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Großer Auftritt für 2200 kleine Könige

Mit bunten Gewändern, Weihrauch und Gesängen versetzten die Mädchen und Buben Neumarkt in eine besondere Stimmung.
Von Philipp Seitz

Sternsingerin Claudia aus Traunstein reiste mit einem Kamel nach Neumarkt an. Mit ihr feierten weitere 2200 Kinder und Jugendliche den bundesweiten Auftakt des Dreikönigssingens.
Sternsingerin Claudia aus Traunstein reiste mit einem Kamel nach Neumarkt an. Mit ihr feierten weitere 2200 Kinder und Jugendliche den bundesweiten Auftakt des Dreikönigssingens. Foto: Seitz

Neumarkt.Die kleine Lena wischt mit der Hand die weißen Papierstückchen von ihrem blauen Turban. Auch auf die Umhänge der kleinen Könige aus Litzlohe fallen Konfettistreifen. Immer wieder weht sie der Wind vom Dach der Großen Jurahalle in Neumarkt in eine offene Dachluke. Von hier aus regnen sie auf die Sternsinger herab. Geplant ist das nicht – aber der Zeitpunkt passt: Denn eben hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer die Sternsinger als „Stars“ bezeichnet, die den Segen in die Häuser bringen. Die Kinder und Jugendlichen sollen im Mittelpunkt bei der bundesweiten Eröffnung des Dreikönigssingens stehen.

Die Aussendungsfeier fand in der Großen Jurahalle in Neumarkt statt.
Die Aussendungsfeier fand in der Großen Jurahalle in Neumarkt statt. Foto: Seitz

In der Großen Jurahalle haben sich die Könige eingefunden, um ein großes „Familienfest“ zu feiern, wie es der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke nennt. Schon in der Vorhalle riechen die Sternsinger den Weihrauch, der an diesem Tag ein ständiger Begleiter der kleinen Könige sein wird. Die Kameras der Fotografen klicken, als die Sonne durch die Weihrauchschwaden bricht und den goldenen Sternen und glänzenden Kronen leuchtende Kanten verleiht.

Es sind Augenblicke wie diese, die fast ein wenig surreal wirken. Hunderte Sternsinger, die mit ihren Samtumhängen der nüchternen Halle kräftige bunte Farbtupfer verpassen, gemeinsam singen und voller Stolz ihre selbst gebastelten Sterne und Kronen präsentieren. Sogar Kamele bahnen sich ihren Weg durch die nicht enden wollenden Stuhlreihen.

Die schönsten Impressionen von der Aussendungsfeier finden Sie hier:

Sternsinger brachten den Segen nach Neumarkt

Unter einem haben sich zwei Sternsinger aus Mainz versteckt. Sie fahren seit fünf Jahren in ihren Kostümen zu jeder Aussendungsfeier in Deutschland. Die Aufmerksamkeit und staunende Blicke sind ihr Lohn. Auch Bischof Voderholzer sind die vielen Kamele in der Halle aufgefallen – für ihn ein neuer Trend bei den Sternsingern.

Für Kinder zum Segen werden

Doch auch wenn die Verkleidungen etwas ausgefallener und mancherorts Aufkleber statt der Kreide verwendet werden, hat sich am Ziel der Sternsinger in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert: Die kleinen Hoheiten vereint der Wunsch, notleidenden Kindern in aller Welt zu helfen. „Das spornt einen an, auch wenn man eiskalte Zehen bekommt“, sagt Jannic aus Mitteleschenbach. Der 13-Jährige mit dem roten Umhang ist Profi. Zum vierten Mal wird er heuer durch die Straßen seines Ortes im Landkreis Ansbach ziehen. Weniger Erfahrung hat die neunjährige Annalena May aus Postbauer-Heng. Sie ist zum ersten Mal Sternsinger. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut, schließlich wolle sie helfen. Und die Eindrücke der Auftaktveranstaltung in Neumarkt werde sie so schnell nicht vergessen, sagt sie.

Ein Video zur bundesweiten Eröffnung der Aktion Dreikönigssingen finden Sie hier:

2200 Sternsinger trafen sich in Neumarkt.

Applaus für das Engagement

Wie Annalena geht es an diesem Tag etlichen Sternsingern. Mehrere hundert Schaulustige stehen Spalier und klatschen ihnen Applaus, als sich der Zug der Sternsinger vom Festplatz in die Altstadt schlängelt. Immer wieder rufen die Neumarkter den Sternsingern „Bravo!“ zu. Es ist eine Anerkennung für den Dienst, den die Jugendlichen auch in diesem Jahr leisten. Neumarkt verbeugt sich vor den Sternsingern. Sie sind die glänzenden Stars des Tages.

Das Motto der diesjährigen Aktion lautet „Segen bringen - Segen sein“.
Das Motto der diesjährigen Aktion lautet „Segen bringen - Segen sein“. Foto: Seitz

Die Freude der jungen Leute greift auch auf die Passanten über. Rudolf Heß steht am Straßenrand und klatscht. Gerade kommen bei ihm Erinnerungen an seine eigene Sternsinger-Zeit auf. Dem deutschen Jugendbischof Stefan Oster aus Passau geht es ähnlich. Er war viele Jahre lang als Sternsinger in seiner Heimatgemeinde unterwegs. Dem kleinen Jacob, der mit seinem gelben Holzstern neben ihm geht, gibt der Bischof einen Tipp: „Kleb Dir den Spruch auf die Rückseite des Sterns. So haben wir das immer gemacht, um spicken zu können.“ Doch das braucht der Zwölfjährige nicht: „Ich kann meinen Spruch auswendig.“

Die Aktion Dreikönigssingen in Zahlen:

So kommt die Hilfe an

  • Bilanz:

    Im Jahr 2015 unterstützte das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ weltweit mehr als 2100 Projekte in 111 Ländern. Die Spenden werden unter anderem in Bildungsprojekte investiert.

  • Zahlen:

    Zur Eröffnung in Neumarkt sind bislang 2063 Sternsinger angemeldet. Der Großteil der jungen Könige kommt aus dem Bistum Eichstätt. Zum Gelingen tragen rund 120 Helfer bei.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke eröffnete mit den Sternsingern (hier aus Plößberg) die 59. Aktion des Dreikönigssingens.
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke eröffnete mit den Sternsingern (hier aus Plößberg) die 59. Aktion des Dreikönigssingens. Foto: Seitz

Ihre Lieder und Sprüche tragen die Sternsinger an diesem 29. Dezember noch öfters vor. Auch Oberbürgermeister Thomas Thumann überbringen die rund 2200 Sternsinger den Segen. Vier Sternsinger aus St. Johannes schreiben mit weißer Kreide die Abkürzung für CMB (Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus) an die Rathaustür, begleitet von einem Blitzlichtgewitter. Danach vergessen einige Fotografen für einen Moment, wer die Stars des Tages sind: Sie haben nur die Bischöfe im Blick, die sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen. Thomas Römer vom Kindermissionswerk greift ein: Die Kinder gehören mit auf das Bild. Das Blitzlichtgewitter geht weiter.

„Wer will als nächstes?“, fragt Thumann, nachdem sich Bischof Hanke eingetragen hat. Der kleine Pascal aus Postbauer-Heng nimmt die Aufforderung wörtlich, meldet sich und geht auf das goldene Buch zu. Auch wenn er nicht unterschreiben darf: Der Sternsinger ist einer der 2200 Stars, die an diesem Tag im Rampenlicht stehen.

Hier fanden die bundesweiten Auftaktveranstaltungen in den vergangenen zehn Jahren statt:

Was hat es mit dem Stern von Bethlehem auf sich und warum musste Postbauer-Hengs Bürgermeister ebenfalls als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen? Lesen Sie alles in unserem MZ-Spezial zu den Sternsingern.

Unsere Reporter hielten ihre Eindrücke in einem NewsBlog fest:

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