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Aus Liebe zum Holz Schreiner geworden

Der Pöllinger Schreinermeister Michael Kapfer weiß: In seinem Handwerk sind Geschick, Kreativität und Hingabe gefragt.
Von Thorsten Drenkard

  • Nicht die drei von der Tankstelle, sondern vom Schreinerbetrieb Kapfer in Pölling: Florian Wenzl (v.l.), Schreinermeister Michael Kapfer und Stefan Willner arbeiten gerne mit dem Werkstoff Holz. Fotos: Drenkard
  • Diese Maschine ebnet die Holzoberfläche ganz exakt.
  • In der Presse wird die Beschichtung auf das Holz geklebt.
  • Ein Werkstück der Gesellenprüfung

Neumarkt.Wenn Michael Kapfer über seinen Werkstoff Holz spricht, gerät er schnell ins Schwärmen. Dann kann es schon vorkommen, dass sich der 53-jährige Schreinermeister wie ein Sommelier anhört, der leidenschaftlich über einen edlen Tropfen Wein sinniert.

So sei das Holz der Zirbelkiefer nicht nur „wunderschön zu verarbeiten. Allein der Geruch der ätherischen Öle, der dabei entsteht – wunderbar!“

Ein Traum sei es für einen Schreiner wie ihn auch, wenn er ein „feinjähriges, schön langsam und gleichmäßig gewachsenes Holz“ zu einem schönen Möbel verarbeiten dürfe. Hinzu komme, dass Holz ein warmer, atmender, lebendiger Werkstoff sei – oder, wie Kapfer auch gerne sagt: „So ein Stück Holz ist auch bloß ein Mensch.“

Mehr als 40 Betriebe sind Mitglied

Kapfer ist seit mehr als zehn Jahren Obermeister der Neumarkter Schreiner-Innung, in der aktuell rund 40 Betriebe Mitglied sind. In vierter Generation betreibt er seine knapp 500 Quadratmeter große Schreinerei im Ortsteil Pölling. Geselle Stefan Willner und der 17-jährige Auszubildende Florian Wenzl komplettieren das Trio.

In Kapfers Betrieb ist Vielseitigkeit gefragt: Hier werden Möbel nach den Wünschen von Privatkunden gefertigt – egal, ob Garderobe, Küche oder Esstisch. An erster Stelle stehe das Gespräch mit dem Kunden, dann gelte es, die passenden Materialen für den Auftrag zusammenzustellen und anschließend zu verarbeiten und montieren. „Das ist eine vielfältige Tätigkeit, die auch ein Gespür für den Werkstoff und für die Gestaltung voraussetzt“.

Zu Besuch in einer Neumarkter Schreinerei

Das A und O seines geliebten Berufs sei freilich das handwerkliche Geschick bei der Holzver- und bearbeitung. Das Schreinerhandwerk ist dabei heutzutage wesentlich sauberer und maschineller als noch zu Zeiten, als Kapfer Ende der 70er-Jahre seine Schreinerlehre begann. Das Zusägen großer Holzplatten, das Aufpressen von Holzbeschichtungen oder Hobeln einzelner Holzstücke übernehmen mittlerweile großteils Maschinen.

Von Staubwolken oder Sägespänehaufen ist in der Werkstatt keine Spur. An den Maschinen sind Vorrichtungen installiert, welche die Sägespäne gleich in ein werkstatteigenes Silo absaugen. Die Späne werden später zum Heizen genutzt, verrät Kapfer.

So schön der maschinelle Fortschritt auch ist, als Schreiner „muss man auch weiterhin anpacken können. Das ist nach wie vor so“, weiß Kapfer.

Unentbehrliche Ausrüstung

Zur unentbehrlichen Ausrüstung des Schreiners zählen auch heute Bleistift, Meterstab, Schrauber, Hammer und Steinmeißel. Mit diesen Werkzeugen und weiteren Hilfsmitteln bearbeitet der Schreiner verschiedene Oberflächen und Materialien. „Heute muss man viel mit Metall, Glas und Kunststoff arbeiten, die in Möbel mit eingebaut werden sollen“, erklärt Kapfer die Anforderungen an seine Zunft.

Für seinen Gesellen Stefan Willner gibt es keinen anderen Beruf, den er lieber ausüben möchte. „Ich könnte nicht in einem Büro arbeiten“, gesteht der 41-Jährige, während er eine Holzplatte einleimt. Danach bringt er darauf mit dem Auszubildenden Florian Wenzl eine Beschichtung auf. Schließlich wandert die Platte in eine große Maschine, welche tief brummend die neue Oberfläche auf die Platte presst.

Ist das geschehen, wird die Holzplatte weiterverarbeitet: Sägen, Fräsen, Verbinden – solange, bis das Holzstück Teil eines formschönen Möbels ist. Für den 17-jährige Florian Wenzl ist das einer der Gründe, weshalb er Schreiner werden will: „Weil ich von Anfang bis Ende ein Möbel selbst herstellen kann.“

Der Beruf Schreiner

  • Ausbildung:

    Die Ausbildung dauert drei Jahre. Das erste ist das Berufsgrundschuljahr (BGJ), das Vollzeit in der Berufsschule stattfindet. Im zweiten und dritten Lehrjahr hat der Lehrling einmal pro Woche in der Berufsschule Unterricht und arbeitet vier Tage in einem Betrieb.

  • Weiterbildung:

    Nach der Gesellenprüfung gibt es die Möglichkeit, den Meisterbrief zu erwerben. Man kann sich auch an einer Fachschule zum Holztechniker oder Techniker für Raumgestaltung oder Innenausbau fortbilden. Zur Weiterbildung gehört auch die Möglichkeit, sich als Restauratorin oder Restaurator fortzubilden. An Akademien oder Fachschulen für Gestaltung kann man sich weiterhin zum Gestalter im Handwerk oder staatlich geprüften Gestalter weiterqualifizieren.

  • Verdienst:

    In der Ausbildung verdient der Azubi während des BGJs kein Gehalt, im zweiten Lehrjahr 635 Euro und im dritten 725 Euro. Als Geselle im vierten Gesellenjahr können es rund 2500 Euro sein. Als angestellter Meister reicht die Verdienstspanne von 2800 bis etwa 4100 Euro. Natürlich variieren die Gehälter je nach Betrieb.

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