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Bestatter leisten Dienst am Lebenden

Lorenz Häusler bettet Tote zur letzten Ruhe. Seit er seinen Beruf ausübt, glaubt er fest an ein Leben nach dem Tod.
von Bettina Dennerlohr

  • Für die Häuslers – Vater und Sohn tragen den Vornamen Lorenz – macht einen Bestatter vor allem eines aus: die Liebe zum Menschen. Foto: Dennerlohr
  • Die Särge werden mit Wachstuch ausgeschlagen. Foto: Dennerlohr
  • Schlicht, verziert oder zum Selbstbemalen – bei Särgen gibt es viel Auswahl. Foto: Dennerlohr
  • Auch bei den Urnen gibt es die Auswahl aus verschiedenen Motiven. Foto: Dennerlohr

Neumarkt.Lorenz Häusler glaubt fest an ein Leben nach dem Tod. Für ihn steht fest, dass es zwei Welten gibt, und dass die Seele eines Menschen nach dem Tod eine andere Ebene erreicht. „Das kann ich im Umgang mit den Toten spüren“, sagt Häusler. Er weiß das – schließlich arbeitet er seit 25 Jahren als Bestatter.

Als eine seiner Hauptaufgaben sieht er allerdings den Dienst an den Lebenden. „Ich versuche Trost zu spenden, obwohl es eigentlich gar keinen Trost geben kann“, beschreibt er die Zusammentreffen mit den Angehörigen. Seelentröster und Psychologe werde ein Bestatter im Lauf der Zeit quasi nebenbei – schließlich stehen die Familienmitglieder eines Verstorbenen oft am Abgrund. In dieser Gefühlslage müssen sie noch dazu viele Entscheidungen treffen: Welcher Sarg soll es sein? Feuer- oder Erdbestattung? Pfarrer oder freier Redner?

Viele Menschen, so lautet Häuslers Erfahrung, setzen sich mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinander und legen selbst fest, wie ihre Bestattung aussehen soll. Häusler erinnert sich etwa an einen 82-Jährigen, der extra aus der Kirche austrat, weil keinen Pfarrer zu seiner Beerdigung kommen sollte. Hat der Verstorbene keine solchen Wünsche geäußert, ist es die Aufgabe des Bestatters, die Hinterbliebenen zu beraten. Außerdem nimmt er den Familien die zahllosen Behördengänge ab, die mit einem Todesfall verbunden sind. Er informiert beispielsweise die Friedhofsverwaltung und die Krankenkasse oder organisiert bei der Polizei die Unbedenklichkeitsbescheinigung vor einer Feuerbestattung. „Es ist ein ganzer Berg Formulare, der bei einem Todesfall ausgefüllt werden muss – und dieser Verwaltungsaufwand wird immer mehr“, sagt Häusler.

Außerdem kümmern sich die Bestatter um den Toten, waschen und kleiden den Körper und legen ihn in den Sarg. Nicht zuletzt gehören auch handwerkliche Arbeiten zum Aufgabenbereich: Der Sarg bekommt Beschläge und wird mit einem Wachstuch ausgeschlagen. Gebettet wird der Tote auf eine Decke und ein Kopfkissen. Bei allem können die Angehörigen zwischen diversen Modellen in unterschiedlichen Preisklassen wählen.

So müssen die Hinterbliebenen oft eine vierstellige Summe aufbringen. Dass eine Beerdigung sehr teuer sei, hört Häusler immer wieder. Er verweist auf die Kosten, die auch er als Bestattungsunternehmer habe, etwa für den 24-Stunden-Bereitschaftsdienst an 365 Tagen im Jahr oder seinen Fuhrpark. So hält Häusler mehrere Leichenwägen, zwei Transporter, einen Kipper, Anhänger und zwei Friedhofsbagger und einen LKW bereit. Herzstück der Häuslerschen Garage ist aber der wenigen Monate alte Leichenwagen in dunklem Rot, auf den Häusler sichtlich stolz ist. „Mir ist das ein Bedürfnis, dass der Leichenwagen schön und gepflegt ist. Die Angehörigen können aber auch erwarten, dass wir uns Mühe für ihre Verstorbenen geben“, sagt Häusler. Bei einer Verabschiedung ins Krematorium etwa gehöre der Leichenwagen zur Zeremonie dazu, wenn er sich langsam mit dem Sarg von der Trauergemeinde entfernt und die Vorhänge sich herabsenken.

Oft bekommt Häusler dann das zurück, was für ihn seinen Beruf wertvoll macht: einen Händedruck der Angehörigen oder Dankesworte. „Wenn jemand sagt, mein Beistand hat ihm in der Zeit der Trauer geholfen, dann bin ich sehr glücklich“, sagt Häusler.

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