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Berufsstart gelingt mit besonderer Hilfe

Jugendliche mit Lernbehinderung können im bfz eine Lehre absolvieren. Viele entdecken zum ersten Mal ihre Stärken.
von Bettina Dennerlohr

Das bfz bildet Jugendliche unter anderem im Bereich Küche/Gastronomie aus.
Das bfz bildet Jugendliche unter anderem im Bereich Küche/Gastronomie aus. Foto: Kusch

Neumarkt.Joachim Simbeck ist sichtlich stolz auf die jungen Menschen, die im bfz eine Ausbildung durchlaufen: „Es macht unwahrscheinliche Freude zu sehen, wie sie hier aufblühen.“ Denn für die Absolventen ist das oft die erste Chance, sich zu beweisen, denn wer im bfz ausgebildet wird, hat auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Lehrstelle gefunden. Meistens, so sagt der stellvertretende bfz-Leiter Simbeck, handelt es sich dabei um Jugendliche mit Lernbehinderung. Sie brauchen zusätzliche Unterstützung, können aber gerade in der praktischen Arbeit oft glänzen weiß Simbeck: „Ich erinnere mich an eine junge Frau, die bei uns in der Küche gelernt hat. Sie konnte so toll kochen wie die Spitzenköchin, die sie heute ist – sich allerdings keine Rezepte merken.“

Zwei Modelle für Ausbildungen gibt es im bfz in der Regensburger Straße, alle mit der Agentur für Arbeit. Bis zu 20 Jugendliche können komplett im bfz lernen. Sie bekommen Nachhilfe, Stützunterricht und haben bei Problemen Ansprechpartner wie eine Sozialpädagogin im Haus. Praktika in Betrieben gehören für die Jugendlichen immer wieder dazu. „So können sie im geschützten Rahmen ihre Ausbildung machen aber gleichzeitig auch den Alltag im Berufsleben kennenlernen“, beschreibt Simbeck. Seit sieben Jahren gibt es dieses Angebot im bfz. Etwas kürzer gibt es ein zweites Ausbildungskonzept, ebenfalls gemeinsam mit der Agentur für Arbeit. Dabei machen die Jugendlichen ihre Ausbildung regulär in einem normalen Betrieb, das bfz steht aber mit Stützunterricht und Ansprechpartnern bereit. „Unser Angebot soll die Jugendlichen und die Ausbildungsbetriebe entlasten“, erklärt Simbeck.

Angeboten werden so Ausbildungen zu Metallwerkern sowie im Bereich Küche/Gastronomie. Das geschieht mit Bedacht, erklärt Simbeck: „In diesen Bereichen werden Arbeitnehmer mit Ausbildung gesucht. Im Büro zum Beispiel ist die Konkurrenz zu groß, als dass unsere Absolventen eine echte Chance hätten.“ So aber bekomme er von den teilnehmenden Unternehmen stets positive Rückmeldungen: „Unsere Leute kommen auch unter. Jeder hat bisher einen Arbeitsplatz gefunden.“ Auch abgebrochen hat in sieben Jahren bisher nur eine junge Frau, sagt Simbeck: Sie wurde schwanger, will nach der Erziehungszeit aber ihre Ausbildung beenden.

Auch in Sachen Weiterbildung und Qualifizierung veranstaltet das bfz Kurse – laut Simbeck mehr als alle anderen Anbieter rund um Neumarkt. Die meisten Teilnehmer kommen über Bildungsgutscheine der Arbeitsagentur in die Einrichtung, doch es gibt auch Selbstzahler oder Betriebe, die ihre Angestellten weiterbilden lassen. Das Angebot wechselt jährlich, erklärt Simbeck. Im Moment liegt der Schwerpunkt beispielsweise im Bereich Handel – schließlich steht die Eröffnung des Neuen Marktes bevor und entsprechend wird Personal gesucht.

Doch auch unabhängig von saisonalen Einflüssen bemerkt Simbeck einen Wandel in der Aus- und Weiterbildung: Früher, so sagte er, habe es Absolventen aber keine Arbeitsplätze gegeben, heute ist es umgekehrt. Gerade im Bereich Pflege würden Fachkräfte händeringend gesucht. Diejenigen, die sich im bfz beispielsweise zu Betreuungsfachkräften ausbilden lassen und damit speziell für den Umgang mit Senioren und Menschen mit Demenz geschult sind, kommen problemlos in den Einrichtungen unter. „Eher würden sogar noch mehr gesucht“, sagt Simbeck, „Wer heute eine gute Ausbildung hat, den saugt der Arbeitsmarkt förmlich auf.“

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