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Jubiläum

Dieser Hundertjährige fährt im E-Auto

August Riepl aus Lupburg wurde 1919 geboren. Mit seinem Twizy besucht er regelmäßig seine verstorbene Frau auf dem Friedhof.
Von Peter Tost

August Riepl lebt trotz seines hohen Alters noch immer in seinem Haus. Foto: Peter Tost
August Riepl lebt trotz seines hohen Alters noch immer in seinem Haus. Foto: Peter Tost

Lupburg.Rocky Graziano, Nat King Cole, Eva „Evita“ Peron, Lex Barker, Walter Scheel, Lino Ventura – und August Riepl. Sie erblickten alle im Jahr 1919 das Licht der Welt. Was die Promis aus dem Geburtsjahrgang des Lupburgers nicht schafften, hat er sehr wohl geschafft: August Riepl feiert am Samstag den 100. Geburtstag.

Ein Patentrezept, alt zu werden und dabei körperlich wie geistig fit zu bleiben hat der 100-Jährige, der noch in seinem Haus lebt und sich weitestgehend selbst versorgt, leider nicht. „Wenn Du nicht stirbst, dann wirst Du alt. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, meint er trocken. Möglicherweise haben auch seine vielen Hobbys dazu beigetragen und die Tatsache, dass er – zumindest was die Fortbewegung angeht – absolut auf der Höhe der Zeit ist.

Seit rund fünf Jahren besitzt der rüstige Senior neben seinem Benziner mit dem Renault Twizy ein laut Hersteller „urbanes Elektroauto“. Damit erledigt August Riepl bei gutem Wetter – der Twizy hat keine Seitenscheiben – seine Fahrten zum Einkaufen, zur Kirche und ins Wirtshaus „auf ein alkoholfreies Bier“.

Mit dem E-Auto unterwegs

Auch zum Friedhof fährt er damit, denn 2004 ist seine Frau Franziska gestorben. Bei guter Witterung geht es mit dem 45 Stundenkilometer schnellen Elektroauto auch schon mal nach Hemau, Parsberg oder Velburg. Denn bei vollem Akku kommt der Lupburger damit rund 80 Kilometer damit.

August Riepl ist ein echter Autofan, was nicht zuletzt mit seiner Vita zu tun hat. Geboren in Lupburg begann er nach dem Besuch der Volksschule eine Schreinerlehre in Parsberg. „Dann wurde ich allerdings schon zum Reichsarbeits- und dann zum Militärdienst einberufen.“ In Italien geriet Riepl schließlich in englische Kriegsgefangenschaft. „Das war am 1. Mai 1945 um 8.45 Uhr“, weiß er noch heute.

Zusammen mit anderen Kriegsgefangenen wurde er auf einem Schiff nach Ägypten gebracht. „Das Lager mussten wir selbst aufbauen“, erzählt er. Schon bald profitierte er davon, dass er bereits 1940 beim Militär den Führerschein gemacht hatte. Dank seiner Erfahrung als Kraftfahrer durfte er in der Gefangenschaft den englischen Führerschein machen und wurde mit einem Motorrad als Kurierfahrer eingesetzt.

„Im Oktober 1948 kam ich nach Lupburg zurück und war zunächst einmal arbeitslos.“ Einige Monate später wurde er von einem Regensburger Orgelbauer eingestellt, der den Auftrag für die neue Lupburger Orgel erhalten hatte. 1952 heiratete August Riepl die Lupburgerin Franziska Raba. Gemeinsam zogen sie einen Sohn groß.

Werkstattleiter bei der Army

Zehn Jahre später stellte die US Army in Hohenfels den Lupburger zunächst als Kraftfahrer ein, so dass er wieder seine Leidenschaft für Kraftfahrzeuge ausleben konnte. Später wurde er sogar Werkstattleiter. 20 Jahre arbeitete er auf dem Truppenübungsplatz, bevor er 1984 in Rente ging. Zusätzlich zum deutschen und dem englischen hatte Riepl nun auch noch einen amerikanischen Führerschein.

Sein erstes eigenes Auto hatte er sich bereits 1966 gekauft. „Das war ein 1100er Fiat“, erzählt Riepl und fügt hinzu: „33 Jahre lang habe ich dann Fiats gefahren – einen 124er, dann einen 130er und schließlich einen Chroma.“ 1998 leistete er sich schließlich seinen ersten Mercedes. In einem Fotoalbum hat der 100-Jährige alle seine Autos verewigt. Dass nun in dieser Galerie mit dem Renault Twizyauch ein kleines Elektro-Auto seinen Platz gefunden hat, dafür sind laut August Riepl sein Sohn und sein Enkel verantwortlich. „Die beiden haben mir ein schadstofffreies Fortbewegungsmittel für kürzere Strecken schmackhaft gemacht.“

Ein 100-Jähriger und seine Hobbys

Neben seiner Leidenschaft für Kraftfahrzeuge hat August Riepl aber auch eine künstlerische Ader und zahlreiche Bilder gemalt. „Ich habe nie einen Kurs besucht und mir alles selbst beigebracht“, sagt er. Auslöser für seine Leidenschaft für das Malen war ein Besuch in Parsberg gewesen. „Ich war damals bei Heiner Träger, der in seinem Treppenhaus jede Menge selbst gemalter Bilder aufgehängt hatte. Das will ich auch, sagte ich damals zu ihm.“

Der ehemalige Parsberger Bürgermeister und Künstler riet ihm: „Probier‘s halt mal.“ August Riepl tat wie ihm geheißen und mittlerweile sind jede Menge Bilder im Haus und natürlich auch im Treppenhaus aufgehängt. Viele seiner Motive sind einfach in seiner Phantasie entstanden, wie er erzählt. Etliche gibt es aber tatsächlich, darunter ein Blick auf Lupburg und ein Bild, das sein Haus zeigt.

Neben dem Ordner, in dem August Riepl die Fotos seiner Autos aufbewahrt, hat er auch einen, in dem er seine Werke als Autor sammelt. „Für feierliche Anlässe habe ich Beiträge in Reimform geschrieben“, erklärt er.

Ein feierlicher Anlass ist natürlich auch der 100. Geburtstag von August Riepl. Die Marktgemeinde gibt aus diesem Anlass am Samstag um 16 Uhr einen Empfang für den Jubilar mit Eintrag ins Goldene Buch. Wie Bürgermeister Manfred Hauser betont, ist die gesamte Bevölkerung willkommen.

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