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Bei haarigen Aufgaben blind vertrauen

Ein Friseur muss mehr können als nur Haare schneiden. Gute Menschenkenntnis und Kreativität sind ebenso wichtig wie Talent.
Von Philipp Froschhammer

  • Ganz entspannt lässt sich Stefan Schwarz von Elisabeth Würz die Haare schneiden. Fotos: Froschhammer
  • In diesem Rollschrank verbirgt sich, was der Friseur braucht – vom Kamm bis hin zu verschiedenen Scheren.

Neumarkt.Es ist ruhig in dem kleinen Haarstudio Elisabeth. Nur das Surren des handlichen Rasierapparats durchbricht die Stille. In dem hell eingerichteten Friseursalon halten sich nur zwei Personen auf.

Stefan Schwarz reist seit nunmehr fünf Jahren regelmäßig extra aus Nürnberg an, um sich von Elisabeth Würz, der Obermeisterin der Friseur-Innung Neumarkt, in der Badstraße 13 die Haare schneiden zu lassen.

Und er genießt es sichtlich, wie ihm die erfahrene Haarstylistin seine Frisur zurechtschneidet. Er schließt seine Augen und vertraut ihr blind. „Bei einem Friseurbesuch ist es mir wichtig, dass ich bekomme was ich will – sie muss auf mich eingehen und meine Wünsche erfüllen. Zum Schluss sollte natürlich auch die Frisur stimmen“, beschreibt Schwarz seine Ansprüche an die Friseurin.

Friseur muss auch beraten können

Elisabeth Würz stimmt ihrem Kunden in diesem Punkt voll und ganz zu. Schließlich gehört es zu den Kernkompetenzen einer guten Friseurin, nicht nur Haare schneiden zu können, sondern auch individuell auf die Kundenwünsche zu reagieren. „Eine gute Menschenkenntnis ist dabei gefragt“, sagt Würz. „Man muss immer wissen, ob der Kunde sich unterhalten möchte, ob er in Ruhe seine Haare geschnitten bekommen möchte oder ob er vielleicht ein Magazin lesen will.“

Dabei müssen die Friseure den Kunden keinesfalls Recht zu geben. Ganz im Gegenteil: Ein Friseur müsse Kunden individuell und fachlich kompetent beraten können. „Das lernen die Lehrlinge schon in der Ausbildung“, sagt die Obermeisterin. Der Friseur gibt Tipps zu den aktuellen Frisurentrends und sollte – in extremenFällen – dem Kunden von einer vermeintlich schlechten Entscheidung abraten. „Kommt ein Kunde mit einem Foto von einem Model und will die selbe Frisur, dann muss ich erst überlegen, ob ihm das stehen würde. Passt es nicht, sage ich schon, dass man das nicht so machen sollte“, erklärt Würz. Schließlich kennt sich keiner so gut mit den verschiedenen Kopfformen, Haararten und Stylingmethoden aus wie eine langjährig praktizierende Friseurmeisterin.

Der Friseur

  • Ausbildung:

    Die Ausbildung zum Friseur dauert insgesamt drei Jahre. Die Voraussetzung, um einen Ausbildungsplatz in einem Friseurbetrieb zu bekommen ist mindestens ein qualifizierter Mittelschulabschluss.

  • Verdienst:

    Ein Lehrling verdient im ersten Lehrjahr bis zu 450 Euro Brutto. Im zweiten Lehrjahr steigt das Gehalt auf rund 550 Euro. Im dritten Jahr der Ausbildung verdient der Lehrling rund 700 Euro. Als ausgelernter Friseur kann man mit einem Einstiegsgehalt von bis zu 1500 Euro Brutto rechnen. Je nach Vertrag kann das Gehalt nach einer gewissen Zeit weiter steigen.

  • Weiterbildungen:

    Aufgrund der sich ständig wandelnden Trends ist ein Friseur verpflichtet, regelmäßig Weiterbildungen zu besuchen. Diese haben meist innovative Geräte, spezielle Techniken oder aktuelle Trends zum Thema.

  • Arbeit:

    Wer keinen Ausbilder machen will, der wird als Friseur täglich mit den Kunden zu tun haben. Junge Auszubildende müssen jedoch erst die Techniken an Modellköpfen erlernen, bevor sie selbst die Haare der Kunden schneiden dürfen.

Der Beruf birgt einige Herausforderungen: Der eine hat Locken, der andere Kunde hätte gerne welche. Der nächste hat lange Haare und wehrt sich gegen jeden Zentimeter, der aufgrund von Spliss gekürzt wird. „Man kann ein Talent haben, das meiste erlernt man aber aus eigenen Erfahrungen“, beschreibt Würz. Es würde beispielsweise dauern, bis man weiß, wie sich Kopfwirbel nach dem Schneiden verhalten.

Ohrhaare muss man schneiden

Das Repertoire, das eine Friseurin dauerhaft abrufen muss, ist umfangreich. Es reicht von der Umformung über Haare färben, einen Bob schneiden bis hin zu schlichten Frisuren, wie einem Seitenscheitel oder dem Undercut. Dabei geht es jedoch nicht immer nur ums Haare kürzen. Ein Friseur lernt bei der Ausbildung auch, wie Make-up richtig aufgetragen wird und wie man Nägel lackiert. Beispielsweise bei Hochzeiten muss die Braut mit ihrer aufwendig gestalteten Frisur nicht extra ein Make-up-Studio aufsuchen. Sie wird beim Friseur komplett umsorgt.

Der Beruf Friseur

Und auch der Kunde Stefan Schwarz bekommt bei seinem Besuch in Neumarkt das volle Programm geboten. Zunächst stutzt Würz die Haare am Hinterkopf und rasiert ihm den Nacken aus. „Es ist wie beim Haus bauen – man arbeitet sich von unten nach oben“, kommentiert Würz ihre Arbeitsschritte. Da der Kunde weder Kaffee noch Erfrischungsgetränk oder Bonbon möchte, geht es weiter. Der Scheitel wird gekämmt, die Kopfbehaarung Schritt für Schritt auf die gewünschte Länge gekürzt. Zum Schluss werden noch die Ohrhaare entfernt und die Augenbrauen in Form gebracht. Nach 20 Minuten kann Schwarz das Haarstudio verlassen.

Von Naturtönen bis hin zu grellen Farben: Elisabeth Würz erfüllt viele Kundenwünsche – außer grüne Haare.
Von Naturtönen bis hin zu grellen Farben: Elisabeth Würz erfüllt viele Kundenwünsche – außer grüne Haare.

Nach einem Kunden muss nur noch der Boden gekehrt werden. Dann kann auch schon der Nächste kommen. Im Haarstudio Elisabeth werden nur die Haare geschnitten, wenn vorab ein Termin vereinbart wurde. Somit kann Würz gewährleisten, dass sie ausreichend Zeit für jeden ihrer Kunden hat. Nur dann würden sich sowohl die Kunden als auch die Friseurin wohlfühlen. „Ich kenne meine Stammkunden und muss erst abschätzen, wie lange ich für die Frisur brauche. Dann mache ich die Termine aus“, erklärt Würz. Je nach Kundenwunsch dauert ein Haarschnitt 20 Minuten bis zu drei Stunden.

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