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Wirtschaft

Aktivsenioren retten vor Insolvenz

Helfen bevor ein Betrieb schließen muss – das ist das Ziel der neu gegründeten Beratungsstelle in Neumarkt.
von Claudia Pollok

Dr. Peter Ramm, Vorstandvorsitzender des Vereins Aktivsenioren, Oberbürgermeister Thomas Thumann und Landrat Willibald Gailler unterschreiben den Kooperationsvertrag.
Dr. Peter Ramm, Vorstandvorsitzender des Vereins Aktivsenioren, Oberbürgermeister Thomas Thumann und Landrat Willibald Gailler unterschreiben den Kooperationsvertrag. Foto: Pollok

Neumarkt.Neumarkt hat eine neue Beratungsstelle. Der Verein Aktivsenioren hilft ab dem 1. Oktober Kleingewerbetreibenden in Not – zum Beispiel dem Familienbetrieb, dem Nagelstudio oder dem selbstständigen Lkw-Fahrer. Am Montag unterschrieben Oberbürgermeister Thomas Thumann, Landrat Willibald Gailler und Dr. Peter Ramm, Vorstandvorsitzender des Vereins Aktivsenioren den Kooperationsvertrag im Rathaus.

Ramm freut sich, dass die Betratung in Neumarkt nach langer Vorplanung jetzt an den Start geht. Die Aktivsenioren sind Unternehmer, Selbstständige und Führungskräfte im Ruhestand. Seit fast 30 Jahren beraten die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins bayernweit vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen. In Neumarkt nehmen sie sich nun kleinen Betrieben in finanzieller Schifflage an, um sie vor der Insolvenz zu bewahren, sagt Ramm.

Eine gute Ergänzung

Damit schließt sich in Neumarkt eine Lücke. Denn Kleingewerbetreibende haben in Krisensituationen oft keine Ansprechpartner, welche ihnen mit kaumännischen Wissen zur Seite stehen. Es gebe zwar die Schuldnerberatungsstelle der Caritas. Doch dort könnten die Mitarbeiter den Betroffenen nur bei den menschlichen Problemen helfen. Für die wirtschaftliche Probleme habe es bislang keine fachliche Beratung gegeben.

Für Ramm steht deswegen fest: „Wir kommen niemand anderen ins Gehege. Wir kümmern uns um die Betreiber, die sich woanders keine Beratung leisten könnten.“ Als Anlaufstelle wird weiterhin die Caritas Kreisstelle dienen.

Dr. Thomas Echtler, stellvertretender Caritasdirektor, ist froh über das neue Angebot in Neumarkt. Wirtschaftliche Probleme ziehen meist persönliche Schwierigkeiten hinterher. Die Verbindung von beiden Beratungsstellen mache Sinn.

Das sieht auch Peter Riedl so. Gemeinsam mit Kurt Schimek wird er die Betroffenen mit seinem Fachwissen und seiner Berufserfahrung aus wirtschaftlicher Sicht beraten. „Es werden Projekte auf uns zukommen, bei denen beide Beratungsangebote gefragt sein werden“, sagt er.

Riedl und Schimek sind bereits Mitglieder des Vereins und haben für die neue Beratungsstelle in Neumarkt eine Fachschulung im Bereich Schuldenbewältigung absolviert.

Schimek freut sich auf seine neue Aufgabe. Er ist bereits seit sechs Jahren in Rente. Nur den Garten zu pflegen und das Enkelkind zu besuchen, kam für ihn nie infrage, erzählt er.

Aktiv bleiben bis ins hohe Alter

Als er das Berufsleben verließ, wollte er sich nicht völlig zurückziehen. „Natürlich arbeite ich jetzt nicht mehr von Montag bis Freitag, aber ich möchte weiter im Geschehen bleiben“, sagt Schimek. Es gefalle ihm, sich weiter fortzubilden, ab und zu ein Fachbuch zum Thema zu lesen und sich mit Kollegen und Klienten auszutauschen.

So wie Schimek geht es vielen seiner Vereinskollegen. „Die Aktivsenioren freuen sich immer über neue Mithelfer“, sagt Rechtsanwältin Karin Larsen-Lion, die das Projekt und den Kooperationsvertrag betreut.

Für Ramm ist dieser Vertrag zwischen Verein, Stadt und Landkreis etwas ganz besonders. Aktivsenioren helfen Unternehmen in ganz Bayern. Doch nirgends gebe es eine schriftlich fixierten Kooperationsvertrag mit den öffentlichen Trägern, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Für den Landrat geht es in dieser Zusammenarbeit um die Bürger: „Wir wollen alle mitnehmen, auch die, denen es wirtschaftlich schlecht geht.“ OB Thumann dankt dem Landrat für seine Unterstützung und ist froh, dass die Lücke in der Beratung erkannt und geschlossen werden konnte.

DasProjekt der Aktivsenioren

  • Helfernetz:

    Für die weitere Entwicklung und als notwendige Unterstützung der ehrenamtlichen Berater ist der Aufbau eines Unterstützer-Teams geplant. Dieses soll aus Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten und Mitarbeitern aus Fachstellen wie Finanzamt und Kammern bestehen, erklärt Rechtsanwältin Karin Larsen-Lion.

  • Idee:

    Erste Gespräche über das Projekt fanden bereits im Oktober 2013 statt, nachdem sich die Schuldnerberatung der Caritas an den damaligen Landrat wandte und auf das Problem aufmerksam gemacht habe.

  • Umsetzung:

    Zusammen mit der Regina GmbH wurde das Konzept für eine neue Beratungsstelle ausgearbeitet.

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