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Kabarett

Nichts wurde hier totgeschwiegen

Die Akteure begleiteten ihr Publikum mit dem Programm „Zum Sterben schön“ ins Jenseits. Es gab totsichere Tipps.
Von Vera Gabler

Szene bei der Beerdigung Foto: Gabler
Szene bei der Beerdigung Foto: Gabler

Lupburg.„Sterben“ ein Wort, aber auch eine Tätigkeit, die jeden Menschen mal mehr mal weniger betrifft. Ein Wort das man am liebsten „totschweigen“ möchte, nicht aber beim Kabarett „Zum Sterben schön“ am vergangenen Samstag im Gasthaus Pöppel. Der Wunsch würdevoll zu sterben wurde genauso thematisiert, wie das Gefühlsleben einer Fernsehleiche. Seit gut fünf Jahren sind die Musiker Bernhard Helmstreit, die Kabarettisten Monika Helmstreit und Karin Simon, sowie die Pianistin und Sängerin Isolde Baldauf in ganz Bayern unterwegs, um das Publikum ins „Jenseits“ zu begleiten. Am Samstag war es für Karin Simon sozusagen ein Heimspiel und so war der Saal fast ausverkauft, denn viele Freunde waren gekommen, um unter anderem der Lupburgerin ihre Ehre zu erweisen.

Die vier Künstler setzten sich also mit totsicheren Absichten auseinander, mal konnte gelacht werden, in der nächsten Sekunde konnte der eine oder andere auch eine versteckte Träne aus den Augen wischen. Nachdem also Monika Helmstreit sich darüber beklagte, dass es nicht schön sei, immer eine Fernsehleiche zu spielen kam Isolde Baldauf mit einem Gedicht auf die Bühne, das wieder zum Nachdenken anregte. „Es ist wichtig, die Zeit als Geschenk zu geben und zu nehmen“, erklärte sie, wenn der Sterbende eine künstliche Hand zum Festhalten brauche, habe keiner Zeit gehabt. Dem Thema Tod und Sterben den Schrecken zu nehmen ist für Helmstreit ein wichtiges Anliegen, und so scheute sich die Kabarettistin auch nicht bei ihrem nächsten Auftritt mit einem kurzen roten Minirock davon zu singen, dass ihr Liebhaber zwei Wochen vor der Heirat verstarb. Und so suchte sie im Publikum einen neuen Mann mit Geld, nicht in der Hosentasche, sondern auf dem Sparkonto wohlgemerkt. Ein jeder kennt den Leichenschmaus bei Beerdigungen, Handauf und Simon haben dazu extra große schwarze Brotzeitdosen für ein Lunchpaket, um bis zur nächsten Beerdigung nicht hungern zu müssen. Und, dass Sterben nicht automatisch Fegefeuer bedeutet, das erklärte Simon im zweiten Teil des Abends mit ihrer Handpuppe Babette. „Gottes Liebe ist größer als Mutterliebe und keine Mutter wirft ihr Kind in ein Feuer“.

Zum Abschluss gab es neben drei Zugaben noch einen totsicheren Tipp: Simon sang vom Weg zur Himmelstüre und dass der Petrus sie nicht reingelassen hatte, weil sie dreckige Füße hatte. Alles in allem ein rundes Programm auch mit Denkanstößen „Machen Sie ein Testament und geben Sie Ihr Geld noch selber aus“, bis hin zur Philosphie, bei dem das ganze Publikum aufstand und mitsang: „ Mensch das Leben ist kurz, also lach und tanz, weil du dich wenn du tot bist, noch ausruhen kannst“. Begleitet wurde der Gesang von Bernhard Helmstreit.

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