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Kirche

Neuer Hofkirche-Pfarrer im Interview

Stefan Wingen übernimmt ab Herbst die Neumarkter Pfarrei. Im Februar werden die Gläubigen aber auf ihn verzichten müssen.
von Wolfgang Endlein

Stefan Wingen kehrt nach einigen Jahren in Mittelfranken im Herbst wieder zurück nach Neumarkt. Der Geistliche übernimmt die Hofkirche von Dekan Monsignore Richard Distler. Foto: Marcel Sahlmen
Stefan Wingen kehrt nach einigen Jahren in Mittelfranken im Herbst wieder zurück nach Neumarkt. Der Geistliche übernimmt die Hofkirche von Dekan Monsignore Richard Distler. Foto: Marcel Sahlmen

Neumarkt. Herr Pfarrer Wingen, Sie sind Rheinländer und bekennender Karnevalist. Haben Sie sich das mit Neumarkt gut überlegt? An Fasching ist hier ja eher wenig geboten.

Na ja, die Rheinländer mit ihrer fröhlichen Lebensart passen ganz gut zu den Oberpfälzern. Das mit dem Karneval sehe ich als kulturellen Austausch.

Den Sie vier Jahre lang bis 2012 als Kaplan in der Pfarrei St. Johannes bereits erproben konnten. Welche Erinnerungen haben Sie an Neumarkt?

Sehr schöne. Ich habe damals sehr viele freundschaftliche Verbindungen geschlossen. Ich habe die Neumarkter als sehr offen und locker empfunden. Auch habe ich die altbayrisch-oberpfälzer Lebensart sehr schätzen gelernt. Und in Neumarkt ist der Glaube lebendig, es ist ein gutes katholisches Pflaster.

Über den bevorstehenden Abschied von Dekan Monsignore Richard Distler hat die MZ bereits zuvor berichtet. Den entsprechenden Artikel finden Sie hier.

So wie Ihre katholisch geprägte Heimat Koblenz. Wie kommt es, dass es einen Rheinländer nach Nordbayern verschlägt?

Ich habe zunächst Geschichte in Trier und Freiburg studiert. Danach bin ich nach Eichstätt zum Studieren gegangen. Mir hat die bayerische Mentalität gut gefallen und ich bin hängengeblieben.

In Eichstätt haben Sie aber Theologie studiert.

Ja.

Wie kam es, dass Sie sich entschlossen haben, Priester zu werden?

Eigentlich wollte ich später als Historiker arbeiten, aber der Gedanke, Priester zu werden, war wohl schon während des Geschichtsstudiums verborgen in mir. Der Entschluss ist mehr und mehr in mir gereift. Letztlich hat sich der Herr, also Gott, dann durchgesetzt. Ich komme außerdem aus einer stark katholisch geprägten Familie.

Der Nachfolger für Richard Distler in der Hofkirche ist klar, doch wie steht es mit dem Amt des Dekans? Die MZ hat in diesem Artikel darüber berichtet.

Und zu ihrer Familie beziehungsweise in deren Region wollten Sie nicht zurückkehren?

Man kann sich grundsätzlich das Priesterseminar aussuchen, aber wenn man sich dann für ein Bistum entscheidet, dann ist man an dieses gebunden. In meinem Fall ist das Eichstätt. Außerdem gefällt es mir hier sehr gut. Es ist für mich Heimat geworden.

Und die Diözese schickt Sie nun nach Neumarkt.

Ich habe mich auf die frei gewordene Pfarrei beworben.

Zuletzt waren Sie seit 2012 in Mittelfranken.

Richtig. Ich bin aktuell in den Pfarreien Burgoberbach, Bechhofen und Großenried.

Was unterscheidet diese Pfarreien von der Zu Unserer Lieben Frau in Neumarkt?

Hier in Mittelfranken sind wir in einer Diaspora-Situation. Das katholische Leben ist hier nicht so ausgeprägt wie in Neumarkt. Ich betreue in den drei Pfarreien 4200 Gläubige, die über eine große Fläche verteilt sind. Da sind einige Tausende von Dienstkilometern zusammengekommen. Ich habe hier alles dreifach: drei Kirchen, drei Pfarrgemeinderäte, drei Erstkommunionen und so weiter. Das wird in Neumarkt einfacher.

Dekan Monsignore Richard Distler geht im Herbst in den Ruhestand. Foto: Böhm
Dekan Monsignore Richard Distler geht im Herbst in den Ruhestand. Foto: Böhm

Was erwarten Sie sich von Neumarkt?

Man muss sagen, dass ich in riesige Fußstapfen trete (lacht) – obwohl ich Schuhgröße 50 habe. Die Pfarrei ist nach kirchlichen Maßstäben ja noch nicht so alt. Aber die Pfarrer, die sie bisher hatte, waren lange da und zudem starke Persönlichkeiten. Dekan Richard Distler war 28 Jahre dort Pfarrer und ich bin beeindruckt, was er alles aufgebaut hat. Ich habe die Pfarrei während meiner Zeit in St. Johannes von außen betrachtet als sehr lebendige wahrgenommen.

Ihr Plan für die nächsten Jahre lautet also wie?

Ehrlich gesagt, habe ich nicht den Masterplan. Ich muss meinen Platz finden und will schlichtweg mit den Menschen unseren Glauben leben. Wenn Sie so wollen, ist Christus mein Programm.

Bleibt die Sache mit dem Karneval …

Karneval ist für mich ein Muss. Er ist ein wesentlicher Teil von mir und ist ein Stück Heimatverbundenheit. Es ist ein Gefühl, dass ich bei den Neumarktern beobachtet habe, wenn Volksfest ist. An Karneval zieht es mich zurück. Meine Familie ist sehr aktiv im Koblenzer Karneval. Sehen sie, es gibt da die Geschichte von meinem Vater. Der hat einst in der Schweiz gearbeitet, weil er aber für den Karneval nicht freibekommen hat, hat er gekündigt.

Aber Herr Wingen, Sie werden doch nicht kündigen?

(Lacht) Nein. Aber, wenn die Karnevalstage sind, muss man in Neumarkt eben damit rechnen, dass ich nicht da bin.

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