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Motorradfahren

Auf zwei Kilometern Spaß und Verdruss

Für Biker ist die neue Weißmarterstrecke bei Neumarkt ideal, doch Anwohner sorgen sich – es gibt tatsächlich mehr Unfälle.
Von Lothar Röhrl

  • Mit dem Motorrad den Weißmarterberg hinauf oder hinunter: Seit dem Ausbau der Strecke ist sie noch beliebter bei Bikern geworden.Foto: Röhrl
  • An dieser Stelle beginnt der Fahrspaß. Das hat sich weit herumgesprochen. Foto: Röhrl

Neumarkt.Am Wochenende ist es insgesamt zweimal passiert: In der ebenso berühmten wie berüchtigten Weißmarterkurve sind am Samstag zwei Motorradfahrer gestürzt. Einmal war Alkohol im Spiel, beide Male sind nach Angaben der Polizei die Fahrer zu schnell dran gewesen. Sie selbst hatten Glück, denn die die Verletzungen waren nicht schwerer Natur. Doch die Zahl derer, die diese Haarnadelkurve und die gesamte zwei Kilometer lange Bergstrecke gemeistert haben, dürfte zig-mal höher gewesen sein. Dabei war das Wetter nicht ideal. Doch das wird sich ab Mitte dieser Woche zum Besseren ändern.

Ein Traum für alle Biker

Es droht aber auch, dass sich die Unfallzahlen ebenso zum Schlechteren ändern. Keine Frage: Seit die Weißmarterbergstrecke der Bundesstraße 8 ausgebaut worden ist, scheint sie zum Muss bei der Routenwahl vieler Motorradfahrer geworden zu sein. Die breitere Fahrbahn, die weiter gezogenen Kurven und vor allem das Entschärfen der berühmt-berüchtigtsten davon ziehen Fahrer von weit her an diese Bergstrecke. Diese hilft die Bundesstraße 8 den Alptraum – je nach Fahrtrichtung – erklimmen oder hinabgleiten. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt es nicht. Einzig die beiden Hinweise auf eine kurvenreiche Strecke beziehungsweise auf Schleudergefahr stehen am Beginn der Steigung beziehungsweise des Gefälles. Kurzum: Ein Traum für Biker.

Und ein Alptraum für Anwohner. An das Brummen von Motorrädern glaubten sich die Einwohner des zur Gemeinde Deining gehörenden Weilers Graßahof schon längst gewöhnt zu haben. Doch: „Seit die Straße wieder auf ist, ist es viel schlimmer geworden“, sagte ein Anwohner, der sich sorgenvoll an unsere Zeitung gewandt hat. Damit meinte er nicht nur die steigende Anzahl von Bikern. Die Kennzeichen verraten ihm, dass manche eine weite Anfahrt hatten. Für den Anwohner ist es auch unfassbar geworden, welche Szenen sich rund ums Motorradfahren abspielen: „Da stehen welche am Straßenrand und filmen, wenn die anderen vorbeifahren. Manche von denen fahren dann extra schnell, um sich in die Kurven zu legen und dabei gefilmt zu werden.“ Der Anwohner machte im Gespräch mit uns nur pures Glück dafür verantwortlich, dass noch kein Motorradfahrer schwerer gestürzt oder gar in den Gegenverkehr geprallt ist.

Für jeden Biker ist es eine Wonne, sich hier in die Kurven zu legen.
Für jeden Biker ist es eine Wonne, sich hier in die Kurven zu legen. Foto: Röhrl

Der Eindruck, dass es in den letzten Wochen eine auffallende Häufung von Motorradunfällen auf diesem Streckenabschnitt gegeben habe, täuscht nicht. Das hat Polizeihauptkommissar Bernhard Kölbl unserer Zeitung auf Nachfrage mitgeteilt. Allerdings seien die Folgen für die gestürzten Motorradfahrer glücklicherweise nicht dramatisch gewesen. In der Regel war es mit Prellungen und Hautabschürfungen abgegangen.

Lob für den neuen Unterfahrschutz

Der neue Unterfahrschutz in der Weißmarterkurve zeigt „Gebrauchsspuren“.
Der neue Unterfahrschutz in der Weißmarterkurve zeigt „Gebrauchsspuren“. Foto: Röhrl

Freilich: Unsicherer von Natur aus sei die Strecke nicht geworden, stellte Manfred Schreiner fest. Der Fahrlehrer, der selbst begeisterter Motorradfan ist und schon viele Motorradfahrer ausgebildet hat, lobt viel mehr, wie diese Bergstrecke ausgebaut worden ist. Neben den großzügigeren Radien der Kurven und dem nun durchgängig ebenen Fahrbahnbelag freut sich Manfred Schreiner, dass gerade die Weißmarterkurve deutlich sicherer geworden ist. Der neue Unterfahrschutz hilft schlimme Folgen von Stürzen zu vermeiden. Weil ein Durchrutschen unter die Leitplanke hindurch oder ein Aufprall gegen die zwar ummantelten Pfosten der Planke nicht mehr möglich ist, könnten schwerste oder gar tödliche Verletzungen besser vermieden werden. Das lobte Schreiner auch in seiner Eigenschaft als Mitglied der Führung der Neumarkter Kreisverkehrswacht.

Unfälle am Weißmarterberg

  • Häufung:

    Diese ist laut Polizeihauptkommissar Bernhard Kölbl tatsächlich in den vergangenen Wochen festzustellen. Allerdings habe es keine schweren Verletzungen gegeben. Es blieb bei Prellungen und Abschürfungen. Wegen der Häufung wird es allerdings bald ein Treffen der Unfallkommission – ihr gehören auch Vertreter des Straßenbauamts an – vor Ort geben.

  • Unfallorte:

    Keineswegs, so Kölbl weiter, sei die scharfe Weißmarterkurve der Schwerpunkt schlechthin im Unfallgeschehen. Auch unterhalb davon auf Höhe der Firma Egner beziehungsweise oberhalb davon auf Höhe der Abzweigung Tauernfeld gebe es Unfälle. (lr)

Motorrad-Experte Manfred Schreiner lobt die überwältigende Mehrheit aller Gesinnungsgenossen: „Sie fahren sehr diszipliniert“.
Motorrad-Experte Manfred Schreiner lobt die überwältigende Mehrheit aller Gesinnungsgenossen: „Sie fahren sehr diszipliniert“. Foto: Röhrl

Zur Empfehlung des Anwohners, diese Bergstrecke für Motorradfahrer zumindest an Wochenenden zu sperren, stellte Manfred Schreiner fest: „Das ist bei Bundesstraßen generell nicht möglich.“ Alle, die Motorradfahrern skeptisch gegenüber stehen, sollten seiner Meinung nach auch wissen: „Niemand ärgert sich mehr über undisziplinierte Biker als die überwältigende Mehrzahl derer, die trotz allen Fahrspaßes mit der Maschine die Verkehrsregeln sehr genau beachten.“

Die nach dem Umbau dieser Strecke geschehenen Unfälle führt Manfred Schreiner einzig auf Fahrfehler zurück. „Sie sind halt schlicht zu schnell in eine Kurve hineingefahren.“ Für Schreiner ist der Grip, also die Griffigkeit der neuen Fahrbahn, schon längst gegeben. „Schon zehn, 15 Tage nach der Freigabe ist da alles in Ordnung.“

Filmen gehört neuerdings dazu

Das Phänomen des Filmens kennt Schreiner und findet es auch nicht verkehrt. Es gebe ja heutzutage Geräte, die nicht von der Konzentration aufs Fahren ablenken. Und gegen Zuschauer am Straßenrand sei auch nichts einzuwenden Das sei etwa in Italien viel weiter verbreitet. Dort gebe es begehrte Plätze zum Zuschauen. So kennt er ein Gasthaus, dessen Sommerterrasse vor allem an Wochenenden dicht belagert mit Kiebitzen ist. Dieses liegt an einer der vielen Routen, über die auch die Mühlhausener Motorradfreunde immer an Christi-Himmelfahrt zur Partnerstadt Isola Vicentina jenseits der Alpen fahren.

Übrigens: Zum 20. Mal schon starten Schreiner und viele andere an diesem Donnerstag zur Alpenüberquerung auf motorisierten zwei Rädern. Nach Italien und dann wieder zurück werden attraktive, weil kurvenreiche Routen bevorzugt.

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