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Justiz

Kindersicherungen kamen Mutter teuer

Eine 28-Jährige hatte in Parsberg Möbelsicherungen gestohlen – jetzt stand sie vor dem Neumarkter Amtsgericht.
Von Helmut Sturm

Eine 28 Jahre alte Mutter von vier Kindern stand vor dem Neumarkter Amtsgericht. Foto: Heil
Eine 28 Jahre alte Mutter von vier Kindern stand vor dem Neumarkter Amtsgericht. Foto: Heil

Neumarkt.Wegen gemeinschaftlich begangenen Diebstahls in einem minder schweren Fall standen eine 28-jährige Mutter von vier Kindern und ein 33-jähriger Lagerarbeiter am Dienstag vor Gericht. So zumindest lautete die Anklage zu Beginn der Hauptverhandlung.

In einem Parsberger Geschäft ließ die Frau am 25. Januar 2019 zwei Kindersicherungen für Möbel im Wert von um die 13 Euro mitgehen. Sie nahm sie aus der Verpackung und steckte sie in den Kinderwagen. Die leere Verpackung und die Videoaufnahmen ließen den Diebstahl jedoch schnell auffliegen. Die beiden Angeklagten kamen am nächsten Tag dann nochmals ins Geschäft.

33-Jähriger hatte nichts mitbekommen

Die junge Frau stand erstmals vor Gericht. Für den 33-Jährigen wurde es brenzlig. Er stand noch unter Bewährung und Führungsaufsicht. Der als Zeuge geladene Geschäftsführer aus Parsberg bestätigte anhand der Videoaufzeichnungen, dass der Angeklagte beim Diebstahl der Möbelsicherungen abseits stand und den Vorgang nicht bemerkt haben könnte. Pflichtverteidiger Jürgen Mederer bestätigte, dass sein Mandant von dem Diebstahl seiner Begleitung nichts mitbekommen habe.

Amtsrichter Würth kam ebenfalls zu dem Schluss, dass eine Mitwisser- oder Mittäterschaft nicht zweifelsfrei nachzuweisen sei. Der zur Verhandlung hinzugezogene Bewährungshelfer stellte dem Angeklagten ein ziemlich gutes Zeugnis aus. „Es läuft ganz gut mit ihm.“ Sein Alkoholproblem habe er im Griff, seine Polizei-Allergie ebenfalls und beruflich stehe er vor der Übernahme als Zeitarbeiter in die Stammbesatzung. Mit dem Einverständnis des Vertreters der Staatsanwaltschaft stellte Richter Rainer Würth gemäß §153/2 das Verfahren gegen den Angeklagten ein.

„Ich habe die Möbelsicherungen gesehen und fand sie ganz sinnvoll in meiner persönlichen Situation.“

Die Angeklagte

So blieb zur Ahndung noch der nachgewiesene Diebstahl der jungen Frau. Bei dieser Beweislage legte sie sofort ein Geständnis ab. Die folgenden Fragen des Gerichts zielten auf die Umstände des Diebstahls ab. War es ein geplanter und vorsätzlicher Diebeszug durch die Parsberger Geschäfte oder war es eine Affekthandlung? „Ich habe die Möbelsicherungen gesehen und fand sie ganz sinnvoll in meiner persönlichen Situation. Ich wollte sie unbedingt haben, hatte aber kein Geld dabei und habe sie ohne groß nachzudenken einfach eingesteckt.“

In Abwägung aller Umstände des nun nicht mehr als gemeinschaftlich begangen zu wertenden Diebstahls forderte der Vertreter der Anklage, Thomas Leykam, eine Geldstrafe von 1050 Euro und die Übernahme der Gerichtskosten.

Die Angeklagte nahm die Ausführungen der Staatsanwaltschaft hin und verzichtete auf ihr Recht, sich abschließend nochmals zu äußern.

In seinem Urteilsspruch reduzierte Amtsrichter Würth die Geldstrafe auf 750 Euro – in Anbetracht der prekären finanziellen Situation der jungen Frau mit ihren vier Kindern, des geringen Wertes des Diebesgutes und ihrer Ersttäterschaft.

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