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Politik

Neumarkts Parteien feilen an den Listen

In genau einem Jahr ist die Stadtratswahl 2020 Vergangenheit. Erste Kandidaten sowie auch scheidende Räte sind schon bekannt.
Von Lothar Röhrl

Voraussichtlich am 15. März 2020 wird es so ähnlich beim Auszählen der Kommunalwahl im Neumarkter Rathaus aussehen.  Foto: Johannes Heil
Voraussichtlich am 15. März 2020 wird es so ähnlich beim Auszählen der Kommunalwahl im Neumarkter Rathaus aussehen. Foto: Johannes Heil

Neumarkt.Heute in genau einem Jahr ist sie schon wieder Geschichte, die Neumarkter Stadtratswahl 2020. Voraussichtlich am 15. März geht es um die 40 Räte, die dann bis einschließlich 2026 in dem Gremium vertreten sein werden. Jetzt, gut 360 Tage davor, laufen die Bemühungen bei allen Parteien, die schon in diesem Gremium vertreten sind, mehr oder weniger auf Hochtouren. Freilich: Über Konkretes wie Namen neuer Kandidaten beziehungsweise Abschiede von langjährigen Räten wollten sich die Verantwortlichen noch nicht in die Karten sehen lassen.

Das tat auch Marco Gmelch. Der Stadtverbandsvorsitzende der CSU machte es zum jetzigen Zeitpunkt am spannendsten: „Es wird einige Überraschungen geben. Denn auf unserer Liste werden sich einige bekannte Neumarkter Namen befinden, die bisher nicht Mitglied der CSU sind.“ Das passe gut zu dem Vorhaben, dass die Neumarkter CSU auch Personen einbinden will, die sich Gedanken um Neumarkt machen. Und auch zur Strategie, dass man sich ständig erneuern und verjüngen wolle.

CSU will Erfolg 2014 wiederholen

Marco Gmelch wolle damit den Erfolg fortsetzen, der seinem Vorgänger Robert Renker vor sechs Jahren gelungen sei. Als Stadtverbandsvorsitzender hatte Renker für die Wahl eine Liste mit erstaunlich vielen neuen Namen präsentieren können. „Damit haben wir damals neun neue Stadträte stellen können,“ erinnerte Gmelch im Gespräch mit dem Tagblatt. Mit dann 16 Räten hatte sich die CSU-Fraktion vergrößern können – ohne damit aber die Dominanz früherer Jahrzehnte zurückzuerobern.

Aktuell profitiere die Neumarkter CSU davon, dass es sich bei den in vergangenen Wochen über die Bühne gegangenen Wahlen ihrer Stadtteil-Verbände gezeigt habe, wie erfolgreich das Werben um neue Mitglieder und auch neue Funktionsträger gewesen war. Damit habe sich die Zahl der möglichen Kandidaten zum Stadtrat automatisch erhöht. „Wir brauchen kein Casting“, betonte Gmelch in Anspielung auf politische Konkurrenz.

Freilich: Unter Zeitdruck gesetzt sieht sich die Neumarkter CSU-Führung nicht. „Anders als früher bei Alois Karl als Oberbürgermeister muss bei uns zum Volksfest die komplette Liste noch nicht stehen.“ Gmelch hält es für möglich, dass sie auch dieses Mal wieder erst wieder Anfang Dezember steht.

Von einem solchen Termin unbeeindruckt und auch unabhängig sieht Sebastian Schauer, der Ortsvorsitzende der UPW/Freien Wähler, das Bemühen seiner Partei an. Ansonsten wollte beziehungsweise konnte Schauer über die mögliche Zusammensetzung nicht viel sagen. Dass OB Thomas Thumann Platz eins einnehmen wird, ist schon seit Herbst bekannt. „Den eigenen OB als Zugpferd zu setzen, würde wohl jede andere Partei auch machen.“ Ansonsten verspüre er schon jene Spannung, auf die er sich als erst Anfang des Jahres gewählter Vorsitzender des Neumarkter Ortsvereins einstellen musste.

Pikanterie in Sachen Löhner

Übrigens: Bei unserer Umfrage ergab sich in Bezug auf die Personalie Albert Löhner (CSU) eine Pikanterie. Die Mittelbayerische wollte von dem Bürgermeister wissen, ob er schon von der CSU gefragt worden sei. Löhner verneinte das. Auf den Namen Löhner und damit eine mögliche Kandidatur bei der UPW angesprochen, reagierte wiederum Sebastian Schauer von der UPW irritiert. „So einen Gedanken höre ich zum ersten Mal.“ Löhner selbst stellte fest, dass er sich noch keine Gedanken gemacht habe. Zur Erinnerung: Löhner war vor sechs Jahren mit den Stimmen der UPW in der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters gegen den CSU-Bewerber Werner Thumann mit 24:17 Stimmen überraschend klar erfolgreich.

„Wenn mich der Ruf der Partei erreicht, dann werde ich nicht Nein sagen“ Eines solches Rufen habe sie aber noch nicht vernommen, erklärte zu diesem Thema SPD-Fraktionschefin Ursula Plankermann schmunzelnd. Wohlwissend, dass ihre Partei nach einem festen Ritus vorgeht. Bei diesem steht die Frage in die Runde aller Mitglieder, wer denn Interesse an einer Kandidatur habe, am entscheidenden Anfang.

FDP und FLitZ engagiert

Bei der FDP hält es Kreisvorsitzender Enrico Pomsel das Zustandekommen einer guten Stadtratsliste für möglich. „Wir haben in Neumarkt in den letzten drei Jahren einige Mitglieder bekommen. Wir setzen darauf, dass manche Wähler eine liberale Alternative zu den anderen Parteien wollen, die sich so ähnlich geworden sind.“ Seit zwei Stadtratsperioden wird die FDP nur von Helga Hoerkens vertreten.

Seine Enttäuschung, dass bei der jüngsten Mitgliederwerbung nur zwei Rückmeldungen eingegangen sind, wollte FLitZ-Vorsitzender Dieter Ries nicht verbergen. Er zeigte aber auch Zuversicht darüber, dass dennoch im Frühsommer bei der Nominierung viele der 40 Plätze mit unterschiedlichen Namen besetzt werden können. Er und Johann Georg Gloßner würden sicher darauf zu finden sein.

Grüne spüren Rückenwind

Bei den Grünen steht eine Personalie schon fest: Johanna Stehrenberg wird sich aus der aktiven Lokalpolitik aus familiären Gründen zurückziehen. Das hat sie jetzt zu einem Zeitpunkt klar gemacht, zu dem noch keine Weichenstellung bei ihrem Stadt- und auch bei ihrem Kreisverband erfolgt ist. Seit 2007 saß sie als Nachrückerin im Kreistag; im März 2008 glückte ihr der Einzug in den Stadtrat.

Um das Füllen der 40 Listenplätze für den Stadtrat und der 60 für den Kreistag ist Johann Stehrenberg bei Bündnis 90/Die Grünen nicht bange. Ihre Partei sieht sie nach dem starken Abschneiden bei der Landtagswahl in Bayern, dem Mitwirken am Erfolg des Volksbegehrens „Artenvielfalt“ und den sich schon lange verfestigten guten Werten bei Umfragen auf gutem Kurs. „Wir haben überall neue und vor allem auch motivierte Mitglieder hinzubekommen. Da sind etliche mit einem Durchschnitt 30 Jahren dabei, die sich einbringen wollen.“ Darunter gebe es auch Menschen, die schon eine Familie gegründet haben und so um die alltäglichen Herausforderungen für Familien wüssten. Die Neugründung eines Ortverbandes in Dietfurt und die Wiedergründung der Berger Verbandes seien weitere gute Gründe, positiv zu sein. Sehr viel davon sei der Kreisvorsitzenden Gabriele Bayer verdanken. Stehrenberg über sie: „Gabriele Bayer ist enorm fleißig gewesen“.

Bayernpartei vor Hürde

Ende Juli wird es genau ein Jahr her sein, dass Alexander Koll-Pfeifer als Nachrücker in den Neumarkter Stadtrat vereidigt worden. In diese Position war er 2014 als Nachrücker auf der SPD-Liste gekommen. Sein zwischenzeitlich erfolgter Wechsel zur Bayern-Partei war trotz massiver Proteste der SPD kein Hindernis fürs Nachrücken. 2020 will es Koll-Pfeifer aus eigener Kraft selbst schaffen. Dann müsste das über eine Kandidatur auf einer noch zu erstellenden Neumarkter Liste der Bayern-Partei geschehen. Gemäß der bayerischen Kommunalwahlordnung bräuchte eine solch (neue) Liste erst eine nachprüfbare Unterstützung. Auf einer solchen Unterstützerliste müssten sich mindestens 215 Neumarkter Bürger eintragen.

Zweifel am Zustandekommen erst einer Unterstützerliste und dann einer Kandidatenliste zum Stadtrat hegt Koll-Pfeifer keine. „Wir müssen dann mindestens zu vierzehnt sein, damit eine Kandidatenliste zusammenkommt“, weiß er. „Ich glaube, das bekommen wir in der Kreisstadt Neumarkt hin.“ Auf der Tatsache, dass die Bayernpartei schon einmal nach dem Krieg eine Kraft im Stadtrat war, fußt Koll-Pfeifers Zuversicht, dass sie wieder dauerhaft im Stadtrat mitmischen könnte.

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