MyMz
Anzeige

Rechtskolumne

Es grünt so grün – vor Gericht

Bäume sind nicht nur schön anzusehen, sondern sorgen auch oft für Nachbarschaftsstreitigkeiten, berichtet der Rechtsanwalt.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Bäume im Garten können für Ärger sorgen. Foto: Lukas Barth/dpa
Bäume im Garten können für Ärger sorgen. Foto: Lukas Barth/dpa

Neumarkt.Es ist immer wieder verblüffend, wie die Natur im Frühling erwacht. Da geht einem doch regelrecht die Seele auf! Oder das Messer in der Tasche. Dieses üppige Ergrünen der Natur, vor allem wenn Bäume betroffen sind, hat schon so manches Mal nicht nur schwärmerische Seelen (wie mich), sondern auch Anwälte beschäftigt (wie mich). Zum Beispiel vor dem Landgericht Dortmund. Da hatte einer einen Nachbarn mit Lärchen! Ich meine nicht die romantischen Zwitschervögel (mit „e“), sondern die, die massenhaft Nadeln abwerfen („ähhh“). Ständig war die Dachrinne dicht.

Also verlangte der Anwalt des Geschädigten, dass zunächst einmal alle herüberwachsenden Äste ab müssen. Außerdem müssten die Bäume insgesamt auf 50 Prozent reduziert werden. Und zuletzt wollte er noch 1000 Euro „Laubrente“ für seinen Mandanten. Das Gericht war nur teilweise überzeugt. Der Überwuchs musste ab, klar. Aber der Nadelbefall sei unwesentlich und zudem ortsüblich, deshalb keine „Laubrente“. Und eine Rechtsgrundlage dafür, die Bäume zu halbieren, gibt es auch nicht (Az. 3 O 140/10). Vor dem Landgericht München landete folgender Fall: Der dort erboste Nachbar nutzte zunächst keinen Anwalt, sondern eine Säge. Es waren auch keine Lärchen, sondern Fichten und ihn störten nicht die Nadeln, sondern der Schatten. Weil dem Baumeigentümer das aber egal war, mietete er sich eine Hebebühne und schnitt einen Teil der Bäume einfach ab. Der Nachbar holte die Polizei, die unterbrach die Aktion.

Aber kurz darauf holte sich der Kläger die Hebebühne erneut und brachte sein Werk zu Ende. Weil zweimal Hebebühne Mieten aber teurer ist, als einmal, klagte er die Mehrkosten ein. Nun doch mit Anwalt. Und bekam Recht! Das Landgericht billigte ihm zu, die unzumutbare Beschattung selbst zu beseitigen und zudem stellte es fest, dass die erzwungene zweite Anmietung der Bühne der Nachbar zu bezahlen habe (Az. 15 S 7927/00). Allerdings ist bei dieser Form der Selbsthilfe Vorsicht geboten! Da hatte sich ein Grundstücksbesitzer an den sieben Meter hohen Thujen seines Nachbarn zu schaffen gemacht und diese versehentlich ein wenig verkrüppelt. Der Nachbar zog vor Gericht und verlangte Schadenersatz. Nicht für die Bäume übrigens, sondern wegen der Wertminderung seines Grundstücks. Bis zum BGH ging die Sache und in Karlsruhe bekam er tatsächlich recht. Die alten Bäume seien Bestandteil des Grundstücks und damit wertbildend. Eine verkrüppelte Thuje reduziere den Grundstückswert durch Berechnung nach der „Methode Koch“ um 3350 Euro (Az. V ZR 222/12).

Mehr Teile der Kolumne Paprottas Pargrafen finden Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht