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Die Suche nach dem Stern von Bethlehem

Die Himmelserscheinung beschäftigt bis heute die Wissenschaft, Hans-Werner Neumann von der Neumarkter Sternwarte erklärt sie.
Von Philipp Seitz

Der Stern von Bethlehem – wie hat er wohl ausgesehen? Fotos: Fotolia/Montage: MZ-Infografik
Der Stern von Bethlehem – wie hat er wohl ausgesehen? Fotos: Fotolia/Montage: MZ-Infografik

Neumarkt.Herr Neumann, in der Weihnachtsgeschichte heißt es, dass die Weisen aus dem Morgenland dem Stern von Bethlehem gefolgt sind. Gab es diesen Stern wirklich?

Wissenschaftler berufen sich heute in ihren Forschungen auf die Bibel, insbesondere auf das Evangelium nach Matthäus, auf die Geschichtsschreibung und auf astronomische und mathematische Berechnungen. Dieses Evangelium wurde allerdings erst einige Zeit nach der Geburt von Jesus Christus geschrieben, weshalb es schwierig ist, damit zu arbeiten. Wenn wir aber davon ausgehen, dass es Wahrheitsgehalt besitzt, dann sind zur damaligen Zeit Weise aus dem heutigen Zweistromland Euphrat und Tigris in Richtung Jerusalem unterwegs gewesen.

Diese Sterndeuter wurden früher übrigens als „Magier“ bezeichnet. Sie waren aber keine Magier im heutigen Sinne, sondern Wissenschaftler. Sie haben eine beschwerliche Reise angetreten und sich in Richtung Westen auf den Weg gemacht. Vor ihnen lagen etwa tausend Kilometer und damit eine nicht nur für die damalige Zeit lange Reise, um dieses seltsame Himmelsereignis zu beobachten. In den letzten Jahren haben Astronomen diese Erscheinung noch genauer untersucht und viele neue Erkenntnisse hierzu gewonnen.

Die Neumarkter Könige beobachteten in der Sternwarte den Himmel. Foto: Götz
Die Neumarkter Könige beobachteten in der Sternwarte den Himmel. Foto: Götz

Welche Erkenntnisse kamen hinzu?

Die Wissenschaftler haben geschichtliche Aufzeichnungen untersucht und mit der Bibel verglichen. Die wahrscheinlichste Interpretation der damaligen Ereignisse dürfte eine besondere Planetenkonstellation gewesen sein. Man kann aus Computerberechnungen schließen, dass die sehr hellen Planeten Saturn und Jupiter um den 12. November des Jahres 7 vor Christus am Himmel ganz nahe beieinander standen.

Der Saturn war in der Mythologie der Babylonier ein Zeichen für das Volk der Juden. Der Jupiter stand für die höchste Gottheit der Babylonier. Und dann traten zur damaligen Zeit genau diese beiden Planeten in einer sogenannten „Dreifachkonjunktion“ auf.

Die astronomischen Zusammenhänge sind nicht einfach, verkürzt lässt sich sagen: Diese Himmelserscheinung dauerte länger und war von Babylonien aus betrachtet im Westen zu sehen. Die Weisen aus dem Morgenland hatten also genügend Zeit, die Reise auf sich zu nehmen.

Wie kann man sich die Reise dieser Wissenschaftler vorstellen?

Sie ritten damals auf Kamelen durch die Wüste. Das war bestimmt nicht einfach. Von Jerusalem aus in Richtung Betlehem ziehend, schienen Saturn und Jupiter für sie ganz eng am Himmel über einem bestimmten Ort still zu stehen. Hier sollen sie dann auch Jesus Christus in der Krippe gefunden haben.

Wie konnten die heutigen Forscher das rekonstruieren?

Die heutigen Wissenschaftler können mit einfachen Gesetzen der Himmelsmechanik die Stellung der Planeten zurückrechnen. So kommt man ungefähr auf den 12. November 7 v. Chr.. Zu diesem Zeitpunkt müssten demnach die Magier aus dem Morgenland in Betlehem angekommen sein.

Hans-Werner Neumann von der Neumarkter Sternwarte erklärt das Himmelsphänomen, das zur Zeit der Geburt Jesu entstanden ist. Foto: Seitz
Hans-Werner Neumann von der Neumarkter Sternwarte erklärt das Himmelsphänomen, das zur Zeit der Geburt Jesu entstanden ist. Foto: Seitz

Man kann also sagen, dass die Geschichte so stimmen könnte?

Ja, das kann man sagen. Eine absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht. Aber es könnte tatsächlich so gewesen sein, dass Mitte November im Jahr 7 vor Christus dieses Ereignis stattgefunden hat. Dass es das Jahr 7 vor Christus ist, fand man natürlich erst in den vergangenen Jahrzehnten heraus.

Gibt es ein derartiges Himmelsereignis wie damals über Bethlehem häufiger?

Solche Konstellationen gibt es tatsächlich öfters. Es ist nicht so selten, dass helle Planeten wie Jupiter und Venus oder auch Jupiter und Saturn sehr nahe zusammenstehen. Das sind einfach zufällige Projektionen an der Himmelsfläche, die sich von unserem Beobachtungsstandpunkt aus ergeben. Die Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse auch mit den Aufzeichnungen der Geschichtsschreiber verglichen. Demnach soll König Herodes im Jahr 4 vor Christus gestorben sein. Die Geburt Christi muss also, wenn man die Geschichte und Astronomie zusammenbringt, vor dem Jahr 4 vor Christus gewesen sein. Und wenn man jetzt vor dem Jahr 4 vor Christus nach einer besonderen Planetenstellung sucht, dann kann es nur die erwähnte Konjunktion von Jupiter und Saturn gewesen sein.

In vielen Gemälden wird über der Krippe ein Komet mit einem Schweif dargestellt. Das wäre dann falsch.

Ja, die Weisen aus dem Morgenland sahen mit großer Sicherheit keinen Kometenschweif. Es war damals nur eine ganz helle, praktisch punktförmige Leuchterscheinung am Himmel. Die Planeten Jupiter und Saturn erscheinen wegen ihrer großen Nähe zueinander mit bloßem Auge gesehen fast als ein Punkt. Der erste, der die Kometentheorie ins Spiel gebracht hatte, war der Maler Giotto. Er war inspiriert durch den Halleyschen Kometen. Und dieser Giotto hatte im Jahr 1302 in der berühmten Kapelle in Padua die Fresken gemalt und über die Anbetung der Könige in der Krippe diesen Kometen gesetzt. Das war die künstlerische Freiheit, die er sich herausgenommen hatte. Nachvollziehbar insofern, denn 1301 war der Halleysche Komet an der Erde vorbeigeflogen. Da hatte sich Giotto vielleicht gedacht: Warum nicht? Ist ja ganz hübsch. Und so ist wohl die gesamte Kometentheorie ins Spiel gekommen.

Die drei Könige oder Weisen aus dem Morgenland sollen einem Stern nach Bethlehem gefolgt sein.
Die drei Könige oder Weisen aus dem Morgenland sollen einem Stern nach Bethlehem gefolgt sein.

Klingt nachvollziehbar.

Man muss aber dabei wissen, dass Kometen in der Mythologie und Denkweise der Menschen schon immer mit Angst und Schrecken verbunden waren. Sie haben Unglück, Krankheiten, Erdbeben und Hungersnöte angekündigt. Ein Komet als Heilsbringer ist deshalb eigentlich sehr unwahrscheinlich. Außerdem treten, abgesehen vom Halleyschen Komet, viele Kometen plötzlich auf. Sollten die Magier aus dem Morgenland also tatsächlich einen Monat lang unterwegs gewesen sein, scheidet ein Komet schon deshalb aus. Der Halleysche Komet hat in der Zeit um Christi Geburt auch nichts zu suchen, denn er war 12 vor Christus der Erde am nächsten.

Sternsinger aus Neumarkt warfen einen Blick in die Sterne:

Gibt es noch weitere Theorien hinsichtlich der Himmelserscheinung?

Es gibt manche Sterne, die am Ende ihres Lebens in Form von gewaltigen Explosionen für kurze Zeit ganz hell am Himmel stehen und so hell leuchten wie Milliarden von einzelnen Sternen. Aber ein solches Ereignis ist in der damaligen Zeit nicht überliefert gewesen, weshalb es ausscheidet. Heute geht man davon aus, dass es diese Himmelserscheinung von Jupiter und Saturn gewesen ist – vor allem, weil es schön passt. Der Saturn gehört zu den Gottheiten der Babylonier, der Saturn repräsentiert die Juden und das zusammen kann ankündigen, dass ein jüdischer König geboren worden ist. Aber all das können wir nie mit absoluter Sicherheit sagen.

Es lässt sich also sagen, dass es um die Geburt Jesu Christi tatsächlich ein Himmelsereignis gegeben hat?

Mit großer Wahrscheinlichkeit: Ja.

Einblicke in die Astronomie

  • Person:

    Hans-Werner Neumann unterrichtete Mathematik und Physik am WGG und übernahm dort auch Astronomie-Kurse. Mehr als 20 Jahre lang war er Vorsitzender der Sternwarte.

  • Hobby:

    Noch heute engagiert sich Neumann für die Sternwarte und hilft regelmäßig aus. So gibt er Führungen und gewährt einen Einblick in die Regeln der Anstronomie. Mit dem Stern von Bethlehem hat er sich lange auseinandergesetzt und viele Bücher darüber gelesen.

Am 29.Dezember werden die Sternsinger bundesweit in Neumarkt ausgesendet. Lesen Sie dazu unser MZ-Spezial.

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