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Nazi-Post in Neumarkter Briefkästen

Die rechtsradikale Partei „Der III. Weg“ verteilte Flyer. Es ist nicht der erste Auftritt der Gruppe, sagt die Polizei.
Von Claudia Pollok

Am Montag fanden wohl viele Neumarkter eine Broschüre der Partei „Der III. Weg“ im Briefkasten.
Am Montag fanden wohl viele Neumarkter eine Broschüre der Partei „Der III. Weg“ im Briefkasten.Foto: Pollok

Neumarkt.Am Montag haben sich wohl einige Neumarkter gewundert, als sie im Briefkasten einen Flyer der Partei „Der III. Weg“ fanden und die einschlägig rechtsradikalen Parolen darauf lasen. So ist auf der DIN-A5-großen Broschüre mit dem Titel „Kinderlosigkeit führt zum Volkstod“ unter anderem von „kulturfremden Sozialtouristen“, „Zigeunerfamilien“ und „Überfremdung“ die Rede. Erst am Samstag trafen sich Anhänger der Partei „Der III. Weg“ gemeinsam mit Mitgliedern der „AfD“ und der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ zu einer Kundgebung in Nürnberg.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Polizeihauptkommissar Konrad Fersch, dass sich bereits am Vormittag mehrere besorgte Bürger in der Polizeiinspektion Neumarkt gemeldet hätten. Da die Partei „Der III. Weg“ „einen stark neonazistisch geprägten Rechtsextremismus vertritt“ – wie es im Verfassungsschutzbericht 2015 heißt, werden derartige Aktionen immer der Kriminalpolizei Regensburg gemeldet.

„Im Grenzbereich der Legalität“

Laut Marco Müller, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, habe es seit dem Jahresanfang im Raum Neumarkt schon mindestens fünf dieser Flyeraktionen gegeben. Das Kommissariat Staatsschutz der Kripo Regensburg prüfe die Broschüren immer sehr genau, sagt Müller. Doch meist bewege sich der zweifelhafte Inhalt „im Grenzbereich der Legalität“.

Die Verfasser der Schriften wüssten wohl sehr genau darüber Bescheid, was sie drucken können, um nicht strafrechtlich verfolgt zu werden, sagt Müller. So achten sie auch penibel darauf, dass das gesetzlich vorgeschriebene Impressum auf jedem Flyer steht.

Was ist „Der III.Weg? Doris Groß, Geschäftsleiterin Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg erklärt in unserer Infobox, welche Inhalte die Partei verfolgt.

Die Partei „Der III. Weg“

  • Die Partei „Der III. Weg“ gründete sich 2013 in Heidelberg, sagt Doris Groß, Geschäftsleiterin Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg.

  • Inhalt:

    Ihre ideologische Grundlage fuße laut Groß unter anderem auf einem „Zehn-Punkte-Programm“, das sich an das Programm der NSDAP anlehnt. „Der III. Weg“ fordere zum Beispiel die „Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des [deutschen] Volkes“ und die „Beibehaltung der nationalen Identität“.

  • „Freies Netz Süd

    “: FNS ist ein Vorläufer der Partei „Der III. Weg“ und war mit etwa 20 rechtsextremen freien Kameradschaften der größte neonazistische Dachverband in Bayern. Im Juli 2014 wurde die Organisation verboten.

  • Nachfolger:

    Bereits im Vorgriff auf das Verbot des „Freien Netz Süd“ im Juli 2014 gründeten Anhänger des „FNS“ regionale Stützpunkte der Partei „Der III. Weg“ in der Metropolregion, erklärt Groß. Heute gebe es die Stützpunkte „Oberfranken“, „Vogtland“ (gegründet als gemeinsamer Stützpunkt im Januar 2014), „Nürnberg/Fürth“ (gegründet im März 2014) und „Ostbayern“ (gegründet Juni 2014).

Aufklärung bereits gestartet

Dietfurts Bürgermeisterin Carolin Braun ist Mitglied im „Aktionsbündnis gegen Rechts Dietfurt“ und beobachtet die rechte Szene im Landkreis schon lange. Als unsere Zeitung sie mit dem Vorfall in Neumarkt konfrontiert, ist sie betroffen. Doch sie hat gute Nachrichten: Eine Aufklärungsaktion ist bereits angelaufen.

Im März habe sich die Projektgruppe „Vielfalt tut gut“ mit dem Thema auseinandergesetzt, sagt sie. Die Gruppe, bestehend aus dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland, dem Jugendamt Landkreis Neumarkt, dem Kreisjugendring Landkreis Neumarkt, der Regina GmbH und dem „Aktionsbündnis gegen Rechts Dietfurt“, kämpft gemeinsam gegen Rechtsradikale an.

Als Mitglieder von der Flyeraktion der Partei „Der III. Weg“ hörten, hätten sie sofort reagiert, sagt sie. Um sich selbst über die Partei zu informieren, haben sie Anfang März einen Experten eingeladen. Als nächsten Schritt planen sie nun Gruppenleiter und Lehrer über die gefährliche Partei aufzuklären, um so gezielt Jugendliche davor zu warnen. Denn gerade junge Menschen seien die Zielgruppe der rechtsradikalen Parteien und müssten besonders geschützt werden, sagt Braun.

Das sieht auch der Geschäftsführer des Kreisjugendrings, Markus Ott, so: „Wir müssen gegen den braunen Sumpf ankämpfen, denn so ein Geschwür wächst sonst unbemerkt.“ Deswegen stärken er und seine Mitarbeiter im Kreisjugendring schon länger die Auslandprojekte, erzählt Ott. Wer in Kontakt mit Menschen aus fremden Ländern steht, sei schließlich weniger offen für rechtsradikales Gedankengut. „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben“, sagt Ott frei nach dem Naturforscher Alexander Humboldt.

Lesen Sie mehr

Einen Artikel über den am Montag vorgestellten Verfassungsschutz-Bericht 2015 finden Sie hier.

Warum unser Medienhaus rechter Hetze nicht nachgeben wird, hat der stellvertretende Chefredakteur Holger Schellkopf in einem Kommentar erklärt

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