MyMz
Anzeige

Er tritt in die Fußstapfen seines Uropas

Lucas Schwab macht bei Glossnerbräu in Neumarkt eine Ausbildung zum Brauer. Damit führt er eine Familientradition fort.
von Claudia Pollok

Lucas nimmt eine Probe. Sein Fazit: Das Festbier für Nürnberg hat genau die richtige Farbe.
Lucas nimmt eine Probe. Sein Fazit: Das Festbier für Nürnberg hat genau die richtige Farbe. Foto: Pollok

Neumarkt.Lucas Schwab öffnet den silbernen Sudkessel. „Hier mischen wir gerade Wasser mit Malzkörnern. Mit diesen Zutaten beginnt das Bierbrauen“, sagt der 17-Jährige. Seit drei Jahren macht er bei der Brauerei eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Auf die Idee, diesen Beruf zu ergreifen, ist er durch seine Familie gekommen: „Mein Urgroßvater und der Bruder meines Opas haben schon Bier gebraut und mir oft davon erzählt, als ich klein war“. Während seiner Schulzeit hat Lucas dann ein Praktikum bei einer Brauerei absolviert und wusste sofort: „Das will ich auch machen.“

Ausbildung bei Glossner Bräu

Im Sudhaus schließt Lucas den Sudkessel wieder zu und deutet auf den Computer. „Heutzutage geht das alles elektronisch. Mit dem Programm mischen wir die Zutaten und erhitzen die entstandene Maische auf verschiedene Temperaturen. Jede Biersorte hat ihre eigene Rezeptur“. Seine Favoriten sind Pilz und Weizen. Insgesamt gibt es bei Glossnerbräu mehr als 20 Bier-Sorten und 40 alkoholfreie Getränke.

Die Berufsschule ist in Karlstadt

Im Sudhaus wird Malz und Wasser vermengt und erhitzt.
Im Sudhaus wird Malz und Wasser vermengt und erhitzt. Foto: Pollok

In seiner dreijährigen Ausbildung bei Glossnerbräu hat Lucas schon in allen Abteilungen der Brauerei gearbeitet. Vom Sudkeller geht Lucas nun in den Kühlungsraum. Dort wird das Bier auf die optimale Gärtemperatur gebracht. Lucas nimmt eine Probe aus einem Behälter und taucht eine sogenannte Bierspindel hinein.

„Mit diesem Messgerät kann ich sehen, wie viel Zucker noch im Bier ist“. Denn bei der Gärung wandelt sich der Malzzucker zu Alkohol und Kohlensäure um. Und je nach Sorte ist der Zuckergehalt anders, erklärt Lucas.

Diese verschiedenen chemischen Prozesse bei der Bierherstellung lernt Lucas in der Berufsschule. Diese ist für Brauer und Mälzer in Karlstadt bei Aschaffenburg. Der Blockunterricht dauert meist zwei oder drei Wochen. Während dieser Zeit wohnt der 17-Jährige in einem Internat. Nach zwei Jahren hat er seine Zwischenprüfung bestanden. Jetzt geht es auf die Gesellenprüfung zu. Ob er danach studieren will, um Braumeister zu werden, weiß er noch nicht. „Auf jeden Fall möchte ich erst einmal ein paar Jahre als Geselle Erfahrung sammeln“.

Im Gärkeller zieht Lucas die Bierspindel wieder aus der Bierprobe heraus. Der Zuckergehalt ist in Ordnung. Jeden Morgen führt er oder einer der anderen Mitarbeiter diesen Test durch. „Das Bier muss insgesamt sieben bis acht Tage lang gären, alkoholfreie Getränke nur zwei Tage.

Im Lagerkeller reiht sich ein Tank an den nächsten. Lucas hebt einen der Schläuche hoch. „Vom Gärkeller pumpen wir das Bier in die Tanks. Obergärige Biere wie Weizen werden auch in Drucktanks gelagert“.

Vom Gärkeller in die Flasche

Im Keller lagert das Bier in Tanks.
Im Keller lagert das Bier in Tanks. Foto: Pollok

Um die Qualität zu überprüfen, dreht Lucas den Tankhahn mit Festbier für das Nürnberger Volksfest auf. Als sich das Glas füllt, schaut Lucas erst einmal auf die Farbe, dann atmet er das Aroma ein. „Das Festbier muss bernsteinfarben sein. Außerdem sollte es eine leichte Hopfennote aufweisen – ganz im Gegensatz zum Pils zum Beispiel. Da ist sie viel stärker“.

Nach einem Schluck geht es für den Auszubildenden aber schon wieder weiter. Denn bevor das Bier schließlich in die Flasche oder ins Fass kommt, wird es in der Filtration von Gerbstoffen, Eiweiß und Hefe gereinigt, erklärt Lucas. Er läuft an der langen Anlage vorbei. Das Bier fließt hier von einer Seite zur anderen, durch mehrere, aneinander gereihte Filterplatten hindurch. Nach jedem Durchgang reinigen Lucas und sein Kollege die Maschine für die nächste Ladung.

Die letzte Station eines jeden Bieres ist die Abfüll-Abteilung. Lucas steht zwischen Plastikflaschen, einem Berg von Bierkästen und Fässern, die auf alt getrimmt sind. Die Brauerei verkauft ihr Bier in 15 und 30 Liter großen Fässern. Besitzer von Gaststädten, aber auch Privatleute holten ihr Bier direkt bei Glossnerbräu ab, erzählt Lucas.

Als Lehrling darf auch er sich Getränke von Glossnerbräu mit nach Hause nehmen. Brauer und Mälzer bekommen traditionell den sogenannten Haustrunk. Wie viel alkoholische Getränke darunter sind, hängt aber vom Alter des Auszubildenden ab.

Im Licht der Mittagssonne strahlen die Bierflaschen, die im Hof der Brauerei zur Abholung bereitstehen, golden. Doch bevor Lucas seinen Feierabend genießen darf, muss er noch ein paar Stunden die Filter-Anlage bedienen. Sein Arbeitstag dauert in der Regel bis um 17 Uhr. Er macht sich wieder auf den Weg zur Filtration um dort seinem Kollegen zu helfen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht