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Festgala

Großen Konzernen nicht klein beigegeben

Die Preisträger des 15. Nachhaltigkeitspreises der Neumarkter Lammsbrauerei wurden für ihren Mut und neue Ideen belohnt.
Von Lothar Röhrl

  • Den Ehren-Nachhaltigkeitspreis überreichten Susanne Horn und Dr. Franz Ehrnsperger an Öko-Landbau-Pionier Dr. Hans Rudolf Herren (l.). Fotos: Röhrl
  • Den Sonderpreis Innovation erhielt die „Ökologische Tierzucht gGmbH“: Die Laudatio sprach Dr. Anita Idel (l.), Geschäftsführerin Inga Günther freute sich darüber. Foto: Röhrl

Neumarkt.Nie hätte er gedacht, dass es den Nachhaltigkeitspreis seiner Lammsbrauerei noch weitere 14 Mal geben würde. Bei der 15. Verleihung dieses Preises erinnerte sich dessen Schöpfer, Dr. Franz Ehrnsperger, gut an die erste Preisverleihung im Jahr 2002. Und er erinnerte daran, wie es auch von Jahr zu Jahr zur immer gleichen Dotierung von jeweils 10 000 Euro komme. Das sei exakt der Betrag, den jene neue Flaschenwaschanlage an Kosten für Energie und Wasser einsparen hilft, die er vom Preisgeld für den Deutschen Umweltpreis finanziert hatte. Diesen Preis hatte der Öko-Brauer 2001 bekommen. Mit 10 000 Euro dotiert Dr. Ehrnsperger seither jedes Jahr die Verleihung des Nachhaltigkeitspreises der Neumarkter Lammsbrauerei neu.

Mittlerweile habe sich der Preis zu einem der wichtigsten deutschen Umweltpreise entwickelt, betonte Susanne Horn, die Generalbevollmächtigte der Lammsbrauerei, bei einer Pressekonferenz, mit der die diesjährige Verleihung bei einer Festgala im Neumarker Maybach-Museum eingeleitet wurde. Zu diesem kleinen Jubiläum wurde die Zahl der Preisträger – sonst jeweils einer in fünf Kategorien und manchmal auch noch ein Ehrenpreis dazu – auf sieben erhöht. Neu war die Verleihung eines „Sonderpreises Innovation“. Jeder Preisträger bekam symbolisch noch ein „Lämmchen“ überreicht, welches für diese Lammsbrauerei-Ehrung steht. Heuer hatte die Jury mit ihrem Vorsitzenden Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Natur- und Umweltschutz in Deutschland (BUND), unter 107 eingereichten Vorschlägen Schwerstarbeit zu leisten. Im einzelnen wurden folgende Preise vergeben:

Ehrenpreis: Dr. Hans Rudolf Herren (Biovision-Stiftung)

Herren ist Träger des Welternährungspreises 1995 und des Alternativen Nobelpreises 2013. Herren bekam den Ehrenpreis laut Beschluss der Jury für seine Bemühungen um eine Verbesserung des Lebensbedingungen der Menschen in Afrika und um einen globalen Kurswechsel in der Landwirtschaft. Den Welternährungspreis hatte der Pionier im Öko-Landbau bekommen, nachdem er mit einer groß angelegten biologischen Schädlingsbekämpfung rund 200 Millionen Menschen vor einer Hungersnot bewahrt hatte.

LAU-Landrat Armin Kroder (r.) mit Vertretern der „Bürgerwerke“
LAU-Landrat Armin Kroder (r.) mit Vertretern der „Bürgerwerke“ Foto: Röhrl

Sonderpreis Innovation: Ökologische Tierzucht

Diese gemeinnützige GmbH ist 2015 gegründet worden. Sie setzt auf eine eigenständige, naturnahe Tierzucht sein. Das zeige sich an der Züchtung von Hühnern für den Öko-Landbau. Laudatorin Dr. Anita Idel merkte zum Zuchtziel an, dass solche Hühner in 18 Wochen eine Legeleistung von 240 Eiern und auf der männlichen Seite ein Lebendgewicht von drei Kilo erreichen könnten. Damit sei ein Zweinutzungshuhn entstanden, das eine sinnvolle Alternative zu den weltweit von nur drei Konzernen beherrschten konventionellen Zuchtvorhaben sei.

Auch ohne ihre Erfindung einer Bienenkiste erhielten Vertreter von Millefera ihren Preise.
Auch ohne ihre Erfindung einer Bienenkiste erhielten Vertreter von Millefera ihren Preise. Foto: Röhrl

Unternehmen: Bürgerwerke – Energie in Gemeinschaft

Dabei handelt es sich um den bundesweit größten Zusammenschluss von Energiegenossenschaften. Die mehr als 60 stehen für rund 10 000 Mitglieder. Alle eint das Ziel „Energiewende von unten her schaffen“. Diese liefern Bürgerstrom aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. Alle Gewinne werden ausnahmslos wieder in Ökostrom-Projekte gesteckt. Armin Kroder, Landrat des Kreises Nürnberger Land, lobte die Botschaft, die von den Bürgerwerken ausgehe: „Strom muss kein anonymes Konsumprodukt aus der Steckdose sein, es kann auch eine regional hergestellte Ressource sein.“ Kroder warb daher fürs Umsteigen.

Sie wurden von den Lammsbräu-Mitarbeitern für heuer vorgeschlagen: Die Auszubildenden der Brauerei mit ihrer „AG Zukunft“.
Sie wurden von den Lammsbräu-Mitarbeitern für heuer vorgeschlagen: Die Auszubildenden der Brauerei mit ihrer „AG Zukunft“. Foto: Röhrl

Vereine und Institutionen: Mellifera e.V.

Laudator Dr. Alexander Gerber stellte fest, dass sich zunehmend junge Menschen für die Imkerei begeistern. Geimkert werde nicht mehr nur am Land, sondern auch auf Hochhausdächern. Für die Grundlage, eine „Bienenkiste“, hat der Verein „Mellifera e.V.“ gesorgt. Den Preis erhielt dieser auch für seinen Einsatz gegen Gentechnik auf deutschen Äckern.

Preisträger Roland Einsiedel war nicht da, dafür sein prominenter Laudator Prof. Dr. Hubert Weiger (r.).
Preisträger Roland Einsiedel war nicht da, dafür sein prominenter Laudator Prof. Dr. Hubert Weiger (r.). Foto: Röhrl

Mitarbeiter Lammsbrauerei: AG Zukunft

Bei „Auszubildende gestalten Zukunft“ bestehe laut der dabei schmunzelnden Susanne Horn, der Generalbevollmächtigten der Lammsbrauerei, ein „großes Risiko“: Nämlich, dass deren Vorschläge in ihrem Unternehmen in die Tat umgesetzt werden. So etwa bei der Idee, etwas für die Artenvielfalt zu tun. Dafür hatten Auszubildende 2013 selbst im Kreis Neumarkt eine Streuobstwiese angelegt. Diese werde seither von Azubis in ihrer Freizeit gehegt und gepflegt. Heuer sei dort ein Gartenhäuschen dazu gekommen. Dafür wurde ein arbeitsfreier Samstag „geopfert“.

„Engagierter Umweltjournalismus“: Das sagte Laudator Dr. Schneider über Christiane Grefe.
„Engagierter Umweltjournalismus“: Das sagte Laudator Dr. Schneider über Christiane Grefe. Foto: Röhrl

Einzelperson: Öko-Pionier Roland Einsiedel

Mit Professor Dr. Hubert Weiger, dem Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, war nicht nur der prominenteste Laudator zur Festgala gekommen. Als Mitglied der Jury dieses Nachhaltigkeitspreises begründete er, weshalb der heute 76-jährige Erzgebirgler damit geehrt werde. Weiger verwies darauf, dass sich Einsiedel schon vor dem Mauerfall für einen naturnahen Landbau und damit den Erhalt der Fruchtbarkeit des Bodens in der früheren DDR eingesetzt habe. Das sei zu Zeiten der großen LPGs sehr mutig gewesen.

Medienschaffende: Christiane Grefe

Laudator Dr. Manuel Schneider zog vor der Redakteurin seinen Hut, weil sie in den Blättern, für die sie arbeitete (aktuell: „Die Zeit“), immer globale Umwelt und Nachhaltigkeitsthemen platzieren wollte. Das sei nicht karrierefördernd gewesen, meinte Schneider. Beim Aufzeigen von Zusammenhängen bediene sie sich eines literarisch inspirierten Journalismus.(lr)

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