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Ihr Alltag ist täglich ein neues Wunder

Hebammen leisten weit mehr, als Geburten zu betreuen. Trotz Erfahrung ist es immer besonders, wenn ein Kind zur Welt kommt.
Von Bettina Dennerlohr

Seit 19 Jahren arbeitet Kerstin Biehler als Hebamme.
Seit 19 Jahren arbeitet Kerstin Biehler als Hebamme.

Neumarkt.In den letzten Tagen hatten Kerstin Biehler und alle anderen Hebammen am Klinikum alle Hände voll zu tun: Bis zu sechs Kinder erblickten an einem Tag die Welt, normalerweise sind es in Neumarkt etwas mehr als zwei. „Es ist zwar nicht wissenschaftlich erwiesen, aber eine alte Hebammenweisheit, dass bei Wetterumschwung oder Vollmond besonders viele Kinder zur Welt kommen“, sagt Biehler und lacht.

Denn vorbei ist eigentlich die Zeit, in der sich um ihren Beruf viele Mythen und Geheimnisse ranken – genauso wie die Zeit, in der Hebammen Familien nur während der Geburt zur Seite standen. Heute bieten die Frauen auch Nachsorgetermine, Schwangerensprechstunden, Akupunktur und Kurse zur Geburtsvorbereitung oder Yoga in der Schwangerschaft an. „Wir betreuen die werdenden Mütter rund um die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett“, fasst Biehler ihre Aufgaben zusammen. Während der Schwangerschaft bieten sie beispielsweise Untersuchungen an, bereiten die Frauen auf die Geburt vor und erklären, welche Möglichkeiten es gibt. In der Nachsorge sind sie für die jungen Familien Ansprechpartner in allen Belangen: Haben stillende Mütter Probleme? Nimmt das Baby an Gewicht zu? Was ist, wenn es Blähungen hat? Heilt der Nabel gut ab? All diese Fragen können die Hebammen klären. Sie sind Freiberuflerinnen, mit dem Krankenhaus sind sie über Kooperationsverträge verbunden.

Die Frauen, die am Klinikum entbinden wollen, lernen die Hebammen meistens in der 35. bis 36. Woche kennen. Eine Schwangerschaft dauert durchschnittlich 38 Wochen, die meisten Babys erblicken das Licht der Welt zwischen der 37. und der 42. Woche. Immer mehr Kinder tun das in Neumarkt: „Seit wir eine Außenstelle der Kinderklinik Nürnberg sind, haben die Zahlen wahnsinnig zugenommen. Es sind jetzt über 200 Geburten mehr pro Jahr, insgesamt etwa 800“, sagt Biehler. Dazu kommt, dass nun auch Frühchen in Neumarkt zur Welt kommen können.

Wie genau eine Frau ihr Kind zur Welt bringt, liegt an ihr. In Neumarkt gibt es mehrere Möglichkeiten: im Stehen, im Vierfüßlerstand, auf einem Geburtshocker, als Wassergeburt in der Badewanne und klassisch im Bett. So klassisch ist das allerdings gar nicht mehr erklärt Biehler: „Das sieht heutzutage nicht mehr aus wie oft im Fernsehen zu sehen, dass die Mutter flach auf dem Rücken liegt.“ Bis in die 70er-Jahre sei das üblich gewesen, allerdings hat die Position einen entscheidenden Nachteil: Das letzte Stück muss die Mutter das Kind nach oben pressen. Heute nimmt die Gebärende deswegen eine halb liegende halb sitzende Position ein, damit ihr die Schwerkraft entsprechend mithelfen kann.

Und noch jemand kann die Mutter bei der Geburt kräftig unterstützen: der werdende Papa. „Wenn es irgendwie geht sind die Väter eigentlich immer bei der Geburt dabei“, sagt Biehler. Die meisten Paare genießen es ihrer Erfahrung nach, die Geburt gemeinsam zu erleben. „Der Mann kann einfach da sein, der Frau die Hand halten, sie massieren, ihr Getränke reichen und mit ihr gemeinsam die Wehen veratmen“, sagt Biehler. Oft würden die Väter sogar bedauern, dass sie ihre Frauen nicht mehr unterstützen könnten. „Aber die Mütter sehen das ganz anders. Sie erwarten gar nicht, dass ihnen der Mann die Schmerzen abnimmt, sondern freuen sich einfach, eine vertraute Person dabei zu haben“, sagt Biehler. Auch bei den Partnerstunden der Geburtsvorbereitungskurse tun sich die werdenden Papas oft hervor: „Man merkt, dass sie sich informieren und ihre Partnerin bestmöglich unterstützen wollen.“

Doch nicht nur die natürliche Geburt zu betreuen gehört in Neumarkt zu den Aufgaben der Hebammen. Neben dem medizinisch notwendigen Kaiserschnitt wird am Klinikum auch der sogenannte „Wunschkaiserschnitt“ angeboten. Einigen Kliniken im Umkreis lehnen ihn dagegen ab, sagt Biehler. Sei selbst plädiert dafür, die Entscheidung den Frauen zu überlassen: „Es gibt Gründe dafür aber auch dagegen. Nur leichtfertig sollte man diese Entscheidung nicht treffen.“

Seit 19 Jahren hilft Biehler Kindern auf die Welt. „Bestimmte Arbeitsabläufe werden über die Jahre natürlich zur Routine“, Biehler. Einen kleinen Menschen bei seinem ersten Atemzug zu erleben, dass ist für sie dagegen immer noch eines: ein kleines Wunder, dass sie begleiten darf. In der Familie hat ihr Berufswunsch niemanden überrascht: „Ich habe schon als kleines Kind verkündet: Ich werde entweder Arzt oder ich bringe Kinder zur Welt“, erinnert sich Biehler lachend. Dass es „Hebamme“ heißt, wusste sie damals noch gar nicht – nur, dass es ihr Traumberuf ist.

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