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Rechtskolumne

Die Ratte und das Recht

Mit den Nagern wird in der Rechtsprechung sehr unterschiedlich umgegangen. Im Hotelzimmer ist eine Ratte kein Reisemangel.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Das Thema Ratten wird in der Rechtsprechung sehr unterschiedlich behandelt.
Das Thema Ratten wird in der Rechtsprechung sehr unterschiedlich behandelt. Foto: Burgi

Neumarkt.Die Hausratte (rattus rattus) wird auch Dachratte genannt und ist ein zur Unterfamilie der Altweltmäuse (Murinae) zählendes Nagetier. Keine Sorge, Sie haben sich nicht in der Kolumne geirrt, ich wollte nur mal was Schlaues zitieren. „Dachratten“ kannte ich übrigens bislang noch gar nicht – nur Dachhasen.

Dass Letztere nur genießbar sein sollen, wenn man sie eine Woche lang in Milch eingelegt hat, halte ich übrigens für ein Gerücht vom Planeten „Melmac“. Aber Schluss mit kulinarischen Diskursen über Katzen – zurück zur Ratte. Die Altweltmaus hält sich, neben Kakerlaken und Wanzen, hartnäckig an der Spitze der Top Ten der meistgehassten ungebetenen häuslichen Mitbewohner und hat, ihrer Unterfamilie trotzend, natürlich längst auch erfolgreich zahlreiche Feinde in der „neuen Welt“ gefunden.

Außerdem beschäftigt „rattus rattus“ häufig und gerne unsere Gerichte – beispielsweise das Landgericht in Freiburg. Dort wurde ein Mann vorstellig, der sich für 72 500 Euro ein Wohnmobil gekauft hatte. Das Wohnmobil war unangenehmerweise allerdings bereits bewohnt. Sehen konnte der Kläger seine pelzigen Mitreisenden nicht, aber bemerken tat man sie schon recht deutlich.

Die Dachratten hielten sich nämlich mitnichten nur auf dem Dach auf, sondern hinter allen Wänden und Abdeckungen des luxuriösen Gefährts und demonstrierten dort anschaulich an Leitungen und Stromkabeln, weshalb man sie als „Nagetier“ bezeichnet. Ratten im Wohnmobil? Ein ekelhafter Sachmangel, urteilten die Richter und der Käufer bekam sein Geld zurück (Az. 6 O 277/12).

Ziemlich ekelhaft fanden es wohl auch die Mitglieder einer Wohneigentumsgemeinschaft, als sie Details über das Hobby des Eigentümers oben links im Haus erfuhren. Der Mann beherbergte auf 80 Quadratmetern elf Schlangen und 96 Ratten. Die Wohnungseigentümergemeinschaft sprach ein Verbot aus, die Sache landete beim OLG Frankfurt (Az. 20 W 149/90).

Die Richter blieben im Namen des Volkes höflich: Die Haltung von Schlangen und Ratten widerspreche „der tradierten soziokulturellen Vorstellungen der Allgemeinheit“. Überhaupt haben es Ratten in Wohnungen schwer bei Gericht.

Das Amtsgericht Dülmen sprach einer Frau 80 Prozent Mietminderung zu, weil sich die Nager in ihrer Mietwohnung tummelten. Das Argument des Vermieters, sie dürfe eben ihre Terrassentüre nicht offen lassen, fand kein Gehör: Das Öffnen und Offenlassen einer Terrassentür gehöre zum vertragsgemäßen Gebrauch einer Mietwohnung (Az. C 128/12).

Mehr Sympathie für Ratten hat man in Berlin. Das Amtsgericht Charlottenburg befand, dass „in Berlin der Befall eines Kellers mit Ratten zu den gewöhnlichen Begebenheiten zählt“. Und wie ist es bei Ratten auf Reisen? Wenn man nicht gerade den „Jurattig Park“ besucht, erwartet man „rattus rattus“ im Hotelzimmer ja nicht zwingend als Gast. Das AG Köln behält die Nerven: eine einzelne Ratte in einem Hotelzimmer in Mallorca? Das ist noch kein Reisemangel (142 C 78/15).

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