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Florist ist für sie ein „Positiv-Beruf“

Ein Blumenstrauß löst so viel Freude aus. Das weiß die Neumarkterin Anni Bernscheider genau. Deshalb liebt sie ihren Beruf.
Von Claudia Pollok

Eine Amaryllis, zwei orange Rosen und Zweige – fertig ist der Blumenstrauß für eine Bestellung.
Eine Amaryllis, zwei orange Rosen und Zweige – fertig ist der Blumenstrauß für eine Bestellung. Foto: Pollok

Neumarkt.Amaryllis, Ilex-Beeren, Euphorbien und Protea aus Südafrika – Anni Bernscheider stellt einen Kübel voller Blumen nach dem anderen auf ihre Arbeitsfläche, bis sich ein duftendes rotorangefarbenes Blütenmeer vor ihr auftut. „Die Blumen sind typisch für diese Jahreszeit“, sagt die Floristin und langjährige Mitarbeiterin der Blumen-Werkstatt von Brigitte Bauer-Kürzdörfer in Neumarkt.

Gerade dekorieren die beiden Frauen das Geschäft für Weihnachten um. Bernschneider gefällt an ihrem Beruf besonders, dass sie den Wechsel der Jahreszeiten ganz bewusst erlebt – auch wenn sie bei den Vorbereitungen für die jeweilige Saison immer einen Schritt voraus sein muss. „Wenn andere noch den Winterblues haben, ist bei uns in der Blumen-Werkstatt ja schon Frühling“, sagt sie.

„Das edle Handwerk“

Blumen richtig zu schneiden, will gelernt sein
Blumen richtig zu schneiden, will gelernt sein Foto: Pollok

Jetzt steht aber erst einmal Weihnachten vor der Tür. Gleich nach Allerheiligen laufen die Vorbereitungen für das Fest der Liebe auf Hochtouren. Neben Amaryllis und Co. schmücken jetzt Deko-Engel und Nikoläuse die Regale der Blumen-Werkstatt. Weihnachten, Ostern, Muttertag – an Feiertagen hat Bernschneider immer alle Hände voll zu tun. Blumen zu verschenken, kommt nie aus der Mode, auch wenn die digitale Welt neue Wege dafür geschaffen hat,zum Beispiel mit dem Internetversand.

Mit der überörtliche Vermittlung von Blumen können sich Menschen in unterschiedlichen Städten Sträuße schicken. Die Blumen-Werkstatt bietet diesen Service an. Bernscheider druckt am Computer eine Bestellung aus und liest vor: „Ein Blumenstrauß mit einer Amaryllis und zwei Rosen.“ Farb- und Formauswahl ist ihre Sache. „Unser Beruf erfordert Kreativität und Spontanität.“ Mit flinken Fingern baut Bernschneider geschickt grüne Zweige um eine rote Amaryllis, fügt zwei orange-rote Rosen hinzu und bindet den Strauß fest. Das Straußbinden sei Übungssache, sagt Bernschneider. Mit der Zeit entwickele sich das Geschick und die Kraft in den Fingern: Floristik ist für sie „ein edles Handwerk“.

Bernschneider blickt zufrieden auf den Strauß. Später wird sie ihn dem Beschenkten persönlich mit dem Lieferwagen vorbeibringen. „Die Leute freuen sich immer unendlich, wenn ich vor der Tür stehe und die Überraschung überbringe“, berichtet Bernschneider aus ihrer Erfahrung. Deshalb bezeichnet sie ihren Beruf auch als „Positiv-Beruf“.

Sommerfeeling mit roten Geranien

Grüne Zweige mit weißen Deko-Chrysanthemen für Weihnachten
Grüne Zweige mit weißen Deko-Chrysanthemen für Weihnachten Foto: Pollok

Natürlich gebe es nicht immer freudige Anlässe für Blumen, Beerdigungen zum Beispiel. Aber auch hier sieht Bernschneider das Positive: „Mit den Blumen erweisen wir den Verstorbenen eine Ehre.“ Sie versuche den Grabschmuck deshalb immer so zu gestalten, dass es zu dem verstorbenen Menschen passt und nicht kitschig ist.

Während Bernschneider noch schnell die Stiele der Amaryllis und der zwei Rosen anschneidet, betritt eine Kundin den Laden. Sie sucht eine einzelne farbige Blume, denn sie hat zu Hause einen Strauß weißer Astern und braucht einen Farbklecks. Bernschneider zeigt ihr verschiedene Rosen. Die Kundin entscheidet sich am Ende für den Klassiker: die rote Rose.

Anni Bernschneider zeigt einer Kundin verschiedene Rosen.
Anni Bernschneider zeigt einer Kundin verschiedene Rosen. Foto: Pollok

„Im Gespräch mit dem Kunden versuche ich immer herauszufinden, was sich dieser genau vorstellt“, sagt Bernschneider. Je offener der Kunde ist, desto leichter sei es für sie das richtige zu finden. Aber für Bernschneider ist klar: „Egal welches Budget der Kunde hat, es gibt für jeden eine Lösung.“ Die Floristin liebt diese kleinen Herausforderung und die Spontanität, mit der sie auf die Wünsche der Kunden reagieren muss. Dabei beobachte sie aber, dass heutzutage alles schneller gehen muss. „Früher gab es mehr Vorbestellungen, heute heißt es: ich komme in einer Stunde vorbei.“

In ruhigen Minuten widmet sich Bernschneider aber wieder ihren Blumen. Ihre persönlichen Lieblingsblumen sind rote Geranien, erzählt sie. „Viele sagen, dass sind Altweiberblumen, aber für mich bedeuten leuchtend rote Geranien auf dem Balkon einfach Sommer“, sagt sie und lacht.

Die Ausbildung zum Florist

  • Aufgaben:

    Floristen gestalten und verkaufen Blumen- und Pflanzenschmuck. Sie beraten Kunden, pflegen die Pflanzen im Laden und bearbeiten Bestellungen des Blumenversands.

  • Arbeitsplätze:

    Floristen finden Beschäftigung in Blumenfachgeschäften, Gartencentern und Gärtnereien mit Blumengeschäft. Darüber hinaus arbeiten sie im Großhandel mit Pflanzen und Blumen und in Bestattungsunternehmen mit eigenem Blumenhaus.

  • Ausbildung:

    Die Ausbildung zum Floristen dauert drei Jahre lang. Der Monoberuf wird ohne Spezialisierung nach Fachrichtungen oder Schwerpunkten im Handel ausgebildet. Der Auszubildende lernt im Betrieb und besucht die Berufsschule.

  • Verdienst:

    Floristen verdienen eine tarifliche Bruttogrundvergütung von 1564 bis 1711 Euro. Auszubildende erhalten im ersten Ausbildungsjahr brutto 237 bis 525 Euro, im zweiten 332 bis 565 Euro und im dritten 368 bis 625 Euro.

  • Weiterbildung:

    Nach der Ausbildung können Floristen die Prüfung als Floristmeister ablegen. Mit einer Hochschulzugangsberechtigung kann man auch studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Studienfach Garten-, Landschaftsbau erwerben. Auch der Schritt in die Selbstständigkeit ist möglich, zum Beispiel mit einem Blumenfachgeschäft oder Übernahme eines Betriebes für Blumengeschenk- oder Dekorationsservice.

  • Weitere Informationen

    auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit

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