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Glaube

Kirche: Aufbruch in eine neue Zeit

Mit einem „Entdeckertag“ soll in den katholischen Dekanaten des Landkreises Neumarkt eine Veränderung eingeläutet werden.
Von Eva Gaupp

Christian Schrödl ist seit eineinhalb Jahren der neue Dekanatsreferent. Foto: Gaupp
Christian Schrödl ist seit eineinhalb Jahren der neue Dekanatsreferent. Foto: Gaupp

Neumarkt.Die katholische Kirche ist verstaubt, gefangen in verkrusteten Strukturen, spricht den Menschen in seiner modernen Lebenswelt nicht mehr an. Auf diese Kritik gibt es zwei Reaktionen innerhalb der Katholischen Kirche: Die einen besinnen sich zurück auf die Traditionen, schärfen das Profil, die anderen versuchen, neue Wege zu gehen. Zu letzterer Gruppe gehört auch der Dekanatsreferent Christian Schrödl.

„Angesichts der Inszenierungen, die die Menschen in ihrem Lebensumfeld erleben, wirkt Gottesdienst oft eher langweilig“, sagt er. Selbstverständlich kann man eine Messe nicht mit einem Modelcasting vergleichen und Schrödl will diese Angebote auch nicht als Konkurrenz verstehen. Dennoch müsse Kirche „wieder näher dran sein am Leben der Menschen“.

Startschuss am Habsberg

Ein erster Impuls dazu soll ein „Aufbruch- und Entdeckertag“ am 11.April im Diözesanjugendhaus am Habsberg 4 sein. Akteure in den Gremien der Gemeinden der beiden Dekanate im Landkreis sowie interessierte Christen sind eingeladen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu überlegen, wo Kirche konkret Krusten aufbrechen kann.

Dabei gehe es jedoch nicht darum, eine Revolution loszutreten, macht Christian Schrödl im Gespräch mit der MZ klar. Eine über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte entwickelte Mentalität könne nicht von heute auf morgen verändert werden. Es gehe darum, kleine Schritte zu gehen, sich realistische Ziele zu setzen. Denn in der Diözese Eichstätt haben bereits vergleichbare Veranstaltungen stattgefunden.

Doch wo ansetzen? Vor allem bei jedem Einzelnen. „Religion ist für viele nur noch ein Teil des Alltags, der zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort gelebt wird“, bringt es der Dekanatsreferent auf den Punkt. Nämlich meistens im Gottesdienst, ein paar Mal im Jahr. Aber in der Familie, im Verein, im Beruf oder am Stammtisch werde der Glaube nicht thematisiert. Für viele Menschen sei er fast sogar ein Tabu-Thema geworden. Deshalb gehe es in erster Linie bei einem Neuanfang darum, Menschen zu ermutigen, wieder über ihren Glauben zu sprechen, „ihn aus der Ecke ihres Lebens herauszuholen“.

Dazu fällt Schrödl die Schrift „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus ein. „Wenn ich seine Zeilen lese, bekomme ich immer wieder Gänsehaut“, lächelt Schrödl. „Es ist ganz leicht geschrieben, aber schwere Kost.“ Warum? Weil Papst Franziskus ganz klar jeden Christen in den Dienst der Frohen Botschaft stellt. Jeder Christ ist ein Missionar, der die Botschaft Jesu in die Welt hinaustragen soll.

Leichter gesagt als getan. Deshalb steht am Anfang des Aufbruch- und Entdeckertags ein Kurzfilm. In „Herr im Haus“ ist Jesus plötzlich von seinem Kreuz in der Kirche verschwunden. Er wirft die Frage auf: Wie soll sich Kirche gegenüber den Menschen verhalten? Und es wird über die Geschichte des ungläubigen Thomas gesprochen was braucht es heute, um glauben zu können? Welche Erfahrungen haben Menschen mit Kirche und Gott gemacht?

Sind Angebote noch zeitgemäß?

Fakt ist, dass die katholischen Gemeinden in den beiden Dekanaten eine Vielzahl an Angeboten in ihrem Repertoire haben: neben verschiedenen Gottesdiensten auch Pfarrfeste, Jugendkonzepte und Seniorenthemen. Doch egal, wie viel Mühe sich die Organisatoren geben – sie erreichen viele Menschen nicht. „Wir sind zu sehr auf die Vergangenheit ausgerichtet. Wir versuchen, sie aufrecht zu erhalten, aber wir werden sie nicht in die Zukunft retten können“, sagt Christian Schrödl. Wenn die erhoffte Resonanz ausbleibe, schaffe das Frust.

Deshalb gelte es zu überlegen, wo man neue Ansätze einbringen könne: in die Liturgie, in die Gremien, in die Veranstaltungen. Wie in der Geschichte der ersten Apostel, die sich erst verborgen hätten, gehe es darum, die Türen aufzustoßen, hinauszugehen, nicht hinter der Kirchentür zu verstecken, sondern „eine Brücke bauen von Jesus in die Lebenswelt der Menschen“, wie es der Dekanatsreferent nennt. „Das ist nicht einfach“, schiebt er direkt nach. Dazu müsse der Einzelne in der Kirche mehr Freiheit und mehr Verantwortung bekommen.

Und welche Chancen bestehen, dass die Neuerungen auch umgesetzt werden? Natürlich müssten Kirchenleitung, Pfarrer und auch die Entscheider in Eichstätt letztlich mitziehen, sagt Christian Schrödl. Weitere Treffen und Veranstaltungen zum „Auftanken“ der Akteure seien deshalb im Laufe des Jahres geplant. „Das ist nicht einfach. Aber irgendwo müssen wir ja einmal anfangen.“

Der Aufbruch- und Entdeckertag

  • Termin:

    Samstag, 11. April, 9.30 bis 17 Uhr im Diözesanjugendhaus Habsberg (Habsberg 4, 92355 Velburg)

  • Zielgruppe:

    Geistliche, Mitglieder von Pfarrgemeinderäten sowie anderen Gremien und kirchlichen Verbänden, aber auch interessierte katholische Christen.

  • Konzept:

    Es ist keine allgemeine Bildungsveranstaltung, sondern ein Workshop, bei dem sich jeder aktiv einbringen soll.

  • Anmeldung:

    bis 31. März im Dekanatsbüro Neumarkt, Tel. (0 91 81) 511 89 50, Email: dekanat.neumarkt@bistum-eichstaett.de.

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