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Energie

Pläne für Juraleitung werden konkreter

Tennet hat Korridore für die Stromtrasse durch den Landkreis Neumarkt vorgeschlagen. Manche Abschnitte bergen Probleme.
von Wolfgang Endlein

Die Strommasten für die neue 380-kV-Leitung sind zwischen 50 und 60 Meter hoch. Foto: TenneT/Thomas Köhler
Die Strommasten für die neue 380-kV-Leitung sind zwischen 50 und 60 Meter hoch. Foto: TenneT/Thomas Köhler

Neumarkt.Der Verlauf, den die Stromleitung P53, auch als Juraleitung bekannt, nach ihrem Neubau nehmen wird, nimmt immer mehr Konturen an. Netzbetreiber Tennet hat dem Tagblatt vorab die schematischen Korridorvorschläge vorgestellt, die zeigen, wo die von 220 kV auf 380 kV aufgerüstete Leitung nach dem Neubau verlaufen könnte.

Auch wenn der exakte Verlauf und die jeweiligen Mastenstandorte erst im weiteren Verlauf des komplizierten Verfahrens festgelegt werden, kann aus den Vorschlägen schon näher abgelesen werden, wo die Planungen mit Schwierigkeiten konfrontiert sind und welche Lösungen den Planern dafür vorschweben. Interessant wird es sein, inwieweit diese Vorschläge auch Zustimmung vor Ort finden werden.

Die neuralgischen Punkte im Landkreis Neumarkt

Vier neuralgische Punkte gibt es für den Verlauf der Leitung durch den Landkreis Neumarkt: Postbauer-Heng, Mühlhausen, Berching und Dietfurt.

In Postbauer-Heng verläuft die aktuelle 220-kV-Leitung im Westen des Kernorts nahe an Bebauung vorbei oder führt gar darüber hinweg. Ein Umstand, der infolge von Rechtsvorgaben zwingend geändert werden muss, wie Tennet erklärt. Doch wie soll dann die Leitung verlaufen? Die Pläne sehen offenbar vor, dass die Trasse künftig nördlich von Postbauer-Heng den Grünberg hinauf umgeleitet wird und südlich von Köstlbach erst wieder nach Westen und schließlich nach Süden schwenkt.

„Wenn es so kommt, kann ich mit der Situation gut leben.“

Postbauer-Hengs Bürgermeister Horst Kratzer

„Wenn es so kommt, kann ich mit der Situation gut leben“, sagt Postbauer-Hengs Bürgermeister Horst Kratzer, auch wenn er weiß, dass es nichtsdestotrotz möglicherweise Bedenken derer geben könnte, die zuvor die Leitung nicht sehen mussten. Wichtiger ist für den Rathauschef aber eines: Den Plänen nach sollen im Fall von Postbauer-Heng die vorgesehenen Abstände von 400 Metern zur Bebauung innerorts und 200 Metern außerhalb von Ortschaften voll eingehalten werden. Diese sind zwar Soll-Regelungen, an die man im Grundsatz gebunden ist, allerdings kann man in begründeten Fällen auch davon abweichen.

Die MZ hat sich bereits in mehreren Artikel mit der Juraleitung beschäftigt:

  • In Dietfurt wurde eine Resolution zur Juraleitung beschlossen.
  • Tennet stellte erste Pläne für die Juraleitung in der MZ vor.
  • in Mühlhausen will sich eine Bürgerinitiative gründen.
  • Tennet hielt eine Infoveranstaltung zur Juraleitung in Dietfurt ab.
  • In Dietfurt hat sich bereits eine BI gegründet.

„Damit sind wir die Zange los“, sagt Kratzer und spricht damit den Umstand an, dass bislang im Westen die 220-kV-Leitung verlief und im Osten zwei 110-kV-Leitungen von Bahn und Bayernwerk.

Eine derartige Zange will auch Mühlhausens Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer unter allen Umständen verhindern. Doch in Mühlhausen ist die Situation bei weitem nicht so einfach wie in Postbauer-Heng, wie auch Tennet sagt. Hundsdorfer drängt darauf, dass die 110-kV-Leitungen, die in Mühlhausen bislang parallel zur 220-kV-Leitung verlaufen, mit der neuen 380-kV-Leitung zusammen auf eine gemeinsame neue Trasse verlegt werden. Andernfalls könnte in Orten wie Hofen, Ellmannsdorf oder Belzlmühle besagte Zange entstehen mit den 110-kV-Leitungen am alten Standort und der neuen Leitung im Osten.

Im Landkreis Neumarkt ist die Wohnbebauung inzwischen nah an die Stromleitung herangewachsen. Archivbild: Johann Grad
Im Landkreis Neumarkt ist die Wohnbebauung inzwischen nah an die Stromleitung herangewachsen. Archivbild: Johann Grad

Tennet erklärt dazu, dass der aktuelle Korridorvorschlag, der zunächst weiter im Osten zwischen Höfen und Sulzbürg sowie im Anschluss mit größerem Abstand als bisher an Mühlausen entfernt verläuft, für das Thema der Mitnahme aller Leitungen auf einer Trasse noch keine Lösung habe. Man könne die Betreiber der anderen Leitungen, Bahn und Bayernwerk, schließlich nicht dazu zwingen. Zudem führt Tennet Bedenken beim Betrieb einer solchen Leitung an. Es sieht also so aus, dass es für Tennet in Mühlhausen, wo sich am Donnerstag um 19.30 Uhr im Gasthof Pfindel (Ortsteil Hofen) eine Bürgerinitiative gründen will, noch einiges zu besprechen geben wird.

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Juraleitung wird auf 380 kV aufgerüstet

Die Stromtrasse verläuft auch durch den Landkreis Neumarkt. Zwei Vertreter von TenneT beantworten die wichtigsten Fragen.

Weiter südlich in Pollanten trifft die Trasse auf ein weiteres Nadelöhr im Landkreis. Auch hier ist die mit den Jahren an die Leitung herangerückte Wohnbebauung das Problem. Offenbar schlägt Tennet vor, das Problem zu lösen, indem die Trasse künftig nördlich vor Pollanten den Berg ansteigt und östlich weiträumig am Ort vorbeiführt. Ein Vorschlag, den Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich Tennet auch so unterbreitet hat, wie er sagt. Insofern könnte er damit gut leben, es bleibt aber auch bei ihm der Wunsch, die 110-kV-Leitungen gleich mitzuverlegen.

Bürgermeisterin besteht auf Abständen

In Dietfurt, wo die Pläne anders als in Berching in der Vergangenheit schon zu mehr Diskussionen und der Gründung einer BI geführt haben, hat man diesen Wunsch ebenso. Ob er erfüllt wird, ist ebenso noch unabsehbar. Tennet hat gleich zwei Korridorvorschläge für diesen Raum erarbeitet, um die Herausforderung, die das Nadelöhr Dietfurt stellt, zu lösen. Beide würden weiter westlich als bislang an der Stadt vorbeiführen. Der eine ginge zwischen Dietfurt und Töging hindurch, der andere noch weiter westlich zwischen Kottingwörth und Grögling.

Für Bürgermeisterin Carolin Braun sind im Dialog mit Tennet zwei Punkte zentral. „Wir bestehen darauf, dass die Abstände unter allen Umständen eingehalten werden“, sagt Braun zum einen. Zum anderen will sie für die Stadt mehr Freiraum im Westen erlangen. Im Osten sei die Stadt eingeschlossen und eine weitere Siedlungsentwicklung ausgeschlossen. Es bleibt der Westen, wo bislang die 220-kV-Leitung im Weg ist. Braun wünscht sich daher eine weiträumige Umgehung Dietfurts.

Die Stromtrasse beunruhigt manche Bürger. In Dietfurt hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Foto: Grad
Die Stromtrasse beunruhigt manche Bürger. In Dietfurt hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Foto: Grad

Wie die Korridorvorschläge der Tennet genau verlaufen, kann sich jeder ab Mittwoch im Internet detailliert ansehen. Dort können Bürger auch direkt schriftliche Anmerkungen abgeben. Oder sie kommen zu einem der Bürgerinformationsmärkte, die Tennet in den kommenden Wochen in der Region abhält. Auch dort kann vor Ort das digitale Kartenmaterial durchforstet, Fragen gestellt und Bemerkungen abgegeben werden.

Termine für Bürgerinformationsmärkte im Landkreis Neumarkt sind am 27. Mai im Pfarrzentrum Reichertshofen und am 29. Mai im Kloster Plankstetten. Zudem findet ein solcher Termin auch am 28. Mai in Beilngries (Haus des Gastes) statt. Die Märkte sind jeweils von 15 bis 20 Uhr angesetzt.

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