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Unfallserie

Experte rät: „Länger Tempo 70 am Berg!“

Nach der Unfallserie am Weißmarterberg bei Neumarkt gibt es Vorschläge. Wir befragten Manfred Schreiner, was er davon hält.
Von Lothar Röhrl

Die von Ermittlern der Staatsanwaltschaft und der Polizei angebrachten Spuren des Unfalls vom Vorabend waren noch gut zu sehen, als Deinings Wehr erneut am Samstag zum Weißmarterberg gerufen wurde.
Die von Ermittlern der Staatsanwaltschaft und der Polizei angebrachten Spuren des Unfalls vom Vorabend waren noch gut zu sehen, als Deinings Wehr erneut am Samstag zum Weißmarterberg gerufen wurde. Foto: Röhrl

Neumarkt.Manfred Schreiner hat sich in den vergangenen Wochen jeden Unfall mit Beteiligung eines Motorradfahrers am Weißmarterberg bei Neumarkt angesehen. Und er schüttelt den Kopf: „Sie waren jünger und fuhren eine Sportmaschine. Diese Gruppe verunglückt häufiger als die anderen Motorradfahrer.“ Doch damit nicht genug seiner Analyse, um die unserer Medienhaus den Fahrlehrer und Motorrad-Experten der Kreisverkehrswacht gebeten hat. Dabei brachten wir Vorschläge von Menschen ein, die sich via „Neumarkter Tagblatt Facebook“ zu den Unfällen am vergangenen Freitag und Samstag gemeldet hatten.

Eine Frage richteten wir auch an Josef Gilch, der beim Staatlichen Bauamt Regensburg für die Bundesstraße 8 und damit auch für die Weißmarterbergstrecke verantwortlich ist. Dieser kündigte an, dass das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung des nächsten Treffens der Unfallkommission genommen worden ist.

Die B8 wird ab 1. Juli Staatsstraße: Kann sie so leichter gesperrt werden?

Diese Umwidmung tritt am kommenden Freitag, 1. Juli, in Kraft. Dabei wird die Bundesstraße 8 laut Josef Gilch zwischen der Delphi-Kreuzung in Neumarkt und der A3-Anschlussstelle Nittendorf zur Staatsstraße 2660 umgewidmet. Grundsätzlich könne jede Straße gesperrt werden, sagte Gilch. Er verwies aber auf den Fall „Kesselberg-Strecke“, das ist ein Teilstück der B11. Diese war gesperrt worden, doch ein Gericht hat diese wieder aufgehoben.

Eine Sperrung der Weißmarterbergstrecke hält Motorrad-Experte Manfred Schreiner für nicht nötig. Wohl aber müssten sich bestimmte Motorradfahrer bewusster werden, auf welcher Maschine sie sitzen. Zu wenige würden das „Leistungsgewicht“ beachten. Das ist das Verhältnis zwischen Leergewicht der Maschine und der Motorleistung. Bei der viel gefahrenen BMW S 1000 RR beträgt es laut Manfred Schreiner 200 kg:200 PS – also 1:1. Ein PS zieht ein Kilogramm Gewicht. Zum Vergleich: Bei einer Harley Davidson beträgt das Verhältnis 265 kg:67 PS (4:1). Damit kann eine Harley gar nicht so schnell sein wie die erwähnte BMW, die in ihrer Natur einem Formel-1-Rennwagen ähnelt. Solche Sportmaschinen hatten jene, die am Freitag und Samstag verunglückt waren – offensichtlich wegen überhöhter Geschwindigkeit.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Strecke:

Die B8 am Weißmarterberg

  • Zur Strecke:

    In zwei Bauabschnitten und damit auch verbunden in zwei längeren Sperrungen für den Verkehr wurde dieser Teil der B 8 bis ins vergangene Jahr hinein verbreitert und der gesamte Oberbau erneuert.

  • Unfallschwerpunkt:

    Schon lange vor dem Ausbau war die Strecke zwischen Neumarkt und Deining übersät mit Unfallorten. Auffallend oft gekracht hat es schon immer im Bereich der „Weißmarterkurve“.

  • Bilanz:

    Auch wenn die jüngste Häufigkeit der Motorradunfälle eine andere Botschaft aussendet, insgesamt nahm die Zahl der Unfälle nicht zu. Das trifft vor allem auf Pkw-Unfälle zu. Seit dem Ausbau nahm diese ab.

  • Lösung:

    Eine aus Vertretern des Staatlichen Straßenbauamts und Verkehrsexperten der Polizei bestehende „Unfallkommission“ wird sich unter andere, die „Weißmarterstrecke“ in Kürze ansehen. (lr)

Unser Facebook-Post zu einem der Unfälle am Wochenende:

Hätte eine Beschränkung auf Tempo 30 Sinn?

Auf der Weißmarter sind am 24. Juni zwei Motorräder gestürzt. Einer der Fahrer wurde mit dem Hubschrauber ins Klinikum gebracht.
Auf der Weißmarter sind am 24. Juni zwei Motorräder gestürzt. Einer der Fahrer wurde mit dem Hubschrauber ins Klinikum gebracht. Foto: Loidl

Hier sieht Manfred Schreiner juristische Bedenken, denn – außer in Ortsdurchfahrten – könne so etwas auf Bundes- und Staatsstraßen nicht durchgezogen werden. Wenn schon Beschränkung, dann möglichst eine Verlängerung der Zone mit 70 Stundenkilometer aus Richtung Neumarkt gesehenen aktuellen Endpunkt „Einfahrt zur Firma Egner“ hinaus. Manfred Schreiner plädiert dafür, dass der 70-km/h-Bereich in Richtung Deining über die langgezogene Linkskurve und die anschließende scharfe Rechtskurve, die einer Spitzkehre ähnlichen hinaus verlängert wird – und dann enden kann. Zu den Tempo 30 fügte er an, dass es viel schwerer ist, so langsam zu fahren. „50 und mehr kann jeder. Doch etwa bei unserer Sicherheitstrainings wird gelehrt, wie man eine Maschine auch bei Schrittgeschwindigkeit fahren kann“, sagte Schreiner.

Unser Facebook-Post zu einem weiteren Unfall am Wochenende:

Sind beide Kurven zu gefährlich?

Trotz der massiven Schäden an den Fahrzeugen blieben die Autofahrer beim Unfall in der Weißmarterkurve am Samstag, 19. Juni, unverletzt.
Trotz der massiven Schäden an den Fahrzeugen blieben die Autofahrer beim Unfall in der Weißmarterkurve am Samstag, 19. Juni, unverletzt. Foto: Tom Wittmann

Einen Konstruktionsfehler vermag Manfred Schreiner nicht zu erkennen. Denn im Prinzip hat sich nach dem Ausbau der Strecke nur an der Breite der Straße etwas verändert. Allerdings verengt sich bei der langgezogene Linkskurve am Ende der Radius, was zum „Sie-macht-zu-Effekt“ führt. Und gleich darauf folgt die scharfe Rechtskurve, die eigentliche „Weißmarterkurve“, bei welcher der gleiche Effekt am Ende eintritt. „Eigentlich sollten beide Kurven kein Problem sein, wenn sie mit einer Grundgeschwindigkeit angefahren werden, die nicht so hoch ist“, sagte Schreiner.

Er mahnte an, dass Motorradfahrer an die „Sicherheitslinie“ denken sollten. Diese definiert sich aus der Kombination Tempo und Sichtweite. Damit könnten Motorradfahrer auch plötzlich vor ihnen auftauchenden Hindernissen auf der Fahrbahn wie verlorene Ladung ausweichen.

Die Weißmarterbergstrecke wird auch für Rennen genutzt?

Ob Motorradfahrer tatsächlich nach Zeit diese Strecke hinaufhetzen, kann Manfred Schreiner aus seinen Erfahrungen bei Schulungs- und privaten Motorrad-Ausfahrten nicht bestätigen. „Ich habe aber schon einige gesehen, die mit einer Kamera auf dem Helm oder am Lenker unterwegs waren.“ Obwohl es in Deutschland um diese „Dashcams“ einen rechtlichen Streit gibt, werden sie beliebter. In den Filmchen im Netz würden Fahrten über spektakuläre Strecken wie Weißmarter gezeigt, weiß Schreiner.

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