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Freizeit

„Nordbaiern“ feiert in Neumarkt

Viele verbinden mit dem Nordgautag wenig. Dabei gibt das Kulturevent ausgiebig Gelegenheit zum Staunen, Lernen und Feiern.
von Wolfgang Endlein

Letztmals war der Nordgautag im Landkreis Neumarkt im Jahr 2000 zu Gast. Damals zog der große Festzug durch Berching.
Letztmals war der Nordgautag im Landkreis Neumarkt im Jahr 2000 zu Gast. Damals zog der große Festzug durch Berching. Foto: Plank

Neumarkt.Was Thomas Thumann, bei der Stadt Neumarkt als Leiter des Hauptamtes für so manche Großveranstaltung verantwortlich, wohl gedacht haben mag, als der Nordgautag 2016 nach Neumarkt vergeben wurde? Es ist sein Geheimnis. Fest steht, er hat damit eine Menge Arbeit dazu bekommen in einem Monat Juni, der mit dem Oldtimertreffen, dem Altstadtfest und der Jobmeile schon weitere Großveranstaltungen bereit hält.

Im Gegenzug bedeutet das aber für die Neumarkter und viele Gäste zahlreiche Angebote, die die kulturelle Vielfalt in einem recht unbekannten Raum aufzeigen sollen. Doch was ist das – der Nordgau? Es gibt eine sehr komplexe Erklärung oder jene, die Manfred Knedlik, der für den Oberpfälzer Kulturbund den Nordgautag koordiniert, anbietet: „Es ist das altbairische Gebiet nördlich der Donau, das von der Altmühl im Westen bis nach Osten ins Egerland reicht“.

Gemeinsames über Grenzen hinweg

Entstanden im frühen Mittelalter verlor der Nordgau bald seine politische Bedeutung, die kulturelle entdeckte man in 1920er Jahren wieder. Der Nordgau ist deswegen so interessant, weil er politische Grenzen auf der Landkarte und damit auch in den Köpfen auflöst und kulturelle Verwandtschaften beispielsweise in Sprache oder Baukunst zwischen den Regionen aufzeigt.

Sprache, Kunst, Musik, Tracht, Geschichte, Landschaft, Architektur – vieles, was den Raum Nordgau ausmacht, wird im Programm des alle zwei Jahre stattfindenden Nordgautags beleuchtet. Tatsächlich braucht es dafür aber mehr als nur einen Tag.

Dass das viertägige Programm vom 23. bis zum 26. Juni sich aber beileibe nicht nur mit der Vergangenheit beschäftigt, zeigt zu Beginn eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Reitstadel und den Festsälen der Residenz. Sie reiht sich damit ein in die insgesamt zehn Ausstellungen, die es im Verlauf der vier Tage zu sehen gibt. Übrigens, wie ein Großteil der Veranstaltungen bei kostenlosem Eintritt. Das gilt auch für zahlreiche Neumarkter Museum während der vier Tage.

Manfred Knedlik koordiniert das Programm des Nordgautags in Neumarkt. Foto: Endlein
Manfred Knedlik koordiniert das Programm des Nordgautags in Neumarkt. Foto: Endlein

Eine der wenigen Veranstaltungen, die Eintritt kosten wird, ist das Festkonzert am Donnerstag, 23. Juni, im Reitstadel. Der Neumarkter Kammermusikkreis spielt Werke von Oberpfälzer Komponisten, von denen nicht wenige auch einen Bezug zur Neumarkter Region haben wie beispielsweise Martini oder Gluck. Ein weiteres Festkonzert widmet sich am Samstagabend der Blas- und Chormusik – ebenfalls nur aus der Feder von Oberpfälzer Komponisten.

In Wirtshäusern wird aufgespielt

Auch wenn sich der Nordgautag zum Ziel gesetzt hat, die kulturelle Vielfalt im gesamten Bereich des Gaus darzustellen, liegt doch ein besonderer Fokus auf der Gastgeberstadt. „Pfalzgrafenstadt mit Tradition und Zukunft“ lautet daher das Motto des 41. Nordgautags, im vergangenen Jahr hatte er in Cham stattgefunden. Das Thema greifen verschiedene Programmbeiträge auf, beispielsweise eine Podiumsdiskussion am Freitag unter dem Motto „Neumarkt – eigenständiges Zentrum zwischen den Großstädten“.

Unterhaltsam wird es danach zugehen, wenn in mehreren Neumarkter Wirtshäusern Volksmusik und -tanz sowie Mundart auf dem Programm stehen. „Feine Mundart“ wird im Oberen Ganskeller behandelt, Wirtshausmusikanten lautet das Thema im Gasthaus Kaiser und im Glossnerbräu ist ein Volkstanzabend. Gefeiert werden kann am Samstag und Sonntag auch auf dem Platz vor dem Rathaus. Festtreiben mit Musik und Bewirtung nennt sich der Programmpunkt an dieser Stelle.

Der Nordgautag will aber nicht nur unterhalten, sondern auch bilden. Festvorträge über den dänischen König Christoph aus Neumarkt oder die „Tracht im Blick“ gehören daher ebenso dazu wie eine rund 250-seitige Festschrift mit 47 Beiträgen, die weit gefasste Themenbereiche behandeln. „Sprengstoff und Spionage“, Neumarkter Patente und „Die neue Moschee“ sind nur eine kleine Auswahl.

Wer lieber in Bewegung bleibt, für den hält der Nordgautag Führungen bereit. Beispielsweise eine Exkursion mit dem Bus durch den Landkreis auf den Spuren der berühmten Bildhauer- und Maler-Brüder Asam und eine Führung zum Brauwesen in Neumarkt – Verkostung inklusive.

Der Hingucker zum Abschluss eines langen Nordgautags ist aber der Festzug durch die Innenstadt.

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