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Projekte begeistern Schüler und Lehrer

Die Pädagogen an der Mittelschule setzen auf praktisches Lernen. Ihr Hauptziel ist es, ihre Schützlinge zu motivieren.
von Bettina Dennerlohr

  • Philipp Schmitz hat mit seinen Schülern ein Solar-Rad gebaut. Im kommenden Schuljahr wollen sie weiter an einigen Details feilen. Foto: Dennerlohr
  • Die erste Ernte des selbstgezüchteten Gemüses steht an. Foto: Dennerlohr
  • Um den Schulgarten kümmern sich Robert Peter und seine Gruppe. Foto: Dennerlohr
  • Regelmäßiges Gießen ist im Schulgarten Pflicht. Foto: Dennerlohr
  • Die erste Ernte wurde in der Schulküche verarbeitet. Foto: Dennerlohr

Neumarkt.Es gibt einen Moment im Sommer, an dem sind Mittelschullehrer besonders stolz: Dann, wenn ihre Schüler die Abschlusszeugnisse in der Hand halten. Schließlich ist das Verhältnis zwischen Lehrer und Jugendlichen an keiner anderen Schule so eng, wie an der Mittelschule: Hier wird nach dem Klassenlehrerprinzip unterrichtet. „Die Kollegen sind sehr nahe an den Jugendlichen dran – drei Jahre sind eine lange Zeit“, erklärt Petra Zeitler, Rektorin der Mittelschule an der Weinberger Straße. „In manchen Wochen verbringen die Schüler mit uns wahrscheinlich mehr Zeit als mit ihren Eltern“, ergänzt Konrektor Alexander Weis. Doch nicht nur die erfahrenen Lehrkräfte schätzen das Klassenleiterprinzip – auch die jungen Lehrer haben damit gute Erfahrungen gemacht. „Wir werden für die Jugendlichen zur Vertrauensperson und können gerade auch in der Pubertät Orientierung geben“, sagt Lehrer Robert Peter.

Er und sein Kollege Philipp Schmitz haben die Erfahrung gemacht, dass gerade bei Mittelschülern die Beziehungsarbeit wichtig ist. Schließlich funktioniere so auch die Erziehungsarbeit – und davon müssen die Pädagogen eine ganze Menge leisten. Seit etwa zehn Jahren steigt der Anteil der Kinder mit Auffälligkeiten, schätzt Weis. Auch Peter, der erst seit kurzem im Schuldienst ist, hat bemerkt, dass die Schere immer weiter auseinandergeht: Auf der einen Seite stehen die braven, fleißigen Kinder, auf der anderen diejenigen, die schon in jungen Jahren einen ganzen Berg Probleme mit sich herumtragen.

„Kinder die Probleme machen haben Probleme“, erklärt Zeitler. Für schwerwiegendere Probleme gibt es im Haus eine Sozialpädagogin. Für die anderen haben sich die Lehrer Strategien zurechtgelegt: An der Stärken der Kinder arbeiten, positives Verhalten verstärken, aber auch konsequent und vor allem gerecht sein. „Die Schüler müssen spüren, dass ich nicht sie als Menschen ablehne, sondern nur ein bestimmtes Verhalten“, sagt Schmitz. Die Vorurteile, mit denen ihre Schützlinge, zu kämpfen haben, weisen sie strikt zurück: „Besucher sind sogar oft überrascht, wie höflich und freundlich unsere Jugendlichen sind“, sagt Zeitler. Das Ziel ihrer Arbeit ist für sie klar: Am Ende der Schullaufbahn sollen die Jugendlichen einen Quali und möglichst auch eine Lehrstelle in der Tasche haben. Wenn sich abzeichnet, dass die Schüler das erste Ziel doch nicht erreichen, wird umso mehr Energie in das zweite Ziel gesteckt, erklärt Zeitler. Die Jugendlichen machen dann umso mehr Praktika und versuchen so, einen Ausbildungsvertrag zu bekommen: „Das klappt auch in der Regel sehr gut.“ Dazu kommen Angebote zur Berufsberatung, aushängende Stellenanzeigen und die Klassenleiter, die immer wieder informieren.

Zur Ausbildungsreife gehört auch die entsprechende Bildung – und dafür setzt die Mittelschule immer mehr auf Projekte. „Wir wollen uns in Zukunft noch mehr dahin orientieren, Tun und Lernen zu vernetzen“, erklärt Zeitler. Auch ihre Kollegen haben damit gute Erfahrungen gemacht: „Die Jugendlichen sind unheimlich motiviert“, sagt Peter. Er hat mit einer Schülergruppe einen unscheinbaren Flecken Erde in einen blühenden Schulgarten verwandelt, dessen Früchte sie nun zum ersten Mal ernten konnten. Die Kinder haben so nicht nur Wichtiges für den PCB-Unterricht gelernt, sondern sind mit Feuereifer dabei. Einige haben sich sogar bereiterklärt, freiwillig in den Ferien zu kommen und die Pflanzen zu gießen.

Auch Schmitz’ Schüler können ein erfolgreiches Projekt vorweisen: Gemeinsam mit ihrem Lehrer haben sie seit Februar an einem Solar-Fahrradtaxi gearbeitet. Zwei Akkus, Spannungswandler und sogar ein USB-Anschluss – alles haben Schüler und Lehrer in Eigenregie verbaut. Vorzeigbar ist das Ergebnis bereits, allerdings noch nicht vollendet: Im nächsten Jahr wird das Taxi um einen bequemeren Sitz und einklappbare Solarpanels erweitert. Das wollten die Schüler selbst so, sagt Schmitz: „Sie sind selbst ihre härtesten Kritiker.“ Unterstützt wurden sie für das Projekt von der Stadt Neumarkt: Das Rad ist eines von etwa 50 Mikroprojekten, die seit 2011 aus dem Fördertopf „Nachhaltigkeit neu lernen“ unterstützt wurden, erklärt Hidir Altinok vom Amt für Nachhaltigkeitsförderung. Die Schüler haben dabei nicht nur handwerklich dazugelernt, erklärt Schmitz. Bestellungen bei Firmen, die Bezahlung abwickeln – das alles gehörte genauso dazu.

Schließlich gehört das zu den Dingen, die auf die Schüler auch im Berufsleben auf sie zukommen können. Im Moment sehen die Chancen für die Absolventen sehr gut aus: Alle Schüler hatten bei der Entlassfeier einen Vertrag in der Tasche, nur eine Zehntklässlerin war sich noch nicht sicher. Auch in der Zeit danach zeigt das Klassenleiterprinzip noch Wirkung: „Immer wieder kommen Ehemalige zu uns, schauen kurz vorbei und zeigen uns zum Beispiel einen Gesellenbrief oder ein Fachabitur“, sagt Zeitler. Stolz sind dann nicht nur die ehemaligen Schüler, sondern auch die früheren Lehrer.

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