MyMz
Anzeige

Den Weihrauch darf nur der Chef mischen

Bergs Pfarrer Martin Fuchs ist Fan der kleinen Harzkörner mit duftender Note. Doch immer mehr Sternsinger verzichten darauf.
Von Philipp Seitz

  • Ministranten füllen die Weihrauch-Kessel auf. Auch beim Sternsingen gehört der Duft einfach dazu. Foto: dpa
  • Die Harzkörner gibt es in den verschiedensten Duftrichtungen. Foto: Seitz

Neumarkt.Pfarrer Martin Fuchs legt die mit weißen, roten und gelben Harzstückchen gefüllten Beutel auf den Tisch. Im Arbeitszimmer des Geistlichen breitet sich ein würziger Geruch mit einem Hauch Zitrone aus. Der Pfarrer nimmt wenige Stückchen des grau-violetten Rosen-Weihrauchs und riecht daran. „Ein sehr intensiver Geruch“, sagt er. Einigen Gläubigen sei die Duftnote schon wieder zu stark. Außerdem hat der Rosen-Weihrauch seinen Preis: Ein Kilogramm kostet fast 90 Euro – und ist fast dreimal so teuer wie die herkömmlichen Sorten.

Pfarrer Martin Fuchs übt mit seinen Ministranten den Weihrauchdienst.
Pfarrer Martin Fuchs übt mit seinen Ministranten den Weihrauchdienst. Foto: Meindl

Pfarrer Fuchs holt weitere Päckchen. Von den meisten Sorten kennt er den Namen und den Geruch auswendig: Die weißen Stückchen duften zitronig, die andere Mischung eher würzig, Lavendel-Weihrauch ist bei den Gläubigen seiner Pfarrei unbeliebt. Die richtige Mischung des Weihrauchs sei eine Wissenschaft für sich, sagt Fuchs und grinst. Mit den Duftnoten hat sich der Geistliche intensiv befasst. In der Pfarrei Berg gilt er als absoluter Spezialist für alles rund um den Weihrauch. Das Mischen der kleinen Harzkugeln hat er zur Chefsache erklärt. Der Geistliche weiß genau, welche Kombinationen gut ankommen.

Lesen Sie mehr: Ein Interview mit Pfarrer Martin Fuchs über die Bedeutung des Weihrauchs finden Sie hier.

Ein jahrtausendealtes Arzneimittel

Seit 47 Jahren hat Fuchs als Mesner Dienst getan, war als Ministrant für den Weihrauch zuständig. In der Pfarrei Berg kredenzt er aber nur an kirchlichen Festtagen seine Mischungen. Mit dem Weihrauch sollte es nicht übertrieben werden, ist seine Meinung. Viele Kirchenbesucher seien keine Weihrauchfans und würden den Geruch nicht vertragen. Dabei ist Weihrauch ein jahrtausendealtes Arzneimittel. Das vermittelt er auch seinen Ministranten und Sternsingern. Zuletzt organisierte er mit Gemeindereferent Josef Meindl und Gemeindeassistentin Kathrin Ziegaus aus der Pfarrei Woffenbach eine Weihrauchwerkstatt, bei der sich einen Tag lang alles um die edlen Harze drehte.

Das gehört zum königlichen Auftritt dazu:

Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen bis zur Sternsingeraktion das Anzünden der Kohle und Schwenken des Weihrauchfasses perfekt beherrschen. „Das gehört einfach dazu und ist eine Tradition“, sagt Oberministrantin Christina Distler aus Hausheim. Beim Sternsingen würden sich viele Hausheimer sogar wünschen, dass die Ministranten mit dem Weihrauch in die Wohnung kommen. „Und wenn es dann doch zu stark riecht, machen sie danach das Fenster auf.“

„Wer von den Ministranten da ist, der geht bei der Sternsingeraktion mit.“

Josef Meindl, Gemeindereferent der Pfarrei Berg

Es gibt verschiedene Weihrauchsorten. Während des Gottesdiensts oder beim Sternsingen werden die Harzstückchen im „Schiffchen“ aufbewahrt.
Es gibt verschiedene Weihrauchsorten. Während des Gottesdiensts oder beim Sternsingen werden die Harzstückchen im „Schiffchen“ aufbewahrt. Foto: Seitz

Gemeindereferent Meindl weiß, dass viele Gläubige in der Pfarrei den Weihrauchduft sehr schätzen. Für einen Euro verkaufen die Sternsinger deshalb „Do-it-yourself“-Pakete. Die kleinen Beutelchen enthalten Kreide, einige Gramm Weihrauch und Kohle. „Besonders Senioren, die nicht mehr in die Kirche gehen können, freuen sich darüber“, sagt Pfarrgemeinderätin Sabine Nießlbeck, die als Betreuerin die Sternsinger stets begleitet.

Das Sternsingen ist in der Pfarrei Berg und den Ortsteilen eine jahrelange Tradition. Meindl sagt: „Wer von den Ministranten da ist, der geht mit.“ Allerdings sind die Ministranten in Berg aus praktischen Gründen nicht mit Weihrauch unterwegs.

Der Brandmelder im Flur ging an

Sebastian Blomeier und Anna-Maria Schuster zeigen das Weihrauchfass und Schiffchen, in dem die Harzkörner während des Sternsingens transportiert werden.
Sebastian Blomeier und Anna-Maria Schuster zeigen das Weihrauchfass und Schiffchen, in dem die Harzkörner während des Sternsingens transportiert werden. Foto: Seitz

In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Probleme: „Einmal ist den Sternsingern die Kohle auf den Teppich gefallen“, sagt Meindl. Doch die Berger Sternsinger sind kein Einzelfall. Es sei ein Trend, dass immer mehr Sternsingergruppen auf den Weihrauch verzichten, bestätigt Thomas Römer vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger‘“ in Aachen. Zu oft komme es wegen des Weihrauchs zu Vorfällen. Im Domradio in Köln ging beim Besuch der Sternsinger der Brandmelder in den Fluren an – und löste fast einen Feuerwehreinsatz aus.

Bei der Aussendungsfeier der Sternsinger in Neumarkt wollen die Berger Ministranten aber nicht auf den Weihrauch verzichten und ihr Fass wird wahrscheinlich das größte im Münster sein. Das fast einen halben Meter große und drei Kilogramm schwere Gefäß verwenden die Berger Ministranten sonst nur zu feierlichen Anlässen.

Laut Meindl werde ein derart großes Weihrauchfass nicht einmal im Eichstätter Dom verwendet. Ein Grund sei wohl auch, dass es aufgrund seiner Größe umständlich zu schwingen und außerdem schwer sei. „Das können nur die größeren Ministranten.“ Bei dem Weihrauchfass handelt es sich um die Nachbildung des berühmten „Botaufumeiro“ der Kathedrale von Santiago de Compostela. Das 54 Kilogramm schwere und knapp 1,60 Meter große Fass zählt hier zu den Hauptattraktionen. Der zehnjährige Sebastian Blomeier aus Berg würde die Nachbildung bei der Aussendungsfeier in Neumarkt gerne auch mal tragen: „Dann habe ich gleich eine Wärmequelle dabei.“

Im Video erklärt Bergs Pfarrer Martin Fuchs, welche Bedeutung Weihrauch zukommt:

Weihrauch: Eine Wissenschaft für sich

So hat sich die Aktion Dreikönigssingen entwickelt:

Die Aktion Dreikönigssingen

  • Spenden:

    Im Januar 2016 hatten die Sternsinger deutschlandweit mehr als 46,2 Millionen Euro gesammelt. Durch die Spenden konnten laut der Aktion Dreikönigssingen 1551 Projekte für Not leidende Kinder in 108 Ländern unterstützt werden. Rund 330 000 Mädchen und Jungen verkleideten sich 2016 als Sternsinger und zogen durch die Straßen der Bundesrepublik.

  • Solidarität:

    Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion Dreikönigssingen nach eigenen Angaben zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Mehr als 902 Millionen Euro wurden seither gesammelt, fast 67 000 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt.

  • Aussendung:

    Mehr als 1000 Sternsinger werden zur bundesweiten Aussendungsfeier in Neumarkt erwartet. Die Eröffnung der Aktion Dreikönigssingen findet am Donnerstag, 29. Dezember, statt. Die Mädchen und Jungen werden vornehmlich aus allen Teilen des Bistums Eichstätt anreisen, doch auch mit rund 200 Gästen wird aktuell gerechnet.

Alle Informationen zur bundesweiten Aussendungsfeier der Sternsinger in Neumarkt lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht