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Gesundheit

Eine Feuerwehrärztin für Lauterhofen

Dr. Patricia Bauer kümmert sich um die First Responder. Im Interview erklärt sie, wie sie nach Einsätzen abschaltet.
Stefanie Roth

Es gibt eigens ausgebildete Feuerwehrärzte, die Ansprechpartner für Einsatzkräfte vor allem zur Beratung oder Vorsorge sind. Sie ersetzen nicht den Notarzt vor Ort. Eine von ihnen ist Dr. Petra Bauer. Foto: Bauer
Es gibt eigens ausgebildete Feuerwehrärzte, die Ansprechpartner für Einsatzkräfte vor allem zur Beratung oder Vorsorge sind. Sie ersetzen nicht den Notarzt vor Ort. Eine von ihnen ist Dr. Petra Bauer. Foto: Bauer

Lauterhofen.Frau Dr. Bauer, wie unterstützen Sie als Feuerwehrärztin die Freiwillige Feuerwehr in Lauterhofen?

Bauer: Überwiegend bin ich für die sogenannte First-Responder-Gruppe verantwortlich. Das sind sozusagen die Helfer vor Ort, eine Art Untergruppierung der Freiwilligen Feuerwehr, die es vor allem in eher abgelegenen Orten und ländlichen Gebieten gibt. Damit habe ich derzeit eigentlich den meisten Kontakt. Ich bin für die Ausbildung verantwortlich oder für Fortbildungen. Als Feuerwehrärztin bin ich beratend tätig, nicht wie ein Notarzt, der im Ernstfall eingreift. Zu so einer Ausbildung der First-Responder-Gruppen gehören zum Beispiel Erste-Hilfe-Maßnahmen oder Blutungskontrollen. Ich weise unsere Leute auch auf Impfpflichten hin, wie etwa Hepatitis oder Tetanus, die vor allem Einsatzkräfte im Umgang mit Verletzten benötigen.

Als Ärztin werden Sie wie Einsatzkräfte auch mit tragischen Schicksalen konfrontiert. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Bauer: Prinzipiell gehört das auch dazu. Dazu berate ich auch – bisher ist an mich damit noch niemand von der Feuerwehr in Lauterhofen herangetreten. Generell kann ich sagen: Das muss man ausblenden. Was ich in der Unfallchirurgie in Neumarkt erlebe, wo ich arbeite, das ist teils schon extrem. Da gibt es schon auch immer wieder Fälle, über die man nachdenkt, gerade wenn man Mutter geworden ist so wie ich. Man muss trotzdem abschalten und an was anderes denken. Arbeit Arbeit sein lassen.

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Das sagt sich oft so leicht. Haben Sie Tipps, wie das den Einsatzkräften gelingt?

Bauer: Jeder sollte sich etwas suchen zum Abschalten. Das kann zum Beispiel gut beim Sport sein. Ich habe lange Zeit Yoga gemacht, das fand ich hilfreich in solchen Momenten. Es muss aber nicht unbedingt etwas Meditatives sein, um runterzukommen. Ich finde auch Zumba toll – und früher bin ich sehr oft joggen gegangen. Und manchmal hilft es mir auch einfach , selbst ganz laute Musik im Auto zu hören. Das muss man einfach ausprobieren.

(lacht)

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Wie wird man eigentlich Feuerwehrärztin?

Bauer: Nicht jede Freiwillige Feuerwehr hat einen eigenen Feuerwehrarzt. In Lauterhofen war jahrelang Herr Dr. Gunter Barth tätig. Nach seinem Tod wollte man die Aufgabe neu vergeben, so kam ich ins Spiel, da ich seit ein paar Jahren in Lauterhofen wohne und seit 2015 auch Mitglied bei den First Respondern bin. Als Feuerwehrarzt muss man sich mit den Aufgaben und Gefahren auskennen und einen zusätzlichen Fachlehrgang an der Staatlichen Feuerwehrschule in Regensburg absolviert haben. Feuerwehrärzte gibt es wohl seit Anfang der 80er-Jahre.

Fühlen Sie sich als Exotin auf diesem Gebiet?

Bauer: Bei der Fortbildung in Regensburg waren ein paar Frauen dabei, vielleicht knapp ein Fünftel. In Neumarkt ist es ein Mann, in Kastl auch. Ein bisschen also trifft das schon zu.

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Hören Sie auch mal den einen oder anderen abwertenden Kommentar, weil Sie als Frau bei der Feuerwehr sind?

Bauer: Es kommen hin und wieder einmal komische Kommentare – auch von denen, die wollen, das man bei der Feuerwehr mitmacht. Oft sind das eher die älteren Männer, die zum Beispiel sagen: Es sollten mehr Frauen zur Feuerwehr, die sitzen ja eh zu Hause und können eher auf einen Einsatz.

Sind Sie selbst bei Einsätzen dabei?

Sie sind auch deshalb so wichtig, da die Helfer im Notfall zum Beispiel von der Arbeitsstelle freigestellt werden können und so die Zeit vor Ort im Einsatz überbrücken können, bis der Rettungsdienst kommt.

Bauer: Ich fahre im Auto selbst mit raus. Freitagabend bis Montagmorgen ist bei uns in Lauterhofen die Tag- und Nachtschicht besetzt. Einmal im Monat bin ich dabei, vor allem eben mit Blick auf die First-Responer-Gruppe.

Wohin wenden sich die Einsatzkräfte dann, wenn ihnen etwas zustößt?
Bauer: In erster Linie gehen sie zu ihrem behandelnden Arzt oder in dringenden Angelegenheiten ins Notfallzentrum.

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