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Attraktion

3000 Zweibeiner bei Schau der Vierbeiner

Zum Finale des Neumarkter Volksfestes zeigten die Pferde bei fast optimalen Bedingungen viel Können und Temperament.
Von Lothar Röhrl

Zum Finale des Neumarkter Volksfestes zeigten die Pferde vor rund 3000 Zuschauern viel Können und Temperament.

Neumarkt.Mit einer Serie von glücklichen Umständen ist am Montag die Pferde- und Fohlenschau zur erhofften, großen Attraktion des diesjährigen Jura-Volksfestes geworden. So etwa haben Mensch und Tier davon profitiert, dass es an diesem Montag nicht so heiß war wie noch genau eine Woche zuvor, am ersten Festmontag. Mit 14 Grad und trotz drohender dunkler Wolken trockenen Ablaufs des Programms waren die Bedingungen für deren Hauptdarsteller fast geradezu ideal: „Die Pferde lieben am meisten Temperaturen von fünf Grad plus“, hatte Moderator Hans Eberwein den – von der Stadtverwaltung geschätzt – gut 3000 Zuschauern erklärt. Von diesem einstelligen Wert lagen die äußeren Bedingungen an diesem Montag erst Recht gefühlt nicht weit entfernt. Und glücklich war auch der Umstand, dass erst nach der Schau Stunden anhaltender Landregen eingesetzt hatte – glücklich darüber dürften Gartenbesitzer gewesen sein.

Pferde- und Fohlenschau 2015 in Neumarkt

Ein glückliches Händchen bewiesen die Organisatoren mit der erstmals vorgenommenen Trennung von Ein- und Ausgang zum rechteckigen Vorführplatz. Johann Paulus, „Mister Pferdeschau“ schlechthin, und Thomas Thumann, Festorganistor, hatten sich das einfallen lassen. Die Idee dahinter – den Programmablauf noch zügiger zu gestalten – wurde perfekt umgesetzt. Eine Pferdeschau, die noch vor 11 Uhr zu Ende war, hat es lange nicht mehr gegeben.

Diese Idee sei aber auch den Pferden zugute gekommen, erklärte Moderator und Pferdezucht-Experte Hans Eberwein. „Das Pferd ist ein Fluchttier. Wenn ein Artgenosse auf es zurast, dann neigt es zur entsprechenden Reaktion.“ Daher seien Vierbeiner und Zweibeiner (also Reiter, Kutscher oder Handführer) früher immer in einer Stresssituation gewesen, bevor sie an der Reihe waren. Denn immer wieder seien bei der Ausfahrt oder dem Ausritt Pferde im Trab oder Galopp an ihnen vorbeigeeilt. Mit der Trennung sei das nun vermieden worden, merkte Eberwein nach der gelungenen Premiere sehr zufrieden an.

Allerdings hatte gerade bei den Ponys diese Trennung für einige lustige Momente gesorgt. „Pferde sind ja schlaue Tiere. Die merken sich, wo sie schnell wieder raus könnten“, erklärte Eberwein, warum gerade bei der Vorführung von elf freilaufenden Ponys einige wieder dort zurück in das dem Viereck wollten, von wo sie gerade hineingekommen waren. Doch die menschliche Barriere, die aus wild mit den Armen kreisenden Helfern bestand, hielt die drollige Schar im Viereck und steuerte sie schließlich ins richtige „Loch“ hinaus.

Nicht zum ersten Mal erwies sich der Moderator dieses Schau, Hans Eberwein, als großer Glücksfall für diese Veranstaltung. Mit welchem Sachverstand und rhetorischer Souveränität (kein einziger Verhaspler!) er jedes Mal auf die gezeigten Rassen und die Details einer Vorführung eingeht, ist nicht neu gewesen, aber jedes Mal aufs Neue respektvoll zu honorieren. Heuer legte er in Sachen Spitzen gegen Politiker gar noch eine Schippe drauf. Als gerade Klaus Luber ein Zehner-Gespann von Haflinger-Hengsten mit gut 100 Meter an Leinen sicher vom Kutschbock aus im Griff durchs Viereck steuerte, fiel Hans Eberwein die Kanzlerin als Vergleich ein. Die habe alles genauso gut im Griff, meinte Eberwein.

Ein bisserl Abbitte leistete er vor Ursula von der Leyen. Hatte er im vergangenen Jahr deren Vergangenheit als Reiterin bei Auktionen beleuchtet und deren ständige Wechsel in neue Sättel mit der Anzahl der Wechsel in politische Ämter verglichen, zeigte Eberwein heuer Respekt vor von der Leyen als Verteidigungsministerin. Nach einem Jahr könne er ihr attestieren, dass sie sicher im Sattel sitze und die Zügel fest in der Hand halte. „Respekt!“, legte der Meister des doppeldeutigen Witzes nach.

Wohl auch, weil Eberwein den Ehrengast des Tages, Staatskanzlei-Chef Dr. Marcel Huber, verbal nicht an die Kandare genommen hatte, konnte dieser mit voll erfüllten Erwartungen Neumarkt wieder verlassen. Huber, der als Tierarzt bei Rindern und Schweinen 22 Jahre lang praktiziert hat, hatte zuvor bei seinem Grußwort bekannt, dass ihm an diesem Tag das Herz aufgehe. Das liege nicht nur daran, dass Bayern mit 134 000 Pferden ein Pferdeland sei. Sondern auch daran, dass das Neumarkter Volksfest hoch halte, was Bayern ausmache: Traditionen am Leben erhalten. Mit einem Festkrug als Geschenk von OB Thumann im Gepäck machte sich Huber dann auf zum nächsten Termin.

Dieses geht am späten Montagabend gegen 22 Uhr mit einem großen Feuerwerk zu Ende. Bis dahin läuft der Festbetrieb auf vollen Touren.

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