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Bei schönsten Momenten im Leben dabei

Jordan Chancellor hat sich mit der Lehre beim Neumarkter Foto-Atelier Hailer den großen Traum aus ihrer Kindheit erfüllt.
Von Lothar Röhrl

  • Jordan mit der Blume, die Lea zur Freude von deren Eltern und Kollegin Simone ein Lächeln entlocken soll.Fotos: Röhrl
  • Lea und Kollegin Simone im Fokus
  • Fertigmachen für die „Badeszene“
  • Jordan und ihr Arbeitsgerät

Neumarkt.Lea ist gut drauf. Jordan braucht meist nur ein-, zweimal mit der blauen Blume zu wedeln. Und schon huscht ein breites Kleinkindlächeln Lea ins Gesicht. Das ist der Moment, in dem Simone Lij auf den Auslöser der Kamera drückt. Zeitgleich mit dem „Klick“-Geräusch schießt eine Winzigkeit lang ein Blitz durch den vollkommen abgedunkelten Raum. Das wiederholt sich noch ein paar Dutzend Mal an diesem frühen Vormittag im Atelier von „Foto Hailer“ am Neumarkter Viehmarkt.

Jordan Chancellor (21, Lauterhofen) und Simone sind ein Team. Lea ist ein „Glücksfall“. Die 13 Monate alte junge Dame aus Berngau macht sich gut an diesem Vormittag. Als Fotomodell. Ihre Eltern Karin und Silvio Hertel wirken ziemlich stolz, wie ihre kleine Prinzessin alles so geduldig und dank blauer Blume schwenkender Jordan mit viel Lächeln über sich ergehen lässt: Das in-Position-gesetzt-werden, das Blitzlichtgewitter und das ständige Wechseln der Kleidung.

Für Jordan Chancellor besteht dieser Termin nicht nur aus Blume-wedeln. Sie guckt immer wieder auch selbst durch den Sucher der Kamera. Und löst diese aus. Routine ist das geworden – knapp drei Jahre nach Beginn ihrer Ausbildung zur Fotografin. Noch knapp ein Vierteljahr, dann ist Abschlussprüfung an der Berufsschule in Regensburg. Wenn alles hinhaut, ist ein weiteres Kapitel auf dem Weg zu ihrem Traumberuf geschafft. Dann ist sie Gesellin. Wie übrigens Simone Lij auch schon seit längerem.

Fotografin hatte Jordan Chancellor schon immer einmal werden wollen. Drei Jahre alt sei sie gewesen, als sie zu Mama gesagt habe: „Will Foto-Dafin werden“ – das habe ihr Mama mal grinsend erzählt. Von der „Foto-Dafin“ zur Fotografin sei der Weg denn auch schnurstracks und ohne Umwege verlaufen. Mittlere Reife im M-Zug der Lauterhofener Mittelschule, ein Praktikum vor fünf Jahren bei „Foto Hailer“ und dann schon vor gut drei Jahren Start der Ausbildung dort.

„Ich wollte schon immer Menschen mit meiner Arbeit glücklich machen“, sagte Jordan Chancellor dem Tagblatt. Das könne sie als Fotografin dann tun, wenn sie Momente für Menschen festhalte, in denen sie sich sehr glücklich fühlen. Etwa bei ihrer Hochzeit, im Kreise ihrer Liebsten – oder wie bei den Hertels aus Berngau, die ihre Lea zum ersten Mal richtig fotografiert haben wollten. Jetzt mit knapp über einem Jahr. Und dann immer wieder im Abstand von zwölf Monaten. So entstünden lebenslange Erinnerungen für die Eltern und Lea selbst. Für Vater Silvio war es keine Frage, dass diese erste Station und alle weiteren ein Profi-Fotostudio festhalten soll. „Ein solches hat die Ausrüstung und weiß, wie es gemacht wird.“

Wie es gemacht wird: Genau das war auch der Antrieb für Jordan Chancellor, eine Ausbildung als Fotografin zu beginnen. Sie wollte es lernen, was man ausrechnen muss, um das richtige Licht fürs Ausleuchten zu bekommen. Was man tun muss, um ein Bildmotiv möglichst scharf hinzubekommen. Obwohl sie einen Stabblitz für ihre Sony Alpha 65, ihre private Kamera besitzt, will sie möglichst viel mit „available-light“ (vorhandenem Licht) arbeiten. Dass sie alles nur manuell einstellt und so auf die technischen Hilfsmittel der modernen Fotokameras verzichtet, ist für sie selbstverständlich. Damit ist sie sich übrigens seit ihrer ersten Kamera, einer Minolta, treu geblieben. Diese hatte sie vor gut 15 Jahren geschenkt bekommen...

Hier die Technik, dort aber auch der Blick fürs Motiv. In diesem Fall halt Lea. „Beim Blick durch den Sucher scanne ich in wenigen Sekunden die Person ab. Dabei schaue ich, dass nicht nur das Lächeln und die Position passen. Sondern auch die Stellung der Hände und der Beine muss stimmen. Ich achte sogar darauf, ob das Kind die Finger offen hat.“

Fast alles passt. Nur am Stehvermögen in der Schlussszene hapert es bei der gerade mal erst 13 Monate alten Lea noch. Papi wird zur Stütze, Mami baut sich hinter den Ihren auf. Und noch einmal wedelt Jordan mit der blauen Blume. Sehr zur Freude von Lea, die lacht...

Die Fotografen-Ausbildung

  • Zum Gesellen:

    Die Lehrzeit dauerte drei Jahre. Die Einstiegsvoraussetzungen bestimmt der ausbildende Meister. Walter Hailer hat schon immer als Grundvoraussetzung „Mittlere Reife“ vorausgesetzt. Und das aus einem einfachen Grund: „Die Berufsschule ist nicht einfach. Man tut sich mit Mittlerer Reife dort einfach leichter.“ In der Regel gehen auszubildende Fotografen aus dem Neumarkter Landkreis auf die Berufsschule in Regensburg. Bevorzugen sie Nürnberg fallen Gastschulbeiträge an.

  • Grundgehalt:

    Ein Auszubildender verdient in jedem Monat 300 Euro. Allerdings kann dieser Betrag pro Betrieb nach oben hin deutlich abweichen.

  • Berufschulbesuch: Im ersten Lehrjahr eineinhalb Schultage pro Wochen; in den beiden folgenden sind es jeweils ein Tag pro Woche.

  • Gesellenprüfung: Zum einen natürlich schriftlich; zum anderen müssen vier große Leinenbilder als Gesellenstücke abgegeben werden. Bei Jordan Chancellor war es ein Bewegungsbild mit dem Motiv von der Rettungshundestaffel der Oberpfalz, die in Parsberg übte. Pflicht war ein Foto von einer Zitronenpresse und als Kür hatte sie sich „Rockabilly“ ausgesucht.

  • Interesse am Beruf:

    Dieses nimmt deutlich ab – abzusehen am Besuch der „Fotografen“-Klassen in der Berufsschule Bei Jordan war die Zahl derer im ersten Lehrjahr noch bei knapp über zehn gelegen. Aktuell sind es dort vier

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