“ Für ihn sei es auch eine moralische Pflicht. Damit die in Deutschland lebenden US-Bürger gut über das Wahlprozedere informiert sind, haben sich die Stützpunkte ein spezielles System ausgedacht: Es gibt in jedem Stützpunkt einen Wahlbeauftragten und in jeder Einheit einen Wahloffizier, der die Informationen zum Wahlvorgang wiederum an seine Einheit weitergeben soll. Politische Meinungen sind aber tabu.

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Spezielle Wahllokale gab es in den deutschen Stützpunkten nicht. Wer wählen wollte, musste sich zuvor registrieren lassen. Dann kamen die Wahlunterlagen aus Amerika – und gingen per Militärpost auch wieder zurück. Wahlpartys wird es in den Stützpunkten aber nicht geben: Ein Gebot der politischen Neutralität. Politik hat im Militärdienst nichts zu suchen. Schließlich geht es bei der Wahl auch um den künftigen Oberbefehlshaber der US-Armee. Präferenzen können sich die Soldaten nicht leisten. Viele US-Soldaten verfolgen den Wahlausgang aber privat vor dem heimischen Fernseher, verrät Federline. Mit ersten Prognosen der TV-Sender wird direkt nach der Schließung der Wahllokale in den einzelnen Staaten gerechnet. Bis um 6 Uhr mitteleuropäischer Zeit könnte es am Mittwoch ein Ergebnis geben. „Die Soldaten können sich die Wahlen schon im TV anschauen. Am nächsten Tag müssen sie aber trotzdem zur Arbeit kommen“, sagt Federlein. Dienstbeginn ist um acht Uhr.

So laufen die Präsidentschaftswahlen in Amerika ab:

Die Präsidentschaftskandidaten

  • Wähler:

    Wahlberechtigt ist zunächst jeder der rund 322 Millionen US-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist. Das sind etwa 219 Millionen. Ausgenommen sind unter anderem illegale Einwanderer und Häftlinge. Ohne vorherige Registrierung darf man nicht abstimmen.

  • Kandidaten:

    Die Demokratin Hillary Clinton (69) könnte als erste Frau in der US-Geschichte Präsidentin werden. Für die Republikaner tritt der New Yorker Milliardär Donald Trump an (70). Er bekleidete noch kein politisches Amt.

  • Themen:

    Hillary Clinton würde einen Großteil der Politik von Amtsinhaber Barack Obama weiterführen. Sie stünde für eine weitere internationale Vernetzung der USA. Sie will gegen den Klimawandel vorgehen und die Waffenschwemme in Amerika eingrenzen.

  • Ausrichtung:

    Donald Trump will die Außen- und Verteidigungspolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten, Motto: „Amerika zuerst“. Er will Einwanderung durch eine Mauer an der mexikanischen Grenze bekämpfen. (afp)

Deß ist mit Bewerbern unzufrieden

Der CSU-Europaparlamentarier Albert Deß ist von beiden Präsidentschaftskandidaten nicht begeistert. Foto: Archiv
Der CSU-Europaparlamentarier Albert Deß ist von beiden Präsidentschaftskandidaten nicht begeistert. Foto: Archiv

So zurückhaltend die US-Stützpunkte beim Thema Wahlen sind, umso offener sind die Neumarkter Politiker. Der CSU-Europaabgeordnete Albert Deß sagt, es würde ihm schwer fallen, überhaupt einen der beiden Kandidaten zu wählen. Die Vizekandidaten beider Parteien wären seiner Meinung nach bessere Lösungen gewesen. Er bedauere, dass bei dem amerikanischen Wahlmännersystem kein dritter Kandidat eine Chance habe. Die Wahl verfolgt Deß, der gerade in Brüssel ist, im TV – mit befreundeten Parlamentskollegen aus mehreren Ländern. „Das ist immer spannend, wie sie das dann kommentieren.“

„Ich bin froh, dass ich nicht in Amerika wählen muss. Ich hätte mir bessere Kandidaten gewünscht.“

Albert Deß, CSU

Der SPD-Politiker Uli Grötsch fand den US-Wahlkampf „abartig“. Foto: Archiv/Stella von Saldern
Der SPD-Politiker Uli Grötsch fand den US-Wahlkampf „abartig“. Foto: Archiv/Stella von Saldern

Dem amerikanischen Wahlkampf konnte Deß, der sich selbst 19 mal in Deutschland für politische Ämter zur Wahl stellte, nicht viel abgewinnen: „Ich habe meine Gegner nicht erwähnt, sondern lieber meine Leistungen. In Amerika ist es das Gegenteil. Es wird aufeinander eingedroschen. Das gefällt mir und sicherlich auch vielen Wählern nicht.“ Ähnlich äußert sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch, der Neumarkt mitbetreut: „Der US-Wahlkampf zwischen Clinton und Trump ist für mich das Abartigste, was ich jemals auf der politischen Bühne gesehen habe. In Wahlkämpfen muss es auch um Inhalte gehen und nicht um persönliche Diffamierung!“ Grötsch würde für Hillary Clinton stimmen. „Bei den Vorwahlen hätte ich als Demokrat wohl für Bernie Sanders gestimmt.“ Die Stimme von CSU-Bundestagsabgeordneten Alois Karl würde ebenfalls an Hillary Clinton gehen.

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