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Diese Arbeiter bringen Strom zum Fließen

Das Arbeitsbild des Elektronikers hat sich gewandelt. Früher lief alles analog, heute wird das gesamte Gebäude vernetzt.
Von Philipp Froschhammer

Der Auszubildende Aphichai Bunfrueang überprüft im Schaltschrank, ob die Spannung an den einzelnen Leitern normal ist.
Der Auszubildende Aphichai Bunfrueang überprüft im Schaltschrank, ob die Spannung an den einzelnen Leitern normal ist. Fotos: Froschhammer

Neumarkt.Bei neuen Gebäuden muss alles aufeinander abgestimmt sein. Vernetzung lautet dabei das Zauberwort. Betritt jemand einen Raum geht das Licht an, die Helligkeit regelt sich anhand der Sonneneinstrahlung und der Einstellung der Jalousien von selbst. Die Lüftung schaltet sich ein und das Zimmer wird möglichst energieeffizient auf eine angenehme Temperatur gebracht. Gesteuert und reguliert wird das alles über einen Server, der ganz einfach via Tablet gesteuert werden kann.

Doch hinter diesen scheinbar simplen Vorgängen, die das Gebäude mutmaßlich von selbst regelt, steckt ein enormer technischer Aufwand. Aphichai Bunfrueang weiß, wie viel Technik verbaut werden muss, um ein Gebäude zu vernetzen.

Seit drei Jahren macht der 18-Jährige eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei der Firma Dehn Instatec. „Es fasziniert mich noch immer, wie vielseitig meine Arbeit ist. Jeden Tag erwarten mich neue Aufgaben, neue Herausforderungen“, schwärmt Bunfrueang von seinem Beruf.

Die Kollegen helfen sich gegenseitig

Wie bei den meisten Handwerkern beginnt auch bei Bunfrueang der Tag schon sehr früh. Je nach Bauprojekt steht er meist schon mit der Morgendämmerung auf, um pünktlich in der Arbeit zu sein. An der Baustelle angekommen treffen sich erst einmal alle Arbeiter, um gemeinsam mit dem Bauleiter die Aufgaben für den Tag durchzusprechen und zu verteilen. Dann wird angepackt: Leitungen werden verlegt, Lampen an das Stromnetz angeschlossen, Steckdosen eingebaut und der Schaltschrank, das Herzstück des Stromflusses des Gebäudes, wird verdrahtet.

In luftiger Höhe werden Deckenlampen montiert.
In luftiger Höhe werden Deckenlampen montiert.

Doch auch unangenehme Aufgaben, wie das Wegräumen von Metallrohren oder Zusammenkehren, fallen an. Doch es nicht nur der Azubi, der hier anpacken muss, erklärt Heinrich Springer, Projektleiter bei Dehn Instatec: „Es hilft jeder jedem, schließlich soll das Bauprojekt möglichst schnell fertiggestellt werden. Mal kehrt der Lehrling, mal der Bauleiter und wenn es eng wird, nimmt sogar der Projektleiter einen Besen in die Hand.“

Ausbildung zum Elektroniker

  • Ausbildung:

    Die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik dauert insgesamt dreieinhalb Jahre. Jedes Jahr besucht der Lehrling zwölf Wochen die Berufsschule in sechs zweiwöchigen Blöcken.

  • Einsatzgebiete:

    In erster Linie werden Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei Bauprojekten eingesetzt. Dabei übernehmen sie Aufgaben wie Lichter montieren, den Verteilerschrank aufstellen und anschließen, Steckdosen einbauen – sprich, sie kümmern sich um alles, was mit Elektrizität betrieben wird.

  • Verdienst:

    Der Verdienst der Auszubildenden ist abhängig vom Unternehmen, in dem sie angestellt sind. Ein Auszubildender im ersten Lehrjahr erhält in etwa 620 Euro, im zweiten Lehrjahr knapp 670 Euro. In vielen Unternehmen werden gute Leistungen in den Abschlussprüfungen (Erster Teil im zweiten Lehrjahr) mit einer höheren Vergütung belohnt. Allgemein verdienen Auszubildende als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik im dritten und vierten Lehrjahr zwischen 700 und 800 Euro brutto. Das Einstiegsgehalt liegt zwischen 1600 und 1900 Euro brutto.

Im Umkehrschluss durfte auch Bunfrueang bereits nach einer kurzen Eingewöhnungszeit in den Beruf und den Betrieb den altgedienten Elektronikern für Energie- und Gebäudetechnik bei komplizierteren Montagearbeiten unter die Arme greifen und auch selbst verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. „Sobald mir der Bauleiter zutraut, dass ich zum Beispiel eine Montagearbeit beherrsche, darf ich sie auch selbst ausführen“, berichtet Bunfrueang.

Darüber hinaus schätzt der 18-Jährige die gute Zusammenarbeit mit seinen Kollegen. „Wir sind ein eingespieltes Team. Wir haben Spaß und halten zusammen – erledigen dabei aber unsere Aufgaben gewissenhaft.“

Elektroniker-Beruf ist im Umbruch

Doch wenn Bunfrueang nach insgesamt dreieinhalb Jahren seine Ausbildung abschließt, hat er noch lange nicht ausgelernt. Denn aufgrund ständig neuer technischer Entwicklungen ist die Branche in einem drastischen Umbruch. Früher war es die Aufgabe der Elektroniker lediglich analoge Technik wie Verstärker, Filter, Gleichrichter oder Mischer zu verbauen. Mittlerweile hat sich für die meisten Funktionen jedoch die digitale Technik durchgesetzt.

Der Azubi nimmt Beschriftungen vor.
Der Azubi nimmt Beschriftungen vor.

So muss sich jeder Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik heute auch Grundkenntnisse in Informatik aneignen. Die verschiedenen Geräte werden über den Schaltschrank gesteuert. Dieser muss von den Arbeitern richtig eingestellt und programmiert werden. Das ermöglicht dem späteren Hausbesitzer alles über ein Tablet oder über den Computer zu steuern. Keiner muss mehr, wenn es mal ein Problem geben sollte, zum Sicherungskasten rennen.

Der Beruf des Elektronikers

Nichtsdestotrotz wird auch für ein mit Digitaltechnik ausgestattetes Gebäude eine Vielzahl an Leitungen benötigt. Das letzte Großbauprojekt, an dem auch Bunfrueang mitgewirkt hat, lief über zwei Jahre. Dabei wurden insgesamt knapp 300 Kilometer Kabel verlegt und rund 2000 Lampen installiert. Und auch für die Lautsprecheranlage und die Koppelung der Brandmelder mit der Leitstelle war Dehn Instatec verantwortlich.

„Es ist ein tolles Gefühl über längere Zeit an einem Projekt zu arbeiten und zu sehen wie alles Gestalt annimmt. Wenn es fertig ist, erfüllt es einen mit Stolz“, berichtet Bunfrueang.

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