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Er sorgt für die Sicherheit beim Baden

Bademeister brauchen heute ein großes Technik-Wissen. Doch das wichtigste ist nach wie vor : Der gute Draht zu den Gästen.
von Claudia Pollok

  • Reinhard Jäger ist ein Urgestein des Neumarkter Freibads. Seit 25 Jahren wacht er über das kühle Nass.Foto: Pollok
  • Mit dem Computer wird die Wasserqualität ständig kontrolliert. Foto: Pollok

Neumarkt.Viele beneiden ihn um seinen Arbeitsplatz. Reinhard Jäger wacht seit 25 Jahren über die Badegäste im Neumarkter Freibad. Viele kennt er seit Jahrzehnten. Für ihn ist klar: Bademeister müssen vor allem gut mit Menschen umgehen können. Das ist das A und O in diesem Beruf. „Manche Menschen denken ja, wir machen den ganzen Tag nichts anderes als hübschen Frauen hinterher zu sehen“, sagt der 53-Jährige und lacht. „Dabei sind es vor allem die älteren Badegäste, um die wir uns besonders kümmern.“

Reinhard Jäger ist ein Quereinsteiger. Bevor er Rettungsschwimmer wurde, habe er als Kfz-Mechaniker gearbeitet. Zu seinen Aufgaben gehört die Beobachtung der Becken, aber auch technische und handwerkliche Arbeiten, die im Schwimmband anstehen. Bei den hohen Temperaturen bleibe er zurzeit aber meistens am Beckenrand und wacht über die Badegäste, sagt Jäger. Zum Rasenmähen, Maueren oder Fliesen sei es jetzt viel zu heiß. Außerdem sei das Freibad im Moment so gut besucht, dass solche Arbeiten die Gäste stören würden.

Die Erfahrung schult den Blick

Das Wasser wird täglich mehrmals chemisch analysiert.
Das Wasser wird täglich mehrmals chemisch analysiert. Foto: Pollok

Jägers Blick schweift über das Wildbad, denn er hat gerade den Sprudel eingestellt. Er passt darauf auf, dass die Kinder ihre Strudelfahrt genießen können und mit ihren Schwimmflügeln nicht am Beckenrand hängen bleiben. „Irgendwann kriegt man einen Blick für mögliche Gefahren“, sagt er. Gerade Kinder und ältere Menschen sind besonders gefährdet. Richtige Notfälle würden zum Glück nur selten passieren. Vor einigen Jahren musste ein kleines Kind aus dem Becken gezogen und wiederbelebt werden, erinnert er sich. Solche Einsätze sind die traurigen Seiten des Jobs. Doch im Alltag halten ihn eher Bienenstiche, Hitzschläge und kleinere Platzwunden auf Trapp.

„Bei manchen Menschen weiß ich einfach, dass ich lieber in der Nähe bleiben sollte“, sagt Jäger. Vor allem bei den älteren Badegästen, die seit Jahrzehnten jeden Morgen zum Baden kommen, sei er wachsam, wenn diese im Gespräch erwähnen, dass sie sich heute nicht wohl fühlen. Diese Stammgäste sind es auch, zu denen Jäger ein inniges Verhältnis hat. Manche von den heute etwa 80-Jährigen kenne er seit seinem ersten Arbeitstag. Viele Rentner kommen vor oder nach dem Schwimmen gerne zu einem kleinen Plausch bei ihm vorbei. „Einige von ihnen haben bereits ihren Ehepartner verloren und sind einfach froh jemanden zum Reden zu haben“, sagt Jäger.

Berufseinsteigern rät er deshalb immer ein offenes Ohr für ihre Badegäste zu haben. Das gehört für ihn einfach zum Job. Mit der Zeit falle das einem auch immer leichter. Mit vielen Badegästen pflegt Jäger ein freundschaftliches Verhältnis. Wenn er seinen Kontrollgang durch das Schwimmbad macht, winken ihm immer wieder Leute mit einem Lächeln im Gesicht zu. Das sind die schönen Seiten seines Berufsalltags. Selbst mit den Jugendlichen kommt Jäger gut aus. „Ich bin einer der Nachsichtigsten hier – das wissen die Jugendlichen“, sagt er. Jäger hat selber zwei vierzehn- und 16-jährige Buben daheim und weiß, dass Kinder sich austoben müssen.

Ab und zu drückt er ein Auge zu

Reinhard Jäger holt die Wasserprobe aus dem Becken.
Reinhard Jäger holt die Wasserprobe aus dem Becken. Foto: Pollok

Wenn er sehe, dass Kinder vom Beckenrand ins Wasser hüpfen, drücke er schon mal ein Auge zu – wenn es die anderen Badegäste nicht gefährdet. Und selbst wenn er einmal durchgreifen müsse, hätten die meisten Kinder und Jugendlichen Verständnis. „Erst gestern kamen zwei Jungs nach meiner Verwarnung zu mir und haben sich entschuldigt“, erzählt Jäger.

Doch der 53-Jährige muss nicht nur Menschen, sondern auch das Wasser beobachten. Dreimal täglich müssen er uns seine Kollegen Wasserproben aus den Becken entnehmen und diese analysieren. Die Vielseitigkeit seines Berufs macht ihm Spaß. Jäger kommt jeden Tag gerne hierher. Nur in seiner Freizeit bevorzugt er das Parsberger Bad. Das hat aber einen einfachen Grund: „Im Neumarkter Freibad kann ich nicht abschalten, da passe ich immer auf meine Badegäste auf“.

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