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Kann man fünf Tage ohne Plastik leben?

MZ-Volontärin Katharina Eichinger hat versucht, ganz ohne Plastik auszukommen. Das ist gar nicht so einfach.
Von Katharina Eichinger

Das meiste Obst und Gemüse gibt es auch ohne Kunststoffverpackung, vieles ist aber teurer.
Das meiste Obst und Gemüse gibt es auch ohne Kunststoffverpackung, vieles ist aber teurer. Foto: Bayer

Tag 1: Ohne Planung geht es nicht

Schon beim Aufwachen versage ich an meinem ersten plastikfreien Tag: Mein Plastikhandy weckt mich. Es hängt an einem Plastikladekabel und steckt in einer Plastiksteckdose. Doch hier habe ich schon im Vorfeld recherchiert: Im Elektronikbereich ist kompletter Plastikverzicht unmöglich. Die einzige Alternative, auf die ich gestoßen bin, ist, diese Geräte zu meiden. Es gibt tatsächlich Menschen, die genau das tun. Allerdings ist sowas heutzutage kaum möglich. Ich benötige während der Arbeit ein Telefon, einen Computer und eine Kamera.

Die Mittagspause kann mit ein bisschen Vorbereitung plastikfrei gestaltet werden.
Die Mittagspause kann mit ein bisschen Vorbereitung plastikfrei gestaltet werden. Foto: Bayer

Ich akzeptiere diesen frühen Rückschritt und konzentriere mich stattdessen auf mein plastikfreies Mittagessen.

Tag 2: Ein Zweig wird zur Zahnbürste

Aufs Duschen habe ich mich vorbereitet. Im Vorfeld habe ich bereits von „No Poo“-Projekten gelesen: Man wäscht sich die Haare nur mit Wasser. Das wollte ich meinen Kollegen nicht antun. Also habe ich mir von einer Seifenmanufaktur Shampoo in fester Form bestellt. Unter der Dusche bin ich erst einmal überfordert.

Im Bad ist es schwierig, auf Plastik zu verzichten. Ich habe zumindest reduziert.
Im Bad ist es schwierig, auf Plastik zu verzichten. Ich habe zumindest reduziert. Foto: Pollok

Im Laufe des Tages stellt mich Zähneputzen und Rasieren vor eine weitere Herausforderung.

Tag 3: Rückfall im Gericht

Die ersten zwei Tage habe ich konsequent mit Bleistift geschrieben, heute muss ich zum Gericht. Der Prozess versprach schon im Vornhinein, lange zu dauern, also breche ich erneut mit meinem Vorhaben und greife zum Kugelschreiber. So schreibt es sich auf einem neunstündigen Gerichtstermin einfach angenehmer. Als im Gericht nach den ersten fünf Stunden Verhandlung Wasser in Plastikflaschen ausgegeben wird, nehme ich trotzdem dankend an.

Der Gelbe Sack bleibt zwar leer, allerdings war mein Papiermüll – auch dank diverser Bestellungen – noch nie so voll.
Der Gelbe Sack bleibt zwar leer, allerdings war mein Papiermüll – auch dank diverser Bestellungen – noch nie so voll. Foto: Eichinger

Abends will ich einfach nur nach Hause, doch bis ich plastikfreies Toilettenpapier finde, vergeht noch eine gefühlte Weltreise.

Tag 4: Kuriositäten im Supermarkt

Meinen plastikfreien Lebensmitteleinkauf habe ich mir tatsächlich etwas einfacher vorgestellt. Eigentlich war ich immer der Meinung, dass meine Nudeln komplett in Pappe verpackt sind. Fehlanzeige.

Das meiste Obst und Gemüse gibt es auch ohne Kunststoffverpackung, vieles ist aber teurer.
Das meiste Obst und Gemüse gibt es auch ohne Kunststoffverpackung, vieles ist aber teurer. Foto: Bayer

Den vollständigen Text finden Sie Im Supermarkt entdecke ich weitere unnötige Plastikverpackungen. Eine besonders kuriose Entdecken mache ich bei den Eiern.

Tag 5: Bio heißt nicht gleich Bio

Erst als meine Kollegin mich darauf anspricht, wird mir bewusst: Ich habe mir überhaupt keine Gedanken um meine Müllbeutel gemacht. Mülleimer aus Metall gibt es in rauen Mengen, aber was ist mit Tüten? In der Drogerie entdecke ich kompostierbare Biomüllbeutel und schlage begeistert zu. Später kommt allerdings die Ernüchterung...

Citrusscheiben im Essig sollen den beißenden Geruch nach dem Putzen vermeiden.
Citrusscheiben im Essig sollen den beißenden Geruch nach dem Putzen vermeiden. Foto: Eichinger

Putzen habe ich bis zum letzten Tag herausgezögert. Auch das war gar nicht so leicht, wie ich es mir vorgestellt habe.

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Einfache Tipps zum Verzichten

  • Bioläden verkaufen

    viele Produkte im Glas, die es im Supermarkt nur in der Kunststoffverpackung gibt.

  • Haar- und Körperpflegeprodukte,

    die ohne Plastik auskommen, bieten spezielle Online-Shops auch in Probegrößen an. So lässt sich – ohne viel Geld ausgeben zu müssen – herausfinden, welche Seifen oder Deocremes für die eigene Routine geeignet sind.

  • Gewürze werden oft

    in Plastiktüten verkauft. Meist wird man im Reformhaus oder auf dem Wochenmarkt genauso fündig.

  • Taschentücher gibt es

    anstatt in einzelnen Päckchen auch im Pappspender.

  • Partygeschirr und -besteck

    gibt es auch aus Holz, Pappe oder Maisstärke.

  • Eine gute Grundausstattung

    macht den Verzicht leichter: Stoffbeutel, Einweckgläser, Glasflaschen machen den Alltag leichter.

  • Strohhalme bestehen meist

    aus Plastik. Dabei lässt sich der Latte Macchiato oder der Cocktail auch ohne trinken.

  • Kassenzettel sind aus

    Thermopapier, die – genau wie herkömmlicher Kunststoff – Weichmacher und Bisphenol enthalten. Beide Stoffe können der Gesundheit schaden.

  • Beim Einkauf kann

    man darauf achten, ob es ein ähnliches Produkt auch weniger aufwendig verpackt gibt. Oft sind Bananen in Folie eingewickelt, während es sie auch ohne Verpackung gibt.

  • Viele Kosmetikprodukte

    enthalten Mikroplastik. In den Inhaltsstoffen haben Kunststoffe verschiedene Bezeichnungen. Im Zweifel Naturkosmetik kaufen oder nachfragen.

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