MyMz
Anzeige

Berührungsängste sind hier fehl am Platz

Als Kind lag sie auf der Physio-Liege. Heute verhilft Yvonne Forster mit ihren Händen zu einem schmerzfrei(er)en Leben.
Von Bettina Griesbeck

Null Berührungsängste: Konzentriert massiert Physiotherapeutin Yvonne Forster aus Neumarkt den Rücken eines Patienten.
Null Berührungsängste: Konzentriert massiert Physiotherapeutin Yvonne Forster aus Neumarkt den Rücken eines Patienten. Fotos: Griesbeck

Neumarkt.Ein junger Mann im Trainingsanzug kommt in die Kabine Nummer fünf der Praxis „Physio Neumarkt“. Er schließt die Glastür hinter sich. „Hallo. Du kannst dein Hemd ausziehen und dich auf den Bauch legen“, sagt die junge Frau in schwarzem Sport-Shirt und weißer Jogginghose. Ihre Haare sind zu einem Nest zusammengebunden, sie lächelt. Kurz darauf liegen ihre Hände im Bereich der Lendenwirbelsäule flach auf seinem Körper. Langsam, fast schon in Zeitlupe streicht Yvonne Forster mit ihrer rechten Hand mit sanftem Druck die Rückenmuskulatur aus – immer von der Wirbelsäule nach außen. Der Patient hat die Augen geschlossen und seine Gesichtszüge entspannen sich. „Nach der Massage gehen wir noch an die Geräte“, sagt Forster.

Entspannung trifft auf harte Arbeit

Viele Menschen seien der Meinung, dass Physiotherapie nur aus Massage besteht, sagt Forster. Dem ist aber nicht so: „Die Patienten geraten bei den Übungen ganz schön ins Schwitzen.“ Yvonne Forster ist seit Juni 2012 in der Praxis „Physio Neumarkt“ im Ärztehaus angestellt. Die 25-jährige Neumarkterin hat wegen Rückenbeschwerden schon als Kind Kontakt zur Physiotherapie bekommen. Ihr sei bereits als Jugendlicher klar gewesen, dass sie mit Menschen arbeiten möchte. „Außerdem bin ich sportbegeistert – beruflich ließ sich das für mich gut verbinden.“ Beim ASV Neumarkt hat die Neumarkterin von 2010 bis zum Ende der vergangenen Saison die Spieler betreut – damit hat sie während ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin angefangen.

Physiotherapeut

  • Ausbildung:

    Bundesweit gilt eine einheitlich geregelte dreijährige schulische Ausbildung an Berufsfachschulen für Physiotherapie. Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr finden Praktika in unterschiedlichen Einsatzbereichen der Physiotherapie statt. Der Ausbildungsbeginn ist jährlich.

  • Arbeitsbereiche:

    Physiotherapeuten können beispielsweise in Praxen, Krankenhäusern, Fachkliniken, Rehabilitationszentren, Sanatorien, Behinderteneinrichtungen, Sonderschulen, Altenpflegeheim, Sportzentren, Fitnesscentern, Firmen oder in Wissenschaft und Lehre arbeiten.

  • Ausbildungsinhalte:

    Während der Ausbildungszeit lernen die angehenden Physiotherapeuten unter anderem Behandlungstechniken, die komplette Anatomie des Menschen, haben ergänzende Grundlagenfächer wie Erste Hilfe oder oder Berufs- und Gesetzeskunde.

  • Qualifikation:

    Mindestvoraussetzung für den Beginn der Ausbildung ist der Realschulabschuss. Für den Praxisteil der Ausbildung müssen die Auszubildenden mindestens 18 Jahre alt sein (das betrifft die Zeit ab dem zweiten Ausbildungsjahr).

  • Verdienst:

    Die Ausbildungsjahre sind unvergütet. Das Einstiegsgehalt liegt zwischen 1600 bis 2660 Euro (brutto).

  • Informationen Online:

    Mehr Informationen gibt es unter www.berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/start?dest=profession&prof-id=8750

Sie selbst sei kein Büromensch, sagt Yvonne Forster. „Ich brauche action!“ Deshalb sei ihre Berufswahl genau richtig gewesen. Nach der Realschule überlegte die 25-Jährige noch, was sie machen möchte. Als ihre Entscheidung feststand, war sie allerdings noch zu jung für die Physiotherapeutenschule. Da man zu Beginn mindestens 17 Jahre alt sein muss, überbrückte Forster die Zeit auf der Fachoberschule. „Meine dreijährige Ausbildung habe ich in Reichenbach im Vogtland gemacht“, sagt Forster.

Club-Spieler lagen auf ihrer Liege

Ab dem zweiten Ausbildungsjahr an der Physio-Schule standen auch regelmäßige Praktika im Lehrplan. „Die habe ich mir immer zu Hause gesucht, zum Beispiel im Neumarkter Krankenhaus, im Nürnberger Reha-Zentrum Valznerweiher oder in der Physio-Praxis, in der ich heute auch arbeite.“ Dadurch habe sie verschiedene Arbeitsbereiche und Tätigkeiten der Physiotherapie kennengelernt und viel mit Patienten gearbeitet. „Am meisten macht mir die Arbeit mit Sportlern und Kindern Spaß“, sagt Forster. Von der akuten Verletzung bis hin zu dem Moment, wenn die Frauen oder Männer wieder auf dem Sportplatz stehen, sei es spannend, die Fortschritte durch die Physio-Maßnahmen zu beobachten – und zu Kindern habe sie einfach einen guten Draht.

Besuch in der Praxis "Physio Neumarkt"

Jeder Griff sitzt – „aber jeder Patient ist anders“, sagt Yvonne Forster.
Jeder Griff sitzt – „aber jeder Patient ist anders“, sagt Yvonne Forster. Fotos: Griesbeck

Nach den drei Ausbildungsjahren in Sachsen blieb Yvonne Forster noch für ein halbes Jahr in Nürnberg am Reha-Zentrum Valznerweiher. Dort hatte sie auch Fußballer des 1. FC Nürnberg auf der Liege. „Einmal hat sich ein Club-Spieler ,beschwert’, weil er mich auf der Straße in Nürnberg angehupt hat, aber ich nicht reagiert habe“, erzählt Forster und lacht. Die Stimmung im Umgang mit den bekannten Sportlern sei sehr entspannt gewesen. „Draußen vor der Tür warteten die Mädels und wollten Autogramme – drin lagen sie vor mir auf der Liege, ganz ohne Starrummel.“ In der Zeit pendelte die Berufsanfängerin zwischen ihrem Wohnort Neumarkt und Nürnberg hin und her. Im Juli 2012 zog es sie dann auch beruflich in ihre Heimatstadt und seitdem ist sie in der Physio-Praxis im Ärztehaus angestellt.

An den Sportgeräten erklärt Yvonne Forster therapeutische Übungen.
An den Sportgeräten erklärt Yvonne Forster therapeutische Übungen. Fotos: Griesbeck

Berührungsängste dürfe man als Physiotherapeutin nicht haben, sagt Forster. „Auch wenn die Menschen, die zu uns kommen, viele Übungen mit Geräten machen, arbeiten wir am meisten mit den Händen.“ Jeder Tag bringe außerdem Abwechslung, da jeder Patient anders ist. Einen klassischen Muskel- und Knochenaufbau wie im Lehrbuch gebe es eben nicht. Der Patient, der gerade noch entspannt die Rückenmassage genossen hat, sitzt mittlerweile auf einem Sportgerät im Trainingsraum der Praxis. Yvonne Forster erklärt ihm eine Übung zum Muskelaufbau und die richtige Körperhaltung. „Jetzt müssen Sie selbst etwas tun“, sagt sie und lacht, während der junge Mann mit den Beinen ein Gewicht von sich wegschiebt.

Hier geht es zu allen Teilen der Tagblatt-Serie „Mein Beruf“.

Die drei grössten Vorurteile gegenüber Physiotherapeuten

Physiotherapeut ist ein typischer Frauenberuf.
Physiotherapeut ist ein typischer Frauenberuf. Foto: dpa

1. Physiotherapeut ist ein typischer Frauenberuf: Tätigkeiten im Pflege- oder Betreuungsbereich werden immer noch in die Schublade für Frauenberufe gesteckt. In den vergangenen Jahrzehnten haben immer mehr Männer eine Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht – ein Drittel aller Berufsanfänger ist in diesem Bereich mittlerweile männlich.

Physiotherapie ist besser als Krankengymnastik.
Physiotherapie ist besser als Krankengymnastik. Foto: dpa

2. Physiotherapie ist besser als Krankengymnastik: Bis 1995 gab es bedingt durch die Wiedervereinigung Deutschlands beide Begriffe: In der ehemaligen DDR hieß der Beruf Physiotherapeut, im Westen Krankengymnast. Heute gilt einheitlich die Bezeichnung Physiotherapeut.

Physiotherapie ist nur Massage und tut nicht weh.
Physiotherapie ist nur Massage und tut nicht weh. Foto: dpa

3. Physiotherapie ist nur Massage und tut nicht weh: Das stimmt nicht. Wer zur Physiotherapie geht, muss sich aktiv bewegen. Der Patient lernt dort auch, welche Übungen oder welche Sportarten im Privatleben gesundheitsförderlich sind.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht