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Ratgeber

Familien finden hier kompetente Hilfe

Probleme in der Schule, Trennung der Eltern und Erziehungsfragen sind oft Themen in der Neumarkter Caritas-Beratungsstelle
Von Eva Gaupp

  • Eltern und ihre kranken Kinder sind nicht allein. Es gibt verschiedene Beratungsstellen, an die sie sich wenden können. Foto: Julian Stratenschulte
  • Dr. Thomas Schnelzer leitet die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in der Ringstraße. Foto: Gaupp

Neumarkt.Der Diplompsychologe und Diplomtheologe Privatdozent Dr. Thomas Schnelzer leitet die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in der Ringstraße. 449 Fälle haben er und seine fünf Mitarbeiter vergangenes Jahr bearbeitet. 449 Menschen und 900 Angehörige, die sich in ihrer Not von ihm und den anderen Diplompädagogen, -psychologen und -Sozialpädagogen Hilfe erhofft haben.

Wer kann sich an Sie und Ihre Mitarbeiter wenden?

Unsere Zielgruppe sind alle Menschen in der Stadt sowie im Landkreis Neumarkt, die mit den Fragen und Problemen junger Menschen konfrontiert sind. Vor allem sind dies Eltern, Kinder und Jugendliche, aber auch junge Erwachsene bis 27 Jahre.

Was kostet die Beratung?

Nichts. Die Kosten werden vom Landkreis, der Caritas und dem Freistaat Bayern getragen. Wir arbeiten so lange mit den Klienten zusammen wie es nötig und sinnvoll ist.

Lassen sich einige ,,Hauptthemen“ ausmachen, weshalb Klienten Unterstützung bei lhnen suchen?

Es kristallisieren sich tatsächlich ,,Hauptthemen“ heraus. Seit Jahren stehen Probleme im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung – insofern Kinder betroffen sind – sowie emotionale Probleme, also Ängste und depressive Verstimmungen, aber auch Probleme im Sozialverhalten im Vordergrund. Erziehungsschwierigkeiten sowie Lern- und Leistungsprobleme sind noch wichtig, aber etwas weniger geworden.

Die Experten sind sich uneinig, ob es tatsächlich mehr Kinder und Jugendliche gibt, die unter einer psychischen Belastung leiden oder ob nur die Bereitschaft gestiegen ist, sich Hilfe zu suchen. Was ist Ihre Erfahrung?

Diese Entwicklung hat zentral damit zu tun, dass die Zahl der psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen zunimmt, so dass immer mehr junge Menschen mit einem erheblichen Leidensdruck den Weg in unsere Beratungsstelle finden. Und die Schwere der Problematiken nimmt zu.

Wie haben sich die Fallzahlen in Ihrer Beratungsstelle entwickelt?

Die Fallzahlen sind auf hohem Niveau relativ konstant geblieben – trotz der Zunahme niedergelassener Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und des zunehmenden Ausbaus der Schulsozialarbeit, die viele schulische Probleme auffängt. Dies zeigt, dass der Bedarf an Hilfsangeboten nach wie vor groß ist.

Wie können Sie helfen?

Ziel ist es, eine individuelle Hilfe-Strategie zu finden. Eine gute Möglichkeit ist es, beim problematischen Verhalten und Erleben eines Klienten sowie den Bedingungen, die dieses auslösen und aufrechterhalten, anzusetzen. So kommt es zum Beispiel durch Misserfolge in der Schule immer wieder zu depressivem Bedrücktsein, das Selbstwertgefühl geht verloren, die Motivation sinkt – dadurch ergeben sich weitere Misserfolge, so dass sich eine Abwärtsspirale aus Misserfolg, Frust und Resignation ergibt.

Welche Rolle spielen dabei die Eltern?

Oft verschärfen sie die Problematik, indem sie langfristige Strafen verhängen und das Kind nur noch kritisieren, so dass das geschwächte Selbstwertgefühl ganz zu Boden gedrückt wird. Dieser Teufelskreis kann durchbrochen werden, wenn alle Beteiligten einen positiven Neuanfang wagen, indem sie zum Beispiel eine schriftliche Vereinbarung treffen: Für jeden Tag wird ein fester zeitlicher Rahmen für Hausaufgaben ausgehandelt. Gleichzeitig werden fördernde Maßnahmen festgelegt – und bereits die erste ,,Schicht“ wird belohnt, etwa mit Gutscheinen oder Smileys, deren Wert gemeinsam festgelegt wird. Die können sofort eingelöst – zum Beispiel gegen eine halbe Stunde gemeinsames Spiel – oder angespart werden. So könnten zehn Smileys gegen einen Kinogutschein eingetauscht werden.

Welche Gründe gibt es, dass heute mehr Schüler über Leistungsdruck klagen?

Nicht der Leistungsdruck ist gewachsen, sondern die Kinder sind den Erwartungen nicht mehr gewachsen. Kinder haben heute schlechtere Voraussetzungen, die Anforderungen zu erfüllen. Ein wichtiger Faktor ist der exzessive und stundenlange Medienkonsum. Darunter leidet die Konzentration. Und es entsteht ein Missverhältnis: zu viel Zeit für den Medienkonsum – zu wenig Zeit zum Lernen. Eine Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat herausgefunden, dass die Schüler, die besonders viel Zeit mit Medienkonsum, zumal mit gewaltintensivem Inhalt verbringen, umso schlechtere Schulleistungen erzielen. Wenn Kinder Prüfungsängste haben, kann es deshalb durchaus sein, dass ihnen bewusst ist, sie haben sich nicht ausreichend vorbereitet.

Heute trennen sich mehr Eltern als früher. Ist dies auch ein Grund für psychische Probleme von Kindern?

So eine Trennung ist ein Verlusterlebnis. Vor allem, wenn ein Elternteil eine neue Familie gründet und sich der Kontakt ausdünnt. Wie bei einem Trauerfall muss auch da Trauerarbeit geleistet werden. Eine Trennung ist immer ein Risikofaktor, wenn man nicht richtig damit umgeht. Aber wenn die Eltern Eltern bleiben, sich beide um die Kinder kümmern und ihre Differenzen nicht vor den Kindern austragen, muss es keine negativen Folgen haben.

Beratungsstellen

  • Angehörigenselbsthilfe:

    Gesprächskreis für Eltern, Geschwister, Partner und erwachsene Kinder von Menschen mit psychischer Erkrankung. Unterstützung durch den Spzialpsychiatrischen Dienst der Diakonie, Friedenstraße 33, Neumarkt. Kontakt: Anita Drefs, Dipl.-Psychologin, Tel. (0 91 81) 46 40-0

  • Sozialdienst Gesundheitsamt Suchtberatung:

    Telefonische Terminvereinbarung wird erbeten. Kontakt: Norbert Römer, Tel. (0 91 81) 506; Heidi Distler, Tel. (0 91 81) 502; suchtberatung@landkreis-neumarkt.de

  • Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme:

    Psychosoziale Beratung und Behandlung; Träger: Caritasverband Diözese Regensburg; Alte Seer Straße, Parsberg; Tel. (0 94 92) 73 90; beratung@suchtambulanz-parsberg.de

  • Diakonisches Werk Altdorf – Hersbruck – Neumarkt Suchtberatung:

    Seelstr. 11a, Neumarkt; Tel. (0 91 81) 44 09 06; suchtberatung@diakonie-ahn.de

  • Beratung bei Essstörungen:

    für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Angehörige im Gesundheitsamt, Dr.-Grundler-Straße 1, Neumarkt; Kontakt: Michaela Peter, Tel. (0 91 81) 470-507, peter.michaela@landkreis-neumarkt.de

  • Kinder- und jugendärztlicher Dienst am Gesundheitsamt:

    Dr.-Grundler-Straße 1, Neumarkt, Kontakt: Dr. Werner Richter, Tel. (0 91 81) 470-512; gesundheitsamt@
    landkreis-neumarkt.de

  • Erziehungsberatung der Caritas – Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche:

    Ringstraße 59, Neumarkt – Außenstelle Dietfurt, Lohmühlenweg 3, Dietfurt; Kontakt: Gerlinde Hiemer, Tel. (0 91 81) 2 97 40; erziehungsberatung@caritas-neumarkt.de

  • Ehe-, Familien- und Lebensberatung – Psychologische Beratungsstelle:

    Mühlstraße 3, Neumarkt, Tel. (0 91 81) 61 17; efl.neumarkt@bistum-eichstaett.de – Außenstelle Dietfurt Klostergasse 8, Dietfurt

  • Krisendienst Horizont:

    Hilfe bei Suizidgefahr; psychologische Beratungsstelle für Betroffene und Angehörige, Hemauer Straße 8, Regensburg, Tel. (09 41) 5 81 81;

  • Koki – Netzwerk frühe Kindheit:

    Das Netzwerk verschiedener Einrichtungen, Beratungsstellen und Experten bietet ein präventives Programm für Eltern mit Kindern bis zu zehn Jahren im ganzen Landkreis Neumarkt, außerdem bieten die Mitarbeiterinnen selbst konkrete Beratung an und verfügt über Betreuungsangebote wie Familienbegleitung oder die Familienhebammen; Kontakt: Tel. (0 91 81) 470-111, koki@landkreis-neumarkt.de; Landratsamt Neumarkt, Nürnberger Straße 1, Gebäude A, 1. Stock

  • Kreisjugendamt:

    Nürnberger Straße 1, Neumarkt, Tel. (0 91 81) 470-162

Einen Überblick über Beratungsstellen im Landkreis Neumarkt finden Sie hier:

Alle Teile der MZ-Themenwoche finden Sie hier.

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