mz_logo

Gemeinden
Donnerstag, 26. April 2018 15° 2

Vortrag

Jedes Bauwerk eine Gratwanderung

Armin Behles sprach am Mittwoch auf Einladung von Johannes Berschneider beim Bund Deutscher Architekten in Neumarkt.
Von Gerd Schlittenbauer

Armin Behles hielt in Neumarkt einen Vortrag. Foto: Schlittenbauer

Neumarkt.„Gratwanderungen“ hätte der Vortrag von Architekt Armin Behles am Mittwochabend im Maybach Museum ebenfalls heißen können. Der Referent betitelte das 94. Referat in der vom Pilsacher Architekten Johannes Berschneider organisierten Reihe mit „Körperbauten“. Zwei Werke seines Büros Behles & Jochimsen Architekten Berlin entstehen derzeit ganz in der Nähe: das Regensburger Viertel und der Neubau der Industrie- und Handelskammer in Nürnberg.

Gratwanderungen muss Behles deshalb bestreiten, weil es bei seinen Bauten immer wieder darum geht, eine sinnvolle Komposition aus Alt und Neu zu finden und weil er sich oft die Frage stellt: Farbe – oder keine Farbe?

„Alt und Neu“ heißt das Thema beim aktuellen Bau der IHK Nürnberg, direkt unterhalb der Sebalduskirche. Genau genommen entsteht dort das „Haus der Wirtschaft“. Hier erläuterte Armin Behles die Vorgabe, denkmalsgeschützte Häuser zu integrieren und nicht denkmalsgeschützte Elemente aus den 50er Jahren ersetzen zu können. Daraus ein stimmiges Ganzes zu schaffen, bedeute ebenfalls eine Gratwanderung – mitten im Zentrum Nürnbergs. Behles schildert Details: „Spitzdächer der Altstadt werden erhalten, der Eingang soll schon vom Hauptmarkt aus sichtbar gemacht werden und wird deshalb nach rechts verschoben.“ Auch Läden und ein Restaurant beherberge das künftige Haus der Wirtschaft, kündigte der Architekt an. Er kreiere eine Vortragshalle für 400 Personen im Gebäude, schaffe eine große Kundenhalle und Open-Space-Büroräume. Doch es gebe auch kleine Denkstuben. Der Bau der Bayerischen Staatsbank (1949 bis 1951) des Architekten Sep Ruf habe als Vorbild für das neue IHK-Gebäude gedient, „das so nur in Nürnberg stehen kann“. Behles stattet das Haus mit „Traufknickfenstern“ aus: Solche gab es schon mal 1906 in Weimar.

500 Wohnungen werde der Freistaat im „Regensburger Viertel“ an der Regensburger Straße in Nürnberg bauen, etwa die Hälfte davon seien sozialer Wohnungsbau, sagte Behles. Formen eines von Sabbatini in Rom entworfenen Gebäudekomplexes dienten dem Berliner Architekturbüro hier als Vorbild.

Wert auf Bestandserhaltung legte Behles beim Neubau der Kindertagesstätte „Griechische Allee“ in Berlin, viel mit Farbe arbeitete das Büro beim Bau eines Forschungszentrums für Biomedizin in Gießen. Dort waren farbige iPods Vorbild für eine 500 Meter lange Fassade, die Farbe kehrt im Inneren in den Obergeschossen wieder. Im Gegensatz dazu wurde ein Uni-Bau in Luxemburg von Armin Behles mit gedämpftem Klinker betont grau gehalten – einem in der Nähe befindlichen Stahlwerk geschuldet.

Weitere Nachrichten aus der Region Neumarkt finden Sie hier.

Kennen Sie schon unsere ePaper-Angebote? Alle Informationen dazu finden Sie hier.

Hintergrund

  • Organisation:

    Veranstalter der Vortragsreihe ist der Bund Deutscher Architekten (BDA) mit der Stadt und dem Landkreis Neumarkt, der VHS und der Bayerischen Architektenkammer. Organisator ist Johannes Berschneider.

  • Referent:

    Armin Behles studierte 1985 bis 1992 Architektur an der TU Berlin und ETH Zürich. 1994 bis 1999 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule der Künste Berlin,

  • Beruf:

    1999 gründete Behles die Behles & Jochimsen Architekten GbR. 2004 bis 2005 war er Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seit 2009 ist er im Kuratorischen Team der BDA-Galerie Berlin, 2014 bis 2016 hatte er eine Vertretungsprofessur an der TU Darmstadt. (ngs)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht