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Buch

Blick hinter die Volksfest-Kulissen

Der Neumarkter Bierfeste-Kellner Simon Traub hat von seinem Buch „Die Krüge hoch!“ schon fast 1000 Stück verkauft.
Von Lothar Röhrl

Bücher hoch: Mit seinem Werk „Die Krüge hoch!“ ist dem Neumarkter Simon Traub ein Werk auch für Fans von Volksfesten gelungen.
Bücher hoch: Mit seinem Werk „Die Krüge hoch!“ ist dem Neumarkter Simon Traub ein Werk auch für Fans von Volksfesten gelungen.Foto: Röhrl

Neumarkt.Ein glücklicher Simon Traub besuchte dieser Tage unsere Redaktion: Die erste, 1000 Stück große Auflage seines Buches „Die Krüge hoch! – Hinter den Kulissen der Bierzeltkultur“ ist fast vollständig verkauft. Jetzt erscheint das Werk in einer zweiten, ebenso großen Auflage. Eigentlich wollte der Berufskellner nur Tipps für alle, die bei Volks- oder Kirchweihfesten Gäste bedienen, geben. Hinweise, wie sie sich dafür bewerben, welche Absicherungen sie haben müssen und wie sie die körperlichen Herausforderungen meistern können. Doch herausgekommen ist auch ein Werk, das gerne von Festgästen gekauft wird, die mehr auch über diejenigen wissen wollen, die einfach zu jedem Festbesuch gehören.

Traub, der das Buch unter dem Pseudonym „Wadl Symen“ geschrieben hat, weiß, dass er damit Neuland betreten hat. Dass einer aus der Branche für Kollegen auf diese Weise sozusagen aus dem Nähkästchen plaudert, gab es noch nie.

Weitere Aussagen von Simon Traub, unter anderem zu den Volksfestsitten, finden sich im Infoelement.

Volksfestsitten

  • Die Botschaft der Schleife:

    Rechts gebunden=verheiratet; Links=ledig; Mitte vorne=Jungfrau; Mitte hinten=geschieden.

  • Richtiges Trinkgeld:

    Hier rät Traub Gästen, Beträge unter zehn Euro aufzurunden – etwa von 6,80 Euro auf sieben Euro oder jetzt beim Neumarkter Volksfest von 7,30 auf acht Euro. Bei einer Rechnung über zehn Euro sollten fünf bis zehn Prozent dazu gegeben werden. So werde bei einem Preis von zehn Euro auf genau elf Euro gerundet.

  • Nebenbei:

    Wenn ein Gast einer Bedienung winkt und diese bedankt sich mit einem Zurückwinken bedeutet das: Diese ist nicht für den Servicebereich zuständig. Eine die Stimmung auflockernde Geste ist das allemal, so Traub.

  • Kellnertypen:

    Hier machte er sechs verschiedene aus – wie das „Urgestein“. Das sei eine grantige, ältere Bedienung. Oder den, der nur geradeaus schaut und nicht nach rechts und links.

  • Hauptgründe für die Berufswahl:

    Menschen würden laut Wadl Symen Kellner werden, um ein Studium, den Kauf eines Autos – „oder die Folgen einer Scheidung zu finanzieren“. Für manchen sei das auch zur Überbrückung zwischen zwei Jobs geworden. (lr)

Freilich: Wer nach Simon Traub beim heurigen Neumarkter Jura-Volksfest Ausschau hält, wird ihn nicht als Bedienung, sondern als ganz normalen Gast sehen. Mit seinen beiden Kindern und seiner Gattin wird sich der Wahl-Neumarkter so verhalten, wie die vielen anderen Festgäste auch. Nach dem Burgfest in Hilpoltstein und vor dem großen Endspurt der Volksfeste im Herbst – unter anderem mit dem Münchner Oktoberfest – ist eine kleine Phase zur Erholung, aber auch zum Krafttanken angesagt. Denn die braucht, wer mit bis zu zwölf Maß Bier gut zehn Stunden lang auf seinen Beinen unterwegs ist.

EU schreibt Ruhepausen vor

Allerdings hat die EU mittlerweile dafür gesorgt, dass für Bedienungen Ruhepausen vorgeschrieben sind. Zweimal je eine Stunde sind es bei einer Zehn-Stunden-Schicht. Er als Profi halte dieses Gebot ein, denn die Häufigkeit der Kontrollen habe zugenommen – weiß er zu berichten.

Überhaupt: Seit 22 Jahren ist Simon Traub in dem Metier zu Hause. In diesem kommt er von Neumarkt aus weit in Deutschland bis nach Hannover, Bremen, Saarbrücken, Düsseldorf und Mannheim herum. Egal, ob es sich dabei um Kirmesfeste mit „Altbier und Korn“ als doppeltes Gedeck in Düsseldorf oder um das spezielle nur an jedem Oktoberwochenende in Mannheim stattfindende „Oktoberfest“ handelt: Profi Traub ist aufgefallen, dass sich die Festgäste immer mehr stylen würden. Ganz nach dem Motto „Sehen und Gesehen-werden“ sei deutlich mehr Geld in den Kauf von Dirndln und Lederhosen investiert worden. Das Tragen von Tracht, in der Regel eng an den bayerischen Landhaus-Stil angelehnt, habe einen Siegeszug durch Feste in ganz Deutschland angetreten. Mittlerweile sei zu erkennen, dass viele bereit sind, dafür richtig Geld auszugeben.

Einen Blick für die Gäste

Auf richtiges Geldausgeben hofft natürlich auch er selbst aus Eigennutz. Unserer Zeitung gegenüber gab er schon zu, trinkgeldfreudigen Gästen sehr wohl mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Aber er warnte in dem gleichen Gespräch davor, die skeptischen Gäste zu verachten. „Mancher von denen schaut sich halt die Bedienung und ihre Leistung an einem Abend über eine längere Zeit erst einmal an, bevor er sich für einen größeren Betrag an Trinkgeld entscheidet.“ Für die wenigen unterschiedlichen Typen von Gästen bekomme man mit der Zeit einen guten Blick, berichtete Traub. Und auch dafür, ob und wann ein Gast bereit sei, sich noch einen Liter Festbier zu gönnen. Ein bisserl Fürsorgepflicht paart sich dann mit dem Gespür für Umsatzchancen. Schließlich konkurrierten Bedienungen auf einem Fest allesamt um diesen einen Gradmesser für den Erfolg ihrer anstrengenden Arbeit.

In Sachen Trends hatte Simon Traub noch zwei Aspekte beizutragen: Erstens werde seiner Meinung nach immer weniger gerauft – was an der Präsenz und dem schnellen Eingreifen der Sicherheitskräfte liege. Zweitens werde die Beschallung immer stärker. Traub berichtete von ersten Festen, bei denen Ohrstöpsel für Bedienungen, die nahe an Bühnen arbeiten würden, Pflicht geworden sind.

In einer Extra-Auflage von 100 Stück gibt es das Buch „Die Krüge hoch!“ mit verdicktem Einband für 19,95 Euro; sonst 14,95 Euro.

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Jura-Volksfest in Neumarkt

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