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Neumarkt
Freitag, 17. August 2018 29° 3

Alstadtfest-Sonntag

Mick Jagger-Double und ein Blues-Buddha

Das Musikprogramm am dritten Tag bewies, warum Musik-Organisator Wolfgang Fuchs mit dem Konzept dieses Festes richtig liegt.
Von Lothar Röhrl

  • Die Swingin‘ Connection gehört zu einem Neumarkter Altstadtfest wie Musik-Organisator Wolfgang Fuchs und dessen gute Programm-Mischung. Fotos: Röhrl
  • CB 66 mit Christian Finger (r.) verbreiteten am Rathaus Western- and Country-Stimmung.
  • Oliver Steidle trat mit seinem hoch-gelobten Berliner Quartett „Field“ vor dem Pfalzgrafenschloss auf.
  • Alte Hasen in Sachen Blues: Blue Transfusion am Klostertor. Rechts Blues-Buddha, BT-Basser Rainer Schamberger.

Neumarkt.Ein etwa 20 Köpfe zählendes, klingendes Geburtstagskind. Vier Westernmusik-Überzeugungstäter, ein hochkarätiges Jazz-Quartett. Vier, die allen Fans der Rolling-Stones aus dem Herz gespielt haben. Und drei Veteranen des Blues-Rock. Unter anderem diese Angebote hat es am Altstadtfest-Sonntag gegeben.

26 Auflagen hat ein Neumarkter Altstadtfest mittlerweile. Bei jedem war die Big Band der städtischen Musikschule dabei. Und so war es natürlich eine Selbstverständlichkeit, dass die „Swingin’ Connection“ auch dann mit dabei ist, wenn sie ihr 30-jähriges Bestehen feiern kann. Ansonsten war alles so, wie es die Freunde des Frühschoppen-Auftritts von Dirigent Martin Miess und seinen Musikern erwarten dürfen: Die für Swing-Jazz wie gemachte Stimme der Sängerin Marina Hollweck, ein wie gewohnt für spaßige Moderation aufgelegter Moderator Florian Hartmann und ein Repertoire, das immer wieder auch auf Swing umgemodelte Pop-Songs enthielt. Wie immer ist an der Sparkassen-Bühne dieser Auftritt wie im Flug vergangen gewesen, als er um 13 Uhr zu Ende war.

Gut besucht war auch der Frühschoppen-Termin an der Rathaus-Bühne. Wo sonst bei jedem Altstadtfest Freunde der Unterhaltungsmusik und ab und zu auch des Dixieland-Jazz auf ihre Kosten kommen, hatte Programmmacher Wolfgang Fuchs wieder mal „CB 66“ positioniert. Die Band um den Neumarkter Christian Finger war stilecht im Western-Look gekleidet, als es von ihr die populäre Seite der Countrymusik wie „Rosegarden“ (Lynn Andersen) zu hören gab.

Am Nachmittag ging es auf der Bühne am Unteren Markt so weiter, wie es Wolfgang Fuchs als „roten Faden“ für das diesjährige Musikprogramm versprochen hatte: Mit einem neuen Namen der heimischen Szene. „Roxxtones“ nennen sich vier Herren, die teils selbst mit den „Rolling Stones“ groß geworden sind. Oder denen Mick Jagger & Co. eine Prägung mit für ihr Musikerleben gegeben haben. Vladimir Keller aus dem Raum Pyrbaum ist der in Ehren ergraute Bandleader. Der Hilpoltsteiner Daniel Nees ist akustischer und vor allem optischer Frontmann der Band. Gut behütet sprang Nees im Jagger-Stil über die Bühne und gab aber auch Songs der Hollies, Doors und von CCR zum Besten. Wenn diese Vier demnächst beim „Stadttorfest“ in Freystadt auftreten, gibt es sicher ein Wiedersehen mit neuen, am Sonntag gewonnenen Freunden.

Auf Jazz-Schlagzeuger Oliver Steidle ist Verlass: Immer wenn der Wahl-Berliner, der in Pyrbaum aufgewachsen ist, bei einem Neumarkter Altstadtfest auftritt, begleiten ihn Hochkaräter der Modern-Jazz-Szene der deutschen Hauptstadt. Solche sind Uli Kempendorff (sax, clar, Komposition), Ronny Graupe (gt) und Jonas Westergaard (bs). In milder Abendstimmung, begleitet vom Gezwitscher der von Kempendorff kurz eingebauten Amseln, gab es spannende Kompositionen zu hören. Dass im Modern Jazz nicht einfach drauf los gespielt wird, erwies sich, als die vier Herren ein vier Seiten umfassendes Notenblatt ausbreiteten – und dann eine „Suite“ über die vier Himmelsrichtungen spielten. Der virtuale 360-Grad-Blick wurde begleitet mit einer Abfolge an Tönen, die auf das Erzeugen von Stimmungsbildern im Kopf abzielten. Dieses Anregen von Fantasie zeigte, was Jazz auch kann: Anstoß zu Kino im Kopf.

Wer seinen Rundgang in der Dämmerung des Sonntagabends am Klostertor ausklingen ließ, wurde zunächst gefangen von dem, was „Blues Transfusion“(BT)-Gitarrist Marcus Vitzithum aus seiner „Fender“-Gitarre an Klangvielfalt heraus holte. Weil sich dann aber alles ständig wiederholte, verflüchtigte sich mit Fortdauer des Konzerts dieser Überraschungseffekt. Lustig blieb es aber doch, welch eigenwillige Interpretationen nach Blues-Rock-Machart die drei Routiniers etwa aus „Ain’t no sunshine“ (Bill Withers) oder „I shot the Sheriff“ (Eric Clapton) machten. Wer den in sich ruhenden Buddha-Basser Rainer Schamberger im Blick hatte, konnte sich zudem gut vom Fest-Stress erholen.

Roxxtones
BT

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