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Urteil

Molotow-Cocktails aus Spaß gezündet?

Drei junge Männer wurden in Neumarkt wegen Verstößen gegen das Waffengesetz verurteilt. Im Fokus stand ihre rechte Gesinnung.
Von Nicole Selendt

Im Neumarkter Amtsgericht wurden am Mittwochvormittag Verstöße gegen das Waffengesetz verhandelt: Brisant machte die Verhandlung die Nähe der Angeklagten zur Kameradschaft Altmühltal. Foto: dpa
Im Neumarkter Amtsgericht wurden am Mittwochvormittag Verstöße gegen das Waffengesetz verhandelt: Brisant machte die Verhandlung die Nähe der Angeklagten zur Kameradschaft Altmühltal. Foto: dpa

Neumarkt.Eigentlich ist an einem späten Februarabend des vergangenen Jahres in einem stillgelegten Steinbruch bei Mittersthal nicht viel passiert. Niemand wurde verletzt, es entstand kein Sachschaden. Trotzdem hatte sich kurz darauf das Landkriminalamt in München der Sache angenommen. Denn im Zuge der Ermittlungen war herausgekommen, dass das, was sich dort ereignet hatte, nicht nur ein dummer Jungenstreich gewesen sein könnte. Und das wurde am Mittwochvormittag in einer Verhandlung vor einem Neumarkter Schöffengericht im Amtsgericht am Residenzplatz 1 deutlich.

Laut Anklageschrift waren vier junge Männer damals mit ihrem Auto in den Steinbruch gefahren, hatten dort den Kofferraum geöffnet, aus leeren Bierflaschen, Benzin aus einem Kanister und alten Lappen Molotow-Cocktails gebaut, gezündet, sie gegen die Wände geworfen und ein Handyvideo davon gedreht. Brisant an dem Fall: Die vier waren zuvor bei einem Stammtisch-Treffen der Kameradschaft Altmühltal (KSA) gewesen, einer rechtsextremistischen Vereinigung im Landkreis Neumarkt.

Mit den Folgen nicht gerechnet

Und so hatte Richter Danny Schaller am Mittwoch nicht nur zu klären, ob sich drei der vier Männer des Führens eines verbotenen Gegenstands nach dem Waffengesetz schuldig gemacht hatten. Er musste auch in Erfahrung bringen, ob von den Männern auch ein Gefährdungspotenzial hätte ausgehen können. Sprich: Wollten die Angeklagten wirklich nur testen und zündeten die Molotow-Cocktails aus Spaß? Oder hatten sie vor, zu einem späteren Zeitpunkt Menschen damit zu schaden? Drei der vier Autoinsassen, die bei dem Vorfall im Steinbruch waren, saßen gestern auf der Anklagebank, den Namen des Vierten gab keiner von ihnen preis.

Ein 23-Jähriger aus dem südlichen Landkreis versicherte, er habe sicher niemanden verletzen wollen und bezeichnete die Aktion als große Dummheit. „Hätte ich gewusst, welche Auswirkungen das hat, hätte ich das nicht gemacht“, sagte er vor Gericht. Auch habe er sich mittlerweile von der rechten Szene distanziert, sei weggezogen und habe mittlerweile eine Ausbildung zum Techniker begonnen.

Ein 22-jähriger Neumarkter räumte ebenfalls ein, einen der Molotow-Cocktails gebaut und geworfen zu haben. „Ich habe mir nichts dabei gedacht und nicht mit solchen Folgen gerechnet“, sagte er. Mit den Folgen meinte er auch die Hausdurchsuchung, die kurz nach dem Vorfall bei ihm stattgefunden hatte, und bei der ein Springmesser mit einer neun Zentimeter langen Klinge und mehrere Ansteckbuttons der KSA gefunden worden waren. Er gab zu, seit längerer Zeit Mitglied der KSA zu sein, erklärte aber, er sei der Kameradschaft mittlerweile „entwachsen“: Er habe einen Job, eine Freundin, sei an keinen Aktivitäten der Gruppe mehr beteiligt.

Schon mehrere Rohrbomben gebaut

Mit dem jüngsten der drei Angeklagten – er war zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alt – hatten sowohl Richter als auch Staatsanwalt ihre Probleme. Zwar versicherte der Neumarkter, er habe nur das Handyvideo gedreht, keinen der Molotow-Cocktails angefasst und erst spät von der Aktion erfahren. Doch die Hausdurchsuchung förderte Gegenstände zutage, die große Sorge bereiteten: Gefunden wurde zum Beispiel eine fast fertig gebaute Rohrbombe, von der der Angeklagte sagte, sie sei die größte von mehreren Rohrbomben, die er schon gebaut und gezündet hat.

Auch stellten Beamten fest, dass sich der Mann im Internet Baupläne für Bomben beschafft hat. SMS-Verläufe und Bildergalerien auf dem Handy des Angeklagten zeugten von Gewaltfantasien, Bilder von Hakenkreuzen, Adolf Hitler, SS-Runen und anderen rechtsextremistischen Symbolen legten seine Gesinnung offen. Und Richter Danny Schaller machte deutlich: Dies sei nur die Spitze des Eisbergs.

Schlussendlich verurteilte Schaller den 23-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten. Er muss außerdem 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der 22-Jährige wurde zu elf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt und hat 2500 Euro an den Reso-Fonds des Landratsamtes Neumarkt zu zahlen. Beiden hatte der Richter in der Beweisaufnahme abgenommen, keine Anschläge mit Molotow-Cocktails im Anschluss an die Aktion in Steinbruch im Sinn gehabt zu haben. Deswegen setzte er die Strafen der beiden auf Bewährung aus.

Auf den richtigen Weg bringen

Der Jüngste der drei wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt und erhielt wegen Beihilfe zum Führen eines verbotenen Gegenstands und wegen des strafbaren Umgangs mit Sprengstoffen ein Jahr und drei Monate Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. 2000 Euro muss er darüber hinaus an das Pädagogische Zentrum in Parsberg zahlen, das sich unter anderem um nicht begleitete minderjährige Flüchtlinge kümmert. Ihm werde außerdem ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und er muss einen Kurs in politischer Bildung besuchen. „Dass sie sich so leicht von der KSA in eine Richtung haben biegen lassen, zeigt uns, dass das vielleicht auch noch in die richtige Richtung möglich ist“, gab er dem jungen Mann mit auf den Weg.

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