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Neumarkt
Dienstag, 21. August 2018 28° 1

Botanik

Kreuzkräuter – schön, aber sehr giftig

In anderen Regionen sind sie eine Plage. Im Landkreis gibt es bisher nur wenige. Doch die Blumen verbreiten sich schnell.
von Claudia Pollok

Zum Vergleich: Barbara Lattrell hält in ihrem Garten Kreuzkräuter (links) und andere Korbblütler (links) in ihren Händen.
Zum Vergleich: Barbara Lattrell hält in ihrem Garten Kreuzkräuter (links) und andere Korbblütler (links) in ihren Händen. Foto: Pollok

Neumarkt.Auf den ersten Blick sehen die gelben Blumen in den Wiesen und entlang von Straßen und Wegen hübsch aus. Doch die Kreuzkräuter, auch Greiskräuter genannt, sind für Tiere und Menschen giftig. Im Norden Deutschlands sind sie schon seit Jahren ein Problem. Im Landkreis fallen sie bis jetzt nur stellenweise ins Auge. Doch Kreuzkräuter verbreiten sich schnell. Deshalb warnt Diplom-Agraringenieurin Barbara Lattrell vor der Gefahr und fordert Präventionsmaßnahmen.

Kreuzkräuter schädigen die Leber

Die Blüten der Kreuzkräuter
Die Blüten der Kreuzkräuter Foto: Pollok

Kreuzkräuter enthalten Pyrrolizidinalkaloide (PA). Diese schädigen die Leber, erklärt Lattrell. Besonders gefährdet seien Pferde und Rinder. Auf der Weide würden die Tiere Kreuzkräuter zwar meistens meiden, aber im Heu oder in der Silage könnten sie die Pflanzen nicht erkennen. Das kann laut Lattrell zur Vergiftung führen, selbst wenn Tiere nur kleinere Mengen – diese aber über einen längeren Zeitraum – zu sich nehmen. Denn das Gift sei im Körper nur teilweise abbaubar und sammelt sich daher an.

Menschen seien weniger gefährdet als Tiere. Aber PA seien bereits in Honig, Kräutertees, Milch und Eiern nachgewiesen worden, sagt Lattrell. Die Blumen zu pflücken sei normalerweise ungefährlich. Sie rate jedoch, bei der Entsorgung der Pflanzen Handschuhe zu tragen.

Dabei komme es ihr erst einmal darauf an, dass Landwirte und Gartenbesitzer die Kreuzkräuter überhaupt erkennen: „Wahllos gelbe Blumen auszureißen, bringt gar nichts.“ Kreuzkräuter würden anderen Korbblütlern wie dem ungiftigen Wiesen-Pippau sehr ähnlich sehen. Doch im Gegensatz zum Pippau oder Löwenzahn habe das Kreuzkraut in der Mitte eine Scheibe, um die zungenförmigen Blütenblätter angeordnet seien.

Kreuzkräuter breiten sich laut Lattrell anfangs besonders entlang von Straßen und Wegen aus. Jakobskreuzkraut sei vor allem auf Weiden, die durch den Tritt der Tiere Narbenschäden aufweisen und auf trockenen, ungedüngten und artenreichen Wiesen zu finden. Intensiv bewirtschaftetes, wüchsiges Grünland sei hingegen kaum betroffen. Im Landkreis habe sie größere Pflanzenbestände bei Berg, Lauterhofen, Freystadt, Parsberg und rund um Pilsach gesehen.

„Bedingt durch die starke Trockenheit in den letzten Wochen befürchte ich einen erneuten Ausbreitungsschub. Treten Kreuzkräuter erst einmal in Massen auf, sind sie kaum mehr in den Griff zu bekommen“, sagt Lattrell.

Nur Prävention hilft

Kreuzkräuter sollten immer mit den Wurzeln ausgerissen werden.
Kreuzkräuter sollten immer mit den Wurzeln ausgerissen werden. Foto: Latrell

Die Hauptblütezeit ist laut Lattrell um den Jakobi-Tag am 25. Juli. Deswegen werde die Pflanze Jakobskreuzkraut genannt. Dass sich die Pflanzen in einigen Regionen so schnell verbreiten konnten, liegt Lattrell zufolge auch daran, dass die Samen jahrelang entlang von Verkehrswegen und auf Stilllegungsflächen ausgesät wurden.

Außerdem habe sie nachweisen können, dass Landwirte die Samen unfreiwillig auf ihren Wiesen verteilen: Die Samen würden an den Reifen der Traktoren haften und sich in Kreiselmähwerken ansammeln. Die Fahrzeuge und Geräte nach Kontakt mit aussamenden Kreuzkräutern zu reinigen, könnte Lattrell zufolge helfen, die Ausbreitung zu verhindern.

Für sie ist deswegen klar: Nur Prävention kann die Ausbreitung im Landkreis stoppen. Einigen scheine die Gefahr noch nicht bewusst zu sein, sagt sie. Ihre Heimatgemeinde Berg ginge aber vorbildhaft gegen die Kreuzkräuter vor.

Lattrell in Freystadt
Lattrell in Freystadt Foto: Lattrell

Die Landwirte hätten keine Chance, ihre Futterflächen frei von Kreuzkraut zu halten, wenn immer wieder ein Eintrag von außen erfolgt. Daher habe sie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über ihre Funde informiert und Straßenmeistereien und den Bauhof um Mithilfe gebeten und deren Mitarbeiter geschult. Unter anderen habe sie auch Freystadts Bürgermeister Alexander Dorr bei einem Rundgang über Kreuzkräuter informiert.

Vorsicht bei der Entsorgung

Einzelpflanzen sollten Lattrell zufolge möglichst mit den Wurzeln ausgestochen oder ausgerissen werden. Gemäht werden sollten betroffene Flächen erst kurz vor oder zu Beginn der Blüte. Etwa vier bis acht Wochen später müsse aber nochmals gemäht werden, wenn die Pflanzen erneut blühen. Besonders wichtig sei es, die blühenden Kreuzkräuter nicht liegen zu lassen, da sie dann zur „Notreife“ kommen und sich besonders stark vermehren. Mulchen in der Vollblühte sei also kontraproduktiv.

Laut Lattrell gehören Kreuzkräuter nicht in den Kompost oder den Misthaufen, sondern sicher verpackt in den Restmüll. Das letzte Mittel seien Unkrautbekämpfungsmittel. Als Agraringenieurin der Fachrichtung „Umweltsicherung“ setzt sich Lattrell aber dafür ein , die Natur so wenig zu schädigen wie nur möglich; und das ginge eben nur mit den beschriebenen Vorsorgemaßnahmen.

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