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Schulfahrten

Lieblingsziele der Neumarkter Schüler

London, Rom oder Paris sind Klassiker bei Abschlussfahrten. Aber auch Urlaubsregionen werden zunehmend beliebter.
Von Stefanie Roth und Sarah Bloos

Urlaubsregionen wie Italien oder Kroatien sind auch bei Schülern für Schulfahrten beliebt. Symbolfoto: TravelWorks/dpa
Urlaubsregionen wie Italien oder Kroatien sind auch bei Schülern für Schulfahrten beliebt. Symbolfoto: TravelWorks/dpa

Neumarkt.Metropolen sind Klassiker bei Abschlussfahrten, vorausgesetzt es gibt überhaupt welche. Schulleiter Bernhard Schiffer hat keine einzige Erinnerung an eine Abschlussfahrt. Und das hat auch einen guten Grund. Es gab damals schlichtweg keine.

Umso mehr liegt es ihm am Herzen, dass Schüler etwas von der Welt sehen. Welche Schule in Neumarkt hat aber das coolste Reiseziel? China und Amerika sind auch dabei, das kann schon mal verraten werden – wir haben den großen Check gemacht: Welche Schule fährt wohin und fahren sie überhaupt weg? Möglichkeiten gibt es genügend: Vom Skikurs über Austauschprogramme bis hin zum Wandertag.

Wenn es keine Abschlussfahrt gibt

Beim Stichwort Abschlussfahrt werden auch in der Redaktion Erinnerungen wach. Redakteurin Katrin Böhm (links) ist mit ihrer Austauschpartnerin aus den USA zu sehen. Foto: Böhm
Beim Stichwort Abschlussfahrt werden auch in der Redaktion Erinnerungen wach. Redakteurin Katrin Böhm (links) ist mit ihrer Austauschpartnerin aus den USA zu sehen. Foto: Böhm

Schulleiter Bernhard Schiffer kam nicht in den Genuss und er trauert der Sache heute wohl noch ein wenig nach. „Am Gymnasium Lauf wurde uns damals eine Abschlussfahrt verweigert – ein Grund mehr, dass ich mich als Schulleiter für den Erhalt der Studienfahrten einsetze“, sagt der Direktor des Willibald-Gluck-Gymnasiums (WGG). Ähnlich wie ihm erging es einer Userin auf Facebook, die nach unserem Aufruf zu Abschlussfahrten schreibt: „Also wir hatten keine Abschlussfahrt. (...) Sehr unfair, aber naja.“ Auf Nachfrage teilt die junge Frau mit, dass wohl zwei bis drei Störenfriede in der Klasse gewesen seien und eine „böse Klasse“ könne auch nicht auf Abschlussfahrt fahren.

„Ich gönne den Leuten eine letzte gemeinsame Fahrt. Das ist, was wir den Schülern genauso mitgeben wie das Abiturzeugnis.“

WGG-Schulleiter Bernhard Schiffer


„Wir waren nicht brav genug“, dieses Gefühl hat auch Schulleiter Bernhard Schiffer, wenn man ihn nach Gründen fragt. Natürlich sagt er das im Scherz, konkrete Gründe kenne er nicht, seine Schulzeit liegt über 40 Jahre zurück. Und dennoch zeigt es, wie wichtig eine Abschlussfahrt für Schüler auch heute noch sein kann.

Toskana, Amrum, Österreich

Die Gymnasiasten am WGG haben in der Q11 haben dank Schiffer eine breit gefächerte Auswahl: Darunter ist die Ewige Stadt Rom in Italien, die Hafenstadt Danzig in Polen oder Wien, die Hauptstadt Österreichs. Aber auch echte Urlaubsregionen wie die Toskana, die Mecklenburgische Seenplatte oder Amrum, die Insel, die als Perle der Nordsee gilt. Die neunte Klasse der Mittelschule West fährt nach Venedig und an den Gardasee.

Klicken Sie auf das Foto und erfahren Sie, wohin für diese Menschen ihre Abschlussfahrt ging.

Berlin und der Bundestag

In der Maximilian-Kolbe-Schule fahren einzelnen Kurse nach Brüssel, Granada, Helgoland und Berlin. Bei der Recherche zeigt sich, dass die meisten Schulen auch immer ein Ziel in Deutschland auswählen. Die neunte Klasse der Mittelschule an der Weinberger Straße beispielsweise reist nach Berlin und verbindet dies mit einem Besuch des Bundestages, wie Rektorin Petra Zeitler mitteilte.

Südtirol oder Istrien

Die diesjährigen Ziele der Knabenrealschule führten die Schüler nach Dresden, Südtirol und Istrien. Im kommenden Schuljahr sei Paris geplant. „Die Organisation erfolgt in der Regel über die Klassenleitungen. Es ist allerdings auch möglich, die Schüler mit in die Organisationsarbeiten mit einzubeziehen“, informiert Sabine Söllner-Gsell, Schulleiterinder Staatlichen Realschule für Knaben.

„Wir sind sind ans Meer an einen Campingplatz nach Carole gefahren.“

Schülerin Franziska Ernst

Die 15-jährige Franziska Ernst kann sich noch gut an die Besprechung mit den Schulkolleginnen für die Auswahl des Ziels erinnern: „Nur ein paar wollten woanders hin. Es war gar nicht so schwer, sich zu einigen. Wir sind sind ans Meer an einen Campingplatz nach Carole gefahren. Die Mehrheit war dafür“, sagte die 15-jährige Schülersprecherin der Staatlichen Realschule für Mädchen in Neumarkt.

Erinnerungen an Schulfreundinnen

Die Schülerinnen der Mädchenrealschule machten auch einen Ausflug nach Venedig. Foto: Franziska Ernst
Die Schülerinnen der Mädchenrealschule machten auch einen Ausflug nach Venedig. Foto: Franziska Ernst

Die Lehrerin habe die Ziele vor Ort ausgesucht, wie etwa einen Ausflug nach Venedig, von dem Franziska Ernst viele Erinnerungsbilder mit ihren Schulfreundinnen gemacht hat. Andere Schulkameraden haben sich für Hamburg, die Normandie oder die Nordsee entschieden – alles Ziele, die mit dem Bus angesteuert werden können. „Eine Flugreise haben wir gar nicht überlegt, rein preislich ist das schon gar nichts“, sagt Franziska Ernst.

Fliegen oder Bus fahren

Hinzu kommt der Umwelt-Gedanke, wenn es ums Fliegen geht. Auch Schulleiter Schiffer behält dies stets im Hinterkopf: „Wir versuchen, so wenige Flugreisen wie möglich durchzuführen; allerdings lassen sie sich nicht immer vermeiden“, erklärt er und denkt dabei an den Aufenthalt in Wisconsin in den USA. Es ist das weiteste entfernte Ziel der Schule.

Austausch mit China

Dabei handelt es sich um ein Austauschprogramm, das es bereits über 20 Jahre gibt. Jedes Jahr nehmen etwa 15 Schüler der zehnten und elften Klassen daran teil. Ulrike Severa, Schulleiterin am Ostendorfer-Gymnasium hält einen Austausch dieser Art ebenfalls für bedeutsam, auch wenn man ums Fliegen dabei nicht herumkommt: „Bei allen Unterschieden merkt man doch, dass man auch Gemeinsamkeiten hat, wie dass man gemeinsam lachen kann.“ Das zeige sich im Austausch mit Ningbo in China regelmäßig.

Abschlussfahrt abgelehnt

Schulleiterin des Ostendorfer-Gymnasiums in Neumarkt, Ulrike Severa, hatte selbst keine Abschlussfahrt und hält Schülerreisen aus mehreren Gründen für sinnvoll. Foto: Ludwig
Schulleiterin des Ostendorfer-Gymnasiums in Neumarkt, Ulrike Severa, hatte selbst keine Abschlussfahrt und hält Schülerreisen aus mehreren Gründen für sinnvoll. Foto: Ludwig

Sie selbst erzählt ebenso wie Schulleiter Schiffer, dass sie keine Abschlussfahrt erlebt hat, weil es keine gab. „Ich habe 1974 in Regensburg Abitur gemacht und unsere Klasse wollte damals nach Budapest fahren“, sagt sie. Ihr damaliger Schulleiter habe dies mit der Begründung abgelehnt, dass er einen bayerischen Beamten, sprich Begleitlehrer, auf keinen Fall in ein kommunistisches Land fahren lasse. Und dann stellte er eine ganz andere Frage in den Vordergrund: „Waren Sie schon einmal in Vilsbiburg?“ Als viele Schüler das verneinten, meinte der Schulleiter wohl: „Dann lernen Sie erst einmal Ihre bayerische Heimat kennen, bevor Sie in den Ostblock fahren.“

Protest war laut Severa zwecklos. Sie sei froh, dass es heute zahlreiche Möglichkeiten gebe, Erfahrungen zu sammeln, auch wenn das den „ökologischen Fußabdruck“ nicht immer besser mache. Eine Schülerreise hält Severa immer für sinnvoll, denn es gehe um das Gemeinschaftserlebnis mit Gleichaltrigen, um das Wohnen und Leben in einer Gastfamilie und um den Zugang zu einem anderen Land mit seiner Sprache und Kultur. Das könne eine private Reise mit den eigenen Eltern nicht ersetzen.

Ziele der Neumarkter Schulen

  • Ostendorfer-Gymnasium:

    Das Gymnasium bietet einen Schüleraustausch mit Ningbo in China an sowie mit Issoire in Frankreich, Bergamo in Italien, Zaragoza in Spanien und Pécs in Ungarn. Sprachreisen finden nach England statt. In der 10. Klasse geht es im Rahmen von „Kultour“ – Ziele mit UNESCO Weltkulturerbestatus“ dieses Jahr ans Wattenmeer und unter anderem an den Gardasee. Der Skikurs der 7. Klasse findet jedes Jahr in Südtirol statt. Die 5. Klasse fährt jährlich ins Schullandheim im Bayerischen Wald.

  • Mittelschule West:

    Die 9. Klasse fährt nach Venedig und an den Gardasee. Sonstige Schülerfahrten finden in der 6. Klasse statt. Die M8 geht in den Bayrischen Wald und nach Berlin. Skikurse gibt es auch, nur dieses Jahr fallen diese aus.

  • FOS/BOS:

    Die Schule veranstaltet Exkursionen oder Fahrten von Kursen. Ziele in diesem Jahr sind und waren Brüssel, Granada, Helgoland und Berlin.

  • Mittelschule Weinberger Straße:

    Die Schüler der 7. Klassen fahren in den Skikurs nach Südtirol in die Nähe von Brixen. Die Abschlussfahrt der 9. Klassen führt die Schüler nach Berlin. Dort besuchen sie auch den Bundestag. Die Abschlussfahrt der 10. Klassen geht nach Italien mit einem Besuch von Venedig. Unterschiedliche Klassenfahrten wie zum Beispiel Römertage in Regensburg, Jugendherbergsaufenthalte, Berufsorientierungscamp oder Umweltschulung in Habsberg stehen auch auf dem Programm.

  • WGG:

    Die Studienfahrten der Q11 führen nach Rom, Danzig, Wien, in die Toskana, Müritz und Amrum. Skikurse finden entweder in Oberau in der Wildschönau (Österreich) und in Pflersch in Südtirol (Italien) statt. Austauschprogramme gibt es mit Helensburgh (Schottland), Englandfahrt (Margate), Issoire (Frankreich; 2019 stattdessen Straßburg), Prag (Tschechische Republik) und Eau Claire, Wisconsin (USA).

  • Knabenrealschule:

    Die Ziele für die Abschlussfahrten waren Dresden, Südtirol und Istrien. Im nächsten Schuljahr ist erstmalig Paris geplant. Die 5. Klassen fahren ins Schullandheim nach Lambach/Bayer. Wald. Die Sportklassen (jeweils 1 Klasse der 5. und 6. Jahrgangsstufe) fahren nach Regenstauf ins Sportcamp. In der 7. Klasse findet ein einwöchiges Skilager (Mauterndorf/Österreich) statt. In der 8. Klasse haben die Schüler Gelegenheit, für eine Woche nach England zu fahren. In der letzten Schulwoche wird der Wandertag durch ein pädagogisch ausgerichtetes Fahrtenprogramm ersetzt: Die 5. Jahrgangsstufe fährt in den Nürnberger Zoo, die 6. Jahrgangsstufe nach Eichstätt, die 7. Jahrgangsstufe ins Freilandmuseum Neusath-Perschen, die 8. Jahrgangsstufe zur Flugwerft Oberschleißheim - bzw. voraussichtlich ab diesem Jahr zum Haus der bayerischen Geschichte Regensburg. Die 9. Jahrgangsstufe fährt ins Dokumentationszentrum Nürnberg.

  • Mädchenrealschule:

    Ziele für Abschlussfahrten sind Bibione, Hamburg, Normandie und Nordsee. Der Skikurs findet in Österreich statt. Schullandheime werden in der Umgebung besucht. Es gibt Sprachreisen nach England und Frankreich.

Kein Luxusleben wie zuhause

Ein Foto aus dem Familienalbum: Erinnerungen von einem Schüler-Austausch bleiben lebenslang im Kopf, wie etwa bei Katrin Böhm, in der Mitte mit Baby der Gastfamilie im Arm. Foto: Böhm
Ein Foto aus dem Familienalbum: Erinnerungen von einem Schüler-Austausch bleiben lebenslang im Kopf, wie etwa bei Katrin Böhm, in der Mitte mit Baby der Gastfamilie im Arm. Foto: Böhm

Egal, ob Schullandheim in der fünten Klasse, Skikurs in der siebten Klasse, Schüleraustausch oder Abschluss- bzw. Studienfahrt – eins steht immer im Vordergrund, wie Beratungsrektorin und Supervisorin (BDP) Katrin Wulff vom Staatlichen Schulamt in Neumarkt zusammenfasst: „Gemeinschaftliche Erlebnisse schaffen gemeinschaftliche Freude.“ Sie erinnert an viele kleine Details, die bei einer Schülerreise zum Tragen kommen: Der „Luxus eines Kinderzimmers“ entfällt während der Zeit im gemeinsamen Zimmer. Schüler und Lehrer erleben sich bei Klassenfahrten anders als im Unterricht. Kinder können neue Kontakte knüpfen und erleben, dass der Leistungsaspekt eine geringere Rolle spielt. Und wenn sozial schwache Familien Bedenken wegen der Kosten haben, könnten sie sich an die Lehrer wenden.

Wunschziel des Direktors

Schulleiter Bernhard Schiffer muss kurz überlegen, wo er gerne hingefahren wäre, wenn es denn eine Abschlussfahrt gegeben hätte. „London oder Paris“, sagt er. Akute Bestrebungen, Abschlussfahrten zu streichen gebe es nicht, dennoch sei es immer wieder mal ein Thema. Schließlich müssen reisende Lehrer im Unterricht ersetzt werden. Genügend Freiwillige für diese Fahrten gebe es und daher sagt Schiffer ganz klar: „Ich gönne den Leuten eine letzte gemeinsame Fahrt. Das ist, was wir den Schülern genauso mitgeben wie das Abiturzeugnis.“


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