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Heizungsbauer schauen nicht in die Röhre

Zwei junge Neumarkter haben Anlagenmechaniker gelernt. Was trocken klingt, ist ein Beruf für Hand, Hirn und Herz.
von Wolfgang Endlein

  • Azubi Alexander Meier mit einem der mächtigen Rohre, das er unter anderem installiert. Als Heizungsbauer muss man anpacken können. Fotos: Endlein
  • Althergebrachte Techniken wie das Schweißen müssen Anlagenmechaniker wie Andreas Meier beherrschen.
  • Aber auch moderne Technik wie dieses Mini-Blockheizkraftwerk gehört zum Arbeitsalltag eines Anlagenmechanikers.

Neumarkt.Es ist ein großes Puzzle in 3D, das Andreas Meier und Alexander Meier zusammensetzen. Zudem ist es auch noch ein ziemlich schweres. Leicht hunderte Kilogramm können die einzelnen Metallrohre wiegen, die sich in dem containergroßen Raum um mehrere Ecken und in verschiedenen Höhen winden.

Denn rund um das bullige Blockheizkraftwerk am Klinikum, an dem die Neumarkter Petry AG derzeit die Verrohrungsarbeiten macht, ist nicht viel Platz. Da braucht es viel räumliche Vorstellungskraft, Präzision, einiges an Muskelkraft und mitunter einen gelenkigen Körper, um die Rohre in der in den Plänen vorgegebenen Weise zu verlegen.

„Kein Tag ist wie der andere“

Für den 22-jährigen Andreas und den 17-jährigen Alexander – beide trotz gleichen Nachnamens nicht miteinander verwandt – ist es die tägliche Herausforderung ihres Berufs: Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Wobei eine Unterscheidung zu treffen ist: Andreas Meier ist bereits fertig gelernter Monteur, spezialisiert auf Heizungsbau. Alex Meier hingegen ist im zweiten Lehrjahr und schnuppert derzeit noch in alle Bereiche des Berufs hinein.

Der Beruf des Anlagenmechanikers

Dessen Vielseitigkeit ist es auch, was ihn davon überzeugt hat, eine Ausbildung als Anlagenmechaniker zu machen. Nicht nur weil sein Ausbildungsberuf die unterschiedlichen Bereiche Sanitär, Heizung und Kühlung umfasst. „Kein Tag ist wie der andere, weil keine Baustelle wie die andere ist“, erklärt der Auszubildende, der sich nach einigen Praktika für den Beruf entschieden hat. Mit den unterschiedlichen Techniken vom Blockheizkraftwerk über eine Pelletheizung bis hin zum Scheitholzkessel, die installiert werden sollen, und den verschiedenen Orten mit ihren baulichen Gegebenheiten wächst die Herausforderung. Einfach nur Rohre zuschneiden, zusammenschweißen und fertig –so funktioniert der Job nicht.

Der Anlagenmechaniker

  • Ausbildung:

    Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Inhalte der Ausbildung, die im Betrieb und an der Berufsschule stattfindet, sind unter anderem handwerkliche Fertigkeiten wie das Schweißen von Rohren, deren entsprechende Anpassung etwa durch Umformen, das richtige Lesen von technischen Plänen, der Einbau von technischen Geräten und der Umgang mit Kunden sowie das Arbeiten im Team.

  • Einsatzgebiete:

    Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik arbeiten bei entsprechenden Fachfirmen oder können sich als Meister selbstständig machen. Sie bauen Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen auf.

  • Verdienst:

    Auszubildende verdienen im ersten Jahr gemäß Tarif 620 Euro. Der Verdienst steigert sich bis auf 710 Euro im vierten Jahr bei einer 38,5 Stundenwoche und 26 Urlaubstagen. Ein Berufsschultag wird mit acht Stunden angerechnet. Fertige Jungmonteure haben im ersten Jahr einen tariflichen Stundenlohn von 12,80 Euro. Im Jahr danach steigt der Lohn auf 13,33 Euro. Darüber hinaus richtet sich der Verdienst auch nach der Betriebszugehörigkeit, den Aufgaben und der Verantwortung, die damit verbunden ist.

  • Perspektiven:

    Monteure können zum Obermonteur aufsteigen. Optionen sind auch eine Weiterbildung zum Meister, Techniker und ein Ingenieursstudium.

Natürlich wird geschweißt, es wird geflext und gefeilt. „Mir gefällt, dass man draußen ist und dass man sieht, was man geschafft hat“, erklärt Andreas Meier, während er die Schutzbrille überzieht und den Brenner auf das Schweißgerät aufschraubt. Geschicktes Handwerk gehört zum Berufsbild dazu wie mitunter kräftige Handarbeit – damit allein ist die Arbeit aber nicht getan.

Christian Baumer ist Prokurist und Ausbilder bei der Petry AG in Neumarkt.
Christian Baumer ist Prokurist und Ausbilder bei der Petry AG in Neumarkt.

„Man muss technische Pläne lesen können. Und man muss sich Gedanken machen, wie schaut das später aus, wenn ich es so oder so verlege – und vor allem funktioniert es dann auch“, weißt Christian Baumer, Prokurist und Ausbilder bei der Petry AG, hin.

Energiewende bringt Arbeit

Die kleinen grauen Zellen im Gehirn fordert auch der stetige technische Fortschritt gerade im Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik. „Die Technik hat sich aufgeweitet“, sagt Baumer. Die Energiewende und das gewachsene Bewusstsein für den Klimaschutz treiben viele Innovationen voran – auf die sich diejenigen, die die Anlagen letztlich einbauen, einstellen müssen.

Mehr als nur Rohre verlegen: Moderne Technik macht heute einen großen Teil der Arbeit aus.
Mehr als nur Rohre verlegen: Moderne Technik macht heute einen großen Teil der Arbeit aus.

Handarbeit, Technik, Denkarbeit – fehlt noch die soziale Komponente, die es auch im Beruf von Andreas und Alex Meier zu beachten gilt. Nicht nur, weil im Team gearbeitet wird, Monteure sind schließlich auch vor Ort und dadurch nicht selten in Kontakt mit dem Kunden. „Auf die Extrawünsche der Kunden muss man gegebenenfalls ja auch noch eingehen“, sagt Ausbilder Baumer.

Das erfordert von den Anlagenmechanikern mitunter Flexibilität – nicht nur wenn es um die Installation von Rohren in engen Räumen geht. Gibt es besondere Kundenwünsche oder ganz eigene Baustellenbedingungen, wird schon mal zu ungewöhnlichen Zeiten gearbeitet. Beispiel Klinikum: Vor kurzem legten die Mitarbeiter der Petry AG eine Nachtschicht ein. Doch die Regel ist das nicht. Normalerweise sind die beiden jungen Meiers um 7 Uhr auf der Baustelle. Für manchen ist das sehr früh – dafür ist man aber auch wieder früh daheim.

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