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Besonderer Schutz für unser Trinkwasser

MdEP Albert Deß hält unser Grundwasser für gut geschützt. Lammsbräu-Chef Dr. Ehrnsperger sieht noch Potenzial zur Optimierung

  • Ist unser Trinkwasser gefährdet? Diese Frage beantworten Politiker Albert Deß und Bio-Pionier Dr. Franz Ehrnsperger sehr unterschiedlich. Foto: Jens Büttner
  • Dr. Franz Ehrnsperger ist der Inhaber der Neumarkter Lammsbräu, die ausschließlich Bio-Produkte herstellt. Foto: Klaus D. Wolf

Neumarkt.Im Rahmen der MZ-Themenwoche „Wie umweltfreundlich leben wir?“ hat die MZ den Europaabgeordneten und agrarpolitischen Sprecher der EVP-Fraktion, Albert Deß (CSU), gebeten, aus seiner Sicht die Situation des Trinkwassers darzustellen. Und die Redaktion hat dazu den Neumarkter Unternehmer Dr. Franz Ehrnsperger befragt, der mit seinem „BioKristall“ ein Bio-Mineralwasser auf den Markt gebracht hat – gegen gerichtliche Widerstände.

Das sagt Albert Deß:

Ist unser Trinkwasser gefährdet? Diese Frage beantworten Politiker Albert Deß und Bio-Pionier Dr. Franz Ehrnsperger sehr unterschiedlich. Foto: Jens Büttner
Ist unser Trinkwasser gefährdet? Diese Frage beantworten Politiker Albert Deß und Bio-Pionier Dr. Franz Ehrnsperger sehr unterschiedlich. Foto: Jens Büttner

„Das Trinkwasser ist durch die Trinkwasserrichtlinie der EU aus dem Jahr 1980 geschützt. Das gilt für viele Stoffe, die in das Trinkwasser aus verschiedenen Quellen eingetragen werden. Bezüglich der Landwirtschaft gilt das vor allem für die Pflanzenschutzmittel. Da diese nicht ins Trinkwasser gehören, wurde ein Null-Wert angestrebt. Da dieser aber nicht justiziabel ist, wurde 1980 ein damals noch nicht messbarer Wert eingesetzt, nämlich 0,1 Mikrogramm/Liter Wasser. Zum Vergleich: Das entspricht im Vergleich zur Zeitangabe eine Sekunde in 317 Jahren! Es ist also quasi ein Null-Wert.

Hier sind also Warnungen und Panikmache unangebracht..“

MdEP Albert Deß

Dieser Wert ist nicht nur für alle Wasserwerke und -lieferanten vorgeschrieben, sondern wird auch nachweislich überall eingehalten. Hier sind also Warnungen und Panikmache unangebracht. Eine ähnlich gute Qualität haben wir auch beim Grundwasser. Selbst hier wird der Nullwert aus der Trinkwasserverordnung in über 95 Prozent der vielen tausend Messstellen unterschritten. Es gibt kritisch ausgesuchte Probestellen, aber auch dort sind die Werte gesundheitlich nicht relevant, weil es sich immer noch um extreme Vorsorgewerte handelt. Noch ein Wort zu den Messmöglichkeiten: Unsere Analysewerte haben inzwischen den damaligen noch nicht messbaren Wert von 0,1 Mikrogramm/Liter weit überholt. Wir können heute Werte in der Größenordnung von einer Sekunde in mehr als einer Million Jahren messen. Das heißt, wir finden fast jeden Stoff, den es auf der Welt gibt, auch fast überall, wenn es dafür eine Analyse gibt.

So ist es aufgrund dieser fortgeschrittenen Technik feststellbar, dass es Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (etwa Glyphosat) in der Muttermilch, im Bier, im Fleisch und anderswo gibt. Nur: Es sind irrationale Gefahren, die Werte liegen jenseits aller Vorstellungskraft. Das wird bei den Berichten meist unterschlagen. Um etwa beim Bier eine gefährliche Menge Pflanzenschutzmittel aufzunehmen, müsste eine Person täglich 300 Liter Bier trinken. Die Landwirtschaft wird sich auch weiterhin um eine noch umweltschonendere Weiterentwicklung auch im Bereich Wasserschutz bemühen. Das zeigen auch die viele erfolgreiche Kooperationen zwischen Wasserwerken und Landwirtschaft, die teilweise schon seit vielen Jahren bestehen.“

Und das sagt der Unternehmer Dr. Franz Ehrnsperger:

Albert Deß (CSU) ist agrarpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europa-Parlament. Foto: Picasa
Albert Deß (CSU) ist agrarpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europa-Parlament. Foto: Picasa

„Sauberes Wasser ist ohne Zweifel unser wichtigstes Lebensmittel: Es ist die Grundlage unseres Lebens. Unser Körper besteht aus bis zu achtzig Prozent aus ihm, und alle seine Stoffwechselprozesse sind direkt oder indirekt davon abhängig. Ohne ausreichend Wasser sterben wir innerhalb weniger Tage. Der Zugang zu sauberem Wasser ist deshalb auch aus guten Gründen ein UN-Menschenrecht.

„Das Landesamt Bayern meldet Pestizidnachweise bei 45,2 Prozent der Messstellen.“

Dr. Franz Ehrnsperger, Bio-Pionier

Was viele Menschen nicht wissen: Unsere Lebensgrundlage Wasser ist hochgradig gefährdet – auch im eigentlich wasserreichen Deutschland. Nach Jahrzehnten intensiver Landwirtschaft sind Schadstoffe wie Pestizide und Nitrate durch den Boden in das Trink- und Mineralwasser gesickert. Nicht umsonst stufte das Umweltbundesamt schon 2010 37 Prozent der Grundwasservorkommen in Deutschland als chemisch bedenklich ein. Das Landesamt Bayern meldet Pestizidnachweise bei 45,2 Prozent der Messstellen. Die damit einhergehenden Beschädigungen von Umwelt und Mensch sind noch kaum abschätzbar. Sicher ist, dass sich die Fremdstoffe auf Dauer im Wasserkreislauf einlagern.

Reines Wasser für die jetzige und zukünftigen Generationen zu bewahren, ist daher dringend geboten. Dabei müssen wir konsequent an der Ursache des Problems ansetzen und nicht wie bei Leitungswasser üblich, mit oft aufwendigen Methoden versuchen, Schadstoffe im Nachhinein zu entfernen. Wir müssen also verhindern, dass durch eine auf Agrochemie basierende Produktion von Lebensmitteln wie Getreide, Gemüse und Obst unser wichtigstes Lebensmittel und damit unsere Lebens-grundlagen systematisch zerstört werden.

Wie das praktisch geht, zeigt der Ökolandbau. Hier wird auf den Einsatz von Pestiziden, Kunstdünger und andere Hilfsmittel der industriellen Landwirtschaft verzichtet und das Wasser aktiv geschützt. Ein Erfolgsmodell, das wir bei Lammsbräu ganz bewusst auch mit unserer eigenen Erzeugergemeinschaft EZÖB schon seit knapp dreißig Jahren unterstützen. Das trägt dazu bei, dass wir mit unserem BioKristall hier in Neumarkt noch Mineralwasser fördern können, das sogar den sehr strengen Anforderungen der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser genügt und deshalb zu Recht das Bio-Mineralwassersiegel trägt.“

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